07.03.2019 Florian Söllner

Geheimes Tesla-Meeting: Was weiß die Deutsche Bank über das Model 3?

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Tesla
Trendthema

Das Elektroauto des Jahres 2019 wird wohl das Model 3. Tesla hält sein Versprechen und bietet es ab 35.000 Dollar an – eine starke Nachfrage ist garantiert. Doch wie viel verdient Tesla angesichts dieses Kampfpreises noch? Chuck Tannert von Forbes hatte im Call am 28.02. direkt gefragt: Was ist Teslas Gewinnmarge für jedes Model 3, das zu 35.000-Dollar verkauft wird? Die Antwort von Elon Musk: „Wir werden keine Fragen wie diese beantworten. Nächste Frage.“

Deutsche Bank: "positive Rohmarge"

Doch zwischenzeitlich wurde bekannt, dass Elon Musk in einer noch kleineren Runde doch noch Details verraten hat. Mehrere SeekingAlpha-Autoren sind irritiert, dass eine Bank - die Deutsche Bank - anschließend doch noch Informationen erhalten hat. So schrieb Deutsche-Bank-Analyst Emmanuel Rosner folgende Zeilen: “In einem Follow-up-Gespräch mit Tesla, zeigt das Management einen Weg auf, profitabel zu bleiben, was Einsparungen bei Fixkosten einschließt.“ Dann der entscheidende Satz: „Tesla ließ durchblicken („indicated“), dass das 35.000-Dollar-Model-3 von Anfang an eine positive Rohmarge erzielt.“

„Moment! Wieso liefert Tesla diese Informationen ausschließlich an die Deutsche Bank“, wundert sich Autor Anton Wahlman.

Ob die Analysten von Bernstein einen ähnlichen Service erhalten haben, ist nicht bekannt. Doch die Schlussfolgerung ist eine andere: Aktuell hätte das Model 3 zu Preisen von 35.000 Dollar „nahezu null Bruttomarge“. Immerhin gibt es Hoffnung: Wenn Tesla wie geplant seine Kosten weiter senke, könne sich die Marge verbessern.

Zuletzt hatte sich auch Automanager-Legende (Ford, BMW, GM) Bob Lutz in einem Interview geäußert – er ist wie gewohnt Tesla-skeptisch, doch er ist einen Tick optimistischer geworden. 2016 hatte er dem AKTIONÄR noch gesagt, dass: „Tesla absolut keine Chance hat, mit dem Model 3 Geld zu verdienen.“ Auch jetzt sieht er „große Schwierigkeiten“ und Kosten, die in der Nähe der Umsätze sind, doch er spricht nun von der Möglichkeit zumindest einer kleinen Marge im Interview:

Tesla won't be able to shift sales entirely online, says former GM executive from CNBC.

Die Ironie ist: Das Model 3 wird Tesla zum Massenhersteller machen – jedoch auch hinsichtlich maximal dünner Margen und großem Kostendruck. Die Zeit der hohen Rohmargen in der Luxus-Elektroauto-Nische scheint vorbei. Tesla wird erwachsen – und zu einem Autohersteller mit den gleichen Problemen wie GM, BMW oder Daimler.

Trader warten weiterhin den Bruch der 320-Dollar-Marke ab. Elektroauto-Fans, die noch keinen Tesla haben und nun günstiger zuschlagen können, feiern die günstigeren Preise, doch Investoren sind verunsichert. Der Preis des 35.000-Dollar-Autos sind wohl sinkende Margen. Auch weil Elon Musk auf Einmalbelastungen durch Entlassungen - viele Tesla-Offline-Shops werden geschlossen - hinwies, wird im ersten Quartal wohl ein Verlust ausgewiesen. Der Wortlaut: “Given that there is a lot happening in Q1, and we are taking a lot of one time charges, there are a lot of challenges getting cars to China and Europe, we do not expect to be profitable in Q1. We do think that profitability in Q2 is likely.”

Es ist nicht das einzige Datum, welches Tesla-Anleger derzeit im Blick behalten müssen. Bloomberg zufolge wurde Elon Musk nun eine Deadline bis zum 11. März eingeräumt, um sich gegenüber der SEC zu seinem umstrittenen 500.000-Autos-Tweet zu äußern. Zunächst hatte er geschrieben, dass man 2019 "rund 500.000" Autos bauen will - was Medien wie Bloomberg begeistert aufgegriffen hatten. Doch einige Stunden später die Richtigstellung des Tesla-Chefs: "Ich meinte eine annualiserte Produktionsrate Ende 2019, die wahrscheinlich bei 500.000 Autos oder 10.000 pro Woche liegen wird. Das Auslieferungziel für 2019 liegt weiterhin bei rund 400.000." Dies wäre dennoch ein bemerkenswertes Wachstum von über 60 Prozent gegenüber dem Niveau von 2018.

Tesla made 0 cars in 2011, but will make around 500k in 2019

 

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Tesla.