Der Iran und Oman stehen offenbar kurz davor, sich auf eine neue Schifffahrtsregelung für die derzeit blockierte Straße von Hormus zu verständigen. Wie die Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf Außenamtssprecher Ismail Baghai berichtet, haben sich beide Staaten auf die geografischen Koordinaten der Route geeinigt.
Eine gemeinsame Erklärung sei nahezu abgeschlossen, allerdings dürfe „niemand mehr dazwischenfunken“. Eine offizielle Bestätigung aus Oman liegt bislang nicht vor. Den Angaben zufolge sind die USA nicht an den Gesprächen beteiligt. Die iranische Führung lehnt Verhandlungen mit Washington weiterhin ab und fordert Gebühren für Schiffe, die die Meerenge nutzen – ein Vorhaben, das die USA strikt zurückweisen. US-Präsident Donald Trump hatte den Iran zuletzt gewarnt, das Land werde harte Konsequenzen spüren, sollte die für den weltweiten Transport von Öl, Flüssiggas und Dünger wichtige Wasserstraße geschlossen bleiben.
Vor Beginn des Ende Februar ausgebrochenen Krieges, der durch koordinierte Angriffe der USA und Israels ausgelöst wurde, war die Passage zwischen Iran und Oman frei befahrbar. Sollte Teheran künftig umfangreiche Kontrollrechte über die Schifffahrt erhalten, würde dies seine strategische Position deutlich stärken. Gleichzeitig wächst der innenpolitische Druck auf Trump, den kostspieligen und bei vielen Wählern unpopulären Konflikt vor den Zwischenwahlen im November zu beenden.
Baghai machte deutlich, dass eine Einigung allein keine sichere Durchfahrt garantiere. Die Lage hänge weiterhin von der US-Blockade iranischer Häfen sowie anderen „aggressiven und bedrohlichen Maßnahmen gegen den Iran“ ab. Seit Kriegsbeginn ist die Straße von Hormus größtenteils gesperrt. Über die Meerenge werden rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases transportiert.
Auch Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi erklärte laut Irna, eine Vereinbarung über neue Regeln für den Schiffsverkehr stehe kurz vor dem Abschluss. Er betonte jedoch, dass es sich nicht um eine vollständige Öffnung der Meerenge handle, sondern um ein neues Konzept für den Schiffsverkehr. Nach Informationen des US-Senders CNN schätzt ein hochrangiger Vertreter der Golfstaaten die Erfolgschancen einer Einigung bis Freitag auf 50 Prozent. Als Hindernis gilt, dass Vertreter der einflussreichen Revolutionsgarden bislang nicht Teil der iranischen Delegation sind, ihre Zustimmung jedoch erforderlich ist.
Trump hatte bereits am Dienstagabend eine mögliche Öffnung der Meerenge für Mittwoch oder Donnerstag im Zusammenhang mit einem Abkommen mit dem Iran in Aussicht gestellt. Medienberichten zufolge wird derzeit über ein Übergangsmodell beraten: Schiffe würden den Persischen Golf über eine nördliche Route erreichen und ihn auf einer südlichen Strecke entlang der omanischen Küste wieder verlassen.
Diese Lösung soll vorübergehend gelten, während vom Iran verlegte Seeminen geräumt werden. Der Streit über die Kontrolle der Straße von Hormus und die Bedingungen für ihre Nutzung zählt zu den zentralen Ursachen der jüngsten Eskalation zwischen den USA und dem Iran.
Die zuletzt bereits gefallenen Ölpreise hielten sich im gestrigen Handel relativ stabil. Eine Einigung zwischen Iran und Oman sowie eine nahende Öffnung der Straße von Hormus dürften bei Brent, WTI & Co allerdings wieder für Abgabedruck sorgen. Dies wiederum würde vor allem Aktien von Firmen in die Karten spielen, die unter den anhaltend hohen Ölpreisen besonders leiden, beispielsweise der Lufthansa. Mutige können sich beim günstig bewerteten MDAX-Titel positionieren (Stoppkurs: 6,50 Euro).
Heute, 07:12
Bei Google bevorzugen