In dieser Woche blicken die Anleger gespannt auf die Geldpolitik der Zentralbanken. Im Wochenverlauf veröffentlichen US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan (BoJ) ihre Zinsentscheide. DER AKTIONÄR beleuchtet im Vorfeld die Markterwartungen.
- Fed: Die Märkte erwarten mehrheitlich eine Zinspause. Im Fokus steht der Ausblick auf die Dezember-Sitzung.
- EZB: Eine unveränderte Zinspolitik gilt als nahezu sicher. Steigende Energiepreise halten den Inflationsdruck hoch.
- BoJ: Nach der jüngsten Zinserhöhung dürfte Japans Notenbank zunächst abwarten. Hinweise auf weitere Schritte werden erwartet.
Am Mittwoch, 28. Oktober, veröffentlicht die US-Notenbank um 19:00 Uhr deutscher Zeit ihren Zinsentscheid. Die Pressekonferenz folgt um 19:30 Uhr. Der Leitzins liegt derzeit in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent.
Laut den Angaben des CME FedWatch Tools rechnen 90,6 Prozent der Marktteilnehmer mit unveränderten Zinsen. Lediglich 9,4 Prozent erwarten eine weitere Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Damit gilt eine Zinspause als das klare Basisszenario.
Für die Aktienmärkte wird vor allem die Kommunikation von Fed-Chef Kevin Warsh entscheidend. Hinweise darauf, wie die Notenbank die Inflation bewertet und ob im Dezember eine weitere Straffung bevorsteht, könnten die Kurse bewegen. An den Terminmärkten werden für die nächste Sitzung bereits deutlich höhere Zinsen eingepreist. Auch auf die anstehende Zwischenwahl in den USAkönnte der Fed-Entscheid Auswirkungen haben.
Am Donnerstag folgt die EZB. Die Entscheidung wird um 14:15 Uhr bekannt gegeben, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr. Der Einlagensatz liegt aktuell bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.
Auch hier spricht die Marktlage für unveränderte Zinsen. Laut den vorliegenden Marktdaten liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei rund 97 Prozent. Eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte ist mit etwa drei Prozent nur eine Außenseiterwette.
Doch Entwarnung bei der Inflation gibt es nicht. Höhere Energiepreise könnten den Preisdruck verstärken. Gleichzeitig treiben die fiskalpolitischen Turbulenzen in Frankreich die Renditen am Anleihemarkt nach oben und verschärfen damit bereits die Finanzierungsbedingungen. Für Dezember rechnen die Terminmärkte deshalb mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung.
Den Abschluss bildet am Freitag die Bank of Japan. Nach der jüngsten Anhebung liegt der japanische Leitzins bei rund 1,25 Prozent; für den anstehenden Zinsentscheid wird mehrheitlich eine Pause erwartet. Im Fokus steht daher der neue Ausblicksbericht der BoJ, der Hinweise auf spätere Zinserhöhungen im Winter oder Frühjahr liefern könnte.
Anleger verfolgen diese Signale aufmerksam: Höhere Zinsen verteuern Yen-Kredite und schmälern die Rendite von Carry-Trades, bei denen günstig geliehene Yen in höher verzinsten Währungen wie dem US-Dollar angelegt werden. Löst eine Zinswende oder ein stärkerer Yen eine Auflösung dieser Positionen aus, drohen durch massive Kapitalrückflüsse deutliche Turbulenzen an der Börse.
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