Nach der jüngsten militärischen Eskalation in der Straße von Hormus könnten bereits heute in Katar neue Krisengespräche zwischen Vertretern der USA und des Iran stattfinden. US-Präsident Donald Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, der Iran habe um ein Treffen ersucht. Aus Teheran wurden diese Aussagen jedoch relativiert.
Kurzzusammenfassung:
• USA und Iran prüfen neue Gespräche in Katar, über Zeitpunkt und Bedingungen gibt es jedoch widersprüchliche Angaben.
• Im Mittelpunkt möglicher Verhandlungen steht offenbar die Straße von Hormus und nicht das iranische Atomprogramm.
• Die Ölpreise bewegen sich kaum, da die Unsicherheit über die langfristige Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus anhält.
Laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna sagte Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi, Gespräche würden erst stattfinden, sobald die Voraussetzungen erfüllt seien und Einigkeit über Termin und Ort erzielt worden sei.
Technische Treffen der Arbeitsgruppen seien in dieser Woche nicht vorgesehen, so Gharibabadi. Die Konsultationen über Vermittler würden jedoch fortgesetzt. Nach Angaben von Trumps Sprecherin Karoline Leavitt reisen Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte Steve Witkoff noch in dieser Woche zu Gesprächen in die katarische Hauptstadt Doha. Sollten die Treffen zustande kommen – sei es heute oder zu einem späteren Zeitpunkt –, wird nach Berichten US-amerikanischer Medien nicht das iranische Atomprogramm im Mittelpunkt stehen. Stattdessen dürfte erneut der Streit um die Straße von Hormus die Agenda bestimmen.
Die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Wasserstraße, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Handels mit Öl, Gas und Düngemitteln abgewickelt wird, gilt als zentraler Bestandteil des Rahmenabkommens, auf das sich Washington und Teheran vor rund zwei Wochen verständigt hatten. Allerdings enthält der entsprechende Abschnitt Formulierungen, die unterschiedlich ausgelegt werden können. Demnach werde der Iran nach „besten Kräften“ Maßnahmen ergreifen, um Handelsschiffen für einen Zeitraum von 60 Tagen eine sichere und gebührenfreie Passage durch die Meerenge zu ermöglichen.
Die Begriffe „Maßnahmen“ und „nach besten Kräften“ seien jedoch nicht näher definiert, betont die Denkfabrik „The Soufan Center“. Nach Einschätzung von Experten lässt sich daraus jedenfalls nicht ableiten, dass die iranische Position gestützt werde, wonach Schiffe die Meerenge ausschließlich auf von Teheran festgelegten Routen passieren dürfen.
Die bewusst offen gehaltenen Formulierungen seien vermutlich entscheidend gewesen, um die Verhandlungen überhaupt zu einem Abschluss zu bringen, erklärte Nicole Grajewski von der Pariser Elitehochschule Sciences Po gegenüber der „New York Times“. Beide Seiten versuchten nun, ihre jeweilige Verhandlungsposition zu stärken, bevor die Details in einer endgültigen Vereinbarung festgeschrieben werden.
Die Ölpreise zeigen sich angesichts der widersprüchlichen Aussagen der beiden Konfliktparteien richtungslos. Aktuell ist zwar die Straße von Hormus wieder nutzbar, wie lange dies so bleiben wird, ist allerdings immer noch unklar. Es ist weiterhin nicht auszuschließen, dass der Iran sein mit Abstand wichtigstes Druckmittel einmal mehr nutzen könnte...
30.06.2026, 07:39