12.01.2019 Thorsten Küfner

Fondsmanager Leber: Allianz, BASF und Nvidia weiter attraktiv

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Was können Anleger vom Jahr 2019 erwarten? Wo liegen die größten Risiken und wo die größten Chancen? DER AKTIONÄR hatte für die Titelstory „Börse im Crash-Check – das sagen die Profis“ kurz vor Weihnachten die bekanntesten Börsenexperten hierzu befragt. Hier sind die Tipps von Fondsmanager Dr. Hendrik Leber.

Herr Dr. Leber, was war Ihrer Meinung nach ausschlaggebend für den jüngsten Kursrücksetzer: Rezessionsängste, die inverse Zinsstruktur, Sorgen um den Handelsstreit oder ein ganz anderer Grund?

Meiner Meinung nach waren es die Zinsen. Ich schaue mir immer die Zinsstrukturkurve an, und die ist in den USA steiler und steiler geworden. Und das war in der Vergangenheit immer ein Anzeichen für eine Rezession – manchmal ein oder eineinhalb Jahre früher, manchmal zeitgleich. Ich habe mir auch andere Risikofaktoren angeschaut wie etwa den Pfund-Kurs oder Credit Default Swaps, die waren aber alle im normalen Bereich. Es muss also die Zinsstrukturkurve gewesen sein.

Welche weitere Entwicklung erwarten Sie im laufenden Handelsstreit zwischen den USA und China?
Ein rational handelnder US-Präsident würde jetzt noch ein bisschen poltern und dann einen Deal herbeiführen. Das wäre für alle das Beste. Dann hätte er sein Ziel erreicht und die Wirtschaft boomte wieder. Allerdings war Trump in der Vergangenheit nicht immer ein rationaler Handler. Bei Trump haben wir dafür zwar auch eine hohe Wahrscheinlichkeit, aber keine Sicherheit. Trump hantiert mit einem scharfen Werkzeug, das er nicht beherrscht. Ein Deal wäre auch machbar, wenn ihm sein eigenes Ego nicht im Wege stünde. Meine Erwartung ist dennoch, dass er es hinkriegt. Dies könnte dann auch Vorbild sein für eine europäische Lösung.

Rechnen Sie für 2019 mit einer deutlichen Abschwächung der Weltkonjunktur?
Es kommt vor allem auf die Deals beim Brexit und Handelsstreit an. Wenn beide glimpflich ausgehen, könnte die Konjunktur noch bis Ende 2019 weiter laufen. Eine Rezession gibt es typischerweise eineinhalb Jahre nach der Inversion der Zinskurve. Das heißt, wir hätten noch Zeit bis 2020 und das nächste Jahr könnte noch ein ordentliches Jahr werden. Ein harter Brexit würde aber sehr schmerzen. Und sollten die Zölle dauerhaft hoch bleiben, würde das die Konjunktur ohne Zweifel bremsen.

Wie werden die Notenbanken in den USA und in Europa darauf reagieren?
Die Fed wird vermutlich die nächsten Zinserhöhungen davon abhängig machen, wie die US-Konjunktur läuft. Die EZB kann gar nicht reagieren. Sollte sie mit den Zinsen hoch gehen, wäre Italien am Ende, also werden die Zinsen unten bleiben.

Sollten Anleger 2019 eher auf Aktien, Rohstoffe oder Anleihen setzen?
Ein Drittel der DAX-Aktien hat ein KGV von unter 10. Das bedeutet eine Rendite von zehn Prozent pro Jahr – es gibt keine bessere Anlageform! Hier könnte man immer noch zwei Prozent zur Absicherung abzweigen. Daher würde ich empfehlen: Voll auf Aktien setzen mit einer Kurssicherung.

Welche Aktien halten Sie im Hinblick auf die kommenden zwölf Monate für besonders attraktiv?
Die billigste Aktie im DAX ist aktuell Covestro mit einem KGV von 4. Dazu macht man meiner Meinung nach auch mit Continental, BASF oder Allianz nichts verkehrt. Meine Lieblingsaktie ist im Moment Nvidia, die zuletzt unter dem nachlassenden Krypto-Mining litt: Eine extrem gute Firma mit extrem guten Produkten, in extrem wachsenden Märkten, mit extrem guter Marktstellung und hohen Margen.