Die USA haben nach erneuten Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus militärische Ziele im Iran bombardiert und gleichzeitig die zuvor gelockerten Sanktionen gegen iranische Ölexporte wieder eingeführt. Die iranische Regierung sprach von einem "schwerwiegenden Verstoß" gegen das Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges.
Kurzusammenfassung:
• USA greifen nach Tankerangriffen erneut Ziele im Iran an und verschärfen die Sanktionen gegen iranische Ölexporte.
• Der Iran verurteilt das Vorgehen scharf, kündigt Gegenmaßnahmen an und meldet Explosionen sowie Verletzte.
• Die Eskalation belastet die Märkte: Brent- und WTI-Öl verteuern sich um jeweils rund fünf Prozent.
Der Iran werde "entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine nationalen Interessen und seine Sicherheit zu wahren", erklärte Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi auf der Plattform X.
In der Nacht berichteten iranische Medien über Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus der Umgebung der Großstadt Bandar Abbas wurden Detonationen gemeldet. Laut dem iranischen Fernsehsender Press TV wurden dabei mehrere Menschen verletzt.
Nach Informationen des gut vernetzten Journalisten Barak Ravid soll US-Präsident Donald Trump den Angriff auf den Iran während seiner Teilnahme am laufenden Nato-Gipfel in der Türkei genehmigt haben. Ravid berief sich dabei auf einen Regierungsvertreter aus den USA. Die neuen Militärschläge fielen in eine Phase, in der im Iran weiterhin Trauerfeiern für das getötete Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei stattfinden. Für heute sind Gedenkveranstaltungen im Irak vorgesehen, bevor Chamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll.
Kurz vor Beginn der Trauerzeremonien hatten die iranischen Streitkräfte ihre Gegner eindringlich vor weiteren Angriffen gewarnt. In einer Erklärung der Revolutionsgarden hieß es: "Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden." Darüber hinaus hatte die Führung in Teheran in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass ausschließlich eine vom Iran festgelegte Route durch die Straße von Hormus als sicher gelte. Dennoch gerieten erneut mehrere Tanker in der Meerenge unter Beschuss.
Besonders stark betroffen war nach Angaben der Besatzung der katarische Flüssiggas-Tanker "Al-Rekayyat", der von einem "unbekannten Geschoss" getroffen worden sein soll. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und warnte vor den Folgen für die internationale Schifffahrt sowie die weltweite Energieversorgung. Ein Vertreter der US-Regierung bezeichnete die anschließenden Militärschläge gegenüber dem Sender CNN als "Bestrafung" und kündigte an, dass diese noch fortgesetzt würden.
Nach Darstellung des US-Regionalkommandos Centcom müsse Teheran für die Angriffe auf Handelsschiffe einen hohen Preis zahlen. Das Verhalten des Irans sei unbegründet, gefährlich und verstoße gegen die geltende Waffenruhe. Wie das US-Nachrichtenportal "Axios" unter Berufung auf einen Regierungsbeamten berichtete, richteten sich die Angriffe unter anderem gegen Luftabwehrsysteme, Einrichtungen zur Küstenüberwachung sowie Drohnenstellungen. Demnach seien die Attacken vier- bis fünfmal intensiver ausgefallen als die Angriffe vor rund eineinhalb Wochen.
Parallel dazu nahmen die USA ihre gelockerten Sanktionen gegen iranische Ölexporte zurück. Das US-Finanzministerium teilte mit, dass eine erst vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung wieder aufgehoben werde. Damit sind neue Geschäfte mit Rohöl sowie petrochemischen und Erdölprodukten iranischer Herkunft erneut verboten. Ein Regierungsvertreter erklärte, wirtschaftliche Erleichterungen kämen für den Iran nur infrage, wenn das Land seinen Verpflichtungen nachkomme. Das Verhalten Teherans in der Straße von Hormus sei "völlig inakzeptabel".
US-Präsident Trump hatte den Druck auf den Iran zuletzt erneut erhöht und erklärt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden "den Job zu Ende bringen". Irans Außenminister Abbas Araghtschi entgegnete darauf, dass Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen nicht aufgenommen würden, solange die Drohungen anhielten.
Die jüngste Entwicklung im Nahen Osten sorgt wieder für erhöhte Nervosität an den Märkten. Die Ölpreise legen daher wieder deutlich zu. So verteuern sich Brent- und WTI-Öl aktuell um jeweils fünf Prozent auf 75,80 Dollar beziehungsweise 72,20 Dollar.
Heute, 06:42