15.02.2019 Martin Weiß

Diese eine Zahl verrät, weshalb Facebook viel wertvoller ist als Twitter oder Snap - und es sind nicht die Nutzer

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Trendthema

Facebook hat sich nach einem schlimmen Jahr 2018 mit einem lauten Knall an der Börse zurück gemeldet. Die bärenstarken Q4-Zahlen trieben die Aktie zuletzt um 15 Prozent in die Höhe und DER AKTIONÄR sieht weiteres Potenzial. Doch was macht den Konzern eigentlich so erfolgreich?

Der Stimmungsumschwung für die Facebook-Aktie in den letzten Wochen – von mies zu gut – lässt sich in diesen Tagen an einer Meldung festmachen. Wie die Washington Post schrieb, drohe dem Konzern wegen möglicher Verstöße gegen den Datenschutz eine Milliardenstrafe.

Was die Aktie vor Kurzem auf Talfahrt geschickt hätte, quittierten die Investoren nun mit einem Schulterzucken. Milliardenstrafe? Facebook sitzt auf 50 Milliarden Dollar Reserven (und hat Null Schulden). So what?

Die neue Zuversicht für das mit mehr als 2 Milliarden Nutzern größte soziale Netzwerk hat natürlich einen Grund: bärenstarke Q4-Zahlen. Unter anderem meldete das Zuckerberg-Imperium zwei Millionen neue Werbekunden (aktuell: sieben Millionen). Trotz mehr als genug Skandalen büßte die Plattform weder bei den Nutzern, noch in der Werbeindustrie an Popularität ein. 

Und Facebook weiß diese Popularität in klingende Münze zu verwandeln. Im vierten Quartal 2018 betrug der Umsatz pro täglich aktivem Kunden (ARPU) 11,21 Dollar. Der Wert entspricht einer Runrate (Rr) von 44,84 Dollar. Zum Vergleich: Twitter bringt es auf dieser Basis auf einen ARPU von 7,21 Dollar (Rr: 28,84), Snap nur auf magere 2,10 Dollar (8,40).

**Umsatz je Kunde (DAU) in Q4 *gemessen am ARPU/Jahr

Kein anderer Konzern erzielt mit seinen Kunden also ähnlich hohe Erlöse wie Facebook. Und das Wachstum ist intakt. Gegenüber dem Q4 2018 kletterte der ARPU um rund 20 Prozent.

Jeder DAU wird bei Facebook mit dem 6,1fachen seiner Jahresumsätze bewertet, gegenüber 6,4 für Twitter und 7,7 für Snap. Der Facebook-Wert erscheint günstig, zumal der Konzern jede Menge Luft hat, um sein Asien-Geschäft stärker zu monetarisieren. Bei Twitter und insbesondere bei Snap erscheinen die Werte gemessen am Wachstum und der Relevanz in der Werbeindustrie hingegen üppig, im Fall von Snap sogar viel zu hoch.

DER AKTIONÄR bleibt nach dem jüngsten Kursanstieg weiter bullish für Facebook. 

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

Autoren: McNamee, Roger
Seitenanzahl: 400
Erscheinungstermin: 21.11.2019
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-662-2