Die Ölpreise haben am Donnerstagabend nach zunächst negativen Nachrichten wieder zugelegt. Nachdem der Preis für ein Barrel der weltweiten Referenzsorte Brent zeitweise um rund zwei Prozent gefallen war, drehte er am Nachmittag ins Plus. Am Abend beschleunigte sich der Anstieg, nachdem es in der Straße von Hormus zu einem Zwischenfall gekommen war.
Das Wichtigste kurz und knapp:
• Es gab gestern einen Zwischenfall im Golf von Oman, bei dem ein Schiff angegriffen wurde.
• Die Ölpreise legten daher zu.
• Am grundsätzlich negativen Trend von Brent, WTO & Co dürfte dies aber zunächst wenig ändern.
Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Abend 75,84 US-Dollar und damit knapp drei Prozent mehr als am Mittwochabend. Nach Angaben eines Sprechers des Datenanbieters Kpler wurden am Mittwoch 70 Durchfahrten gezählt. Vor Ausbruch des Iran-Kriegs waren es täglich mehr als 100 gewesen. Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Transportrouten für Rohöl und hat damit eine zentrale Bedeutung für die Weltwirtschaft.
Am Donnerstagabend setzte die Weltschifffahrtsorganisation IMO nach einem Angriff auf ein Schiff im Golf von Oman die erst kürzlich begonnene Evakuierung von Schiffen rund um die Straße von Hormus vorläufig aus. "Mir wurde heute ein Angriff im Golf von Oman auf ein Schiff gemeldet, das die Straße von Hormus durchquert hat", teilte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez mit. "Dieses Schiff befand sich nicht im Rahmen des Evakuierungsplans der IMO auf der Durchfahrt."
Weitere Angaben zu dem betroffenen Schiff oder dem Angriff machte die UN-Sonderorganisation zunächst nicht. Nach Angaben des internationalen Schifffahrtsverbandes Bimco handelt es sich um ein Handelsschiff, das die Straße von Hormus unter Nutzung der Küstenverkehrszone vor Oman durchquerte.
Seit Ende April sinken die Ölpreise wegen der Hoffnung auf eine Lösung im Iran-Krieg. Zuletzt hatten sowohl der Iran als auch die Vereinigten Staaten nach ersten Gesprächen Fortschritte signalisiert, auch wenn ihre Einschätzungen teils voneinander abwichen. Gleichzeitig konnten wieder mehr Öltanker die Straße von Hormus passieren. Analysen zufolge zeigte der Schiffsverkehr durch die wichtige Meerenge zuletzt erste Anzeichen einer Normalisierung.
Noch herrscht natürlich noch große Unsicherheit, wer oder was den Zwischenfall ausgelöst hat. Doch aktuell nimmt der Schiffverkehr in der Straße von Hormus immer weiter zu. Ein einzelner Zwischenfall dürfte an diesem Trend vorerst nichts ändern. Das Marktumfeld für Brent, WTI & Co bleibt also schwierig.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 06:59