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25.09.2020 Carsten Kaletta

Entscheidet etwa der Staat, wer neuer Commerzbank-Boss wird?

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Commerzbank

Die Commerzbank steht an einer Weggabelung. Um die zukünftige Marschrichtung definitiv festzulegen, braucht es (endlich) einen neuen Vorstandsvorsitzenden – einen Nachfolger für den im Juli zurückgetretenen Martin Zielke. Seit Anfang August ist der neue Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter auf intensiver Suche. Dabei kam es offenbar auch zu (mehreren) Treffen mit Vertretern aus der Politik, berichtet das Handelsblatt.

Seit dem 3. August fungiert Vetter als Chef des Kontrollgremiums der Commerzbank. Bereits einen Tag nach seiner Inthronisierung traf sich Vetter mit dem Chef der Finanzaufsicht BaFin, Felix Hufeld. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Am 27. August traf Vetter dann Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies. Laut Aussagen des Finanzministeriums handelte es sich dabei um den üblichen Antrittsbesuch eines neuen Chefkontrolleurs. Am  6. September, also kurz danach, sprach Vetter dann erneut mit Kukies.

Der Finanzstaatssekretär hatte am 26. August zudem einen Termin mit Commerzbank-Firmenkundenchef Roland Boekhout. Dem Holländer werden gute Chancen eingeräumt, die Nachfolge von Commerzbank-Chef Martin Zielke anzutreten. Dass sich der Staat als größter Aktionär mit einem Anteil von 15,6 Prozent einmischt, ist einerseits nachvollziehbar. Andererseits wäre eine klare Aussage des Bundes hinsichtlich der Erwartungshaltung zielführender als „heimliche Gespräche“ hinter verschlossenen Türen.

Dem Eindruck, dass am Ende die Politik über den neuen Vorstandschef entscheidet, wird in Vetters Umfeld allerdings vehement widersprochen, berichtet das Handelsblatt weiter. Dass der Chefkontrolleur mit dem Bund über die CEO-Suche und die Lage der Bank spreche, sei selbstverständlich, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen. Am Ende liege die Entscheidung aber bei Vetter und dem Aufsichtsrat.

Vetter selbst hat kürzlich in einem Interview im Intranet der Commerzbank betont, dass die Suche nach einem neuen CEO für ihn höchste Priorität hat. „Wir werden eine Shortlist möglicher interner und externer Kandidaten zusammenstellen und dann im Aufsichtsrat gemeinsam entscheiden“, erklärte er. „Dabei werden wir uns genau anschauen, welche Eignungen die Kandidaten mitbringen und wie gut das zu dem passt, was die Commerzbank braucht.“ 

Aus Sicht des AKTIONÄR sollte der neue Manager an der Spitze Erfahrung haben, beschlossene Umbaumaßnahmen konsequent umzusetzen. Darüber hinaus sollte er ein guter Kommunikator sein, der die Mitarbeiter beim anstehenden Umbau sozusagen emotional mitnehmen kann. Weiterhin wäre es wichtig, dass das wichtige und große Thema "Digitalisierung" entschieden angepackt und vorangetrieben wird.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Regierung und Commerzbank sollten bei der Chef-Suche besser mit offenen Karten spielen. Alles andere führt sonst zur Verunsicherung der Anleger. Wichtig wäre, dass schnellstmöglich eine Spitzenkraft gefunden wird, die mit dem Konzern-Umbau konsequent loslegt. Da die Commerzbank-Aktie unter den Stopp-Kurs des AKTIONÄR bei 4,00 Euro gefallen ist, wurde das Papier verkauft. Ein Neueinstieg drängt sich vorerst nicht auf.

Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Commerzbank. 

Aktien von Commerzbank befinden sich im AKTIONÄR-Depot.