24.03.2019 Florian Söllner

Die 3 Szenarien für Tesla: 100 Prozent Plus, Kursziel Null – Apple, BMW oder DeLorean?

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Denkst du, du hattest eine harte Woche? Elon Musk hat eine 500-Millionen-Dollar-Finanzierung für eine neue China-Fabrik organisiert, Unterstützung für einen Tunnel in Las Vegas erhalten und einen SpaceX-Erfolg verbucht“, so Tesla-Ex(!)-Shortseller Citron Research. Und stellte die provokante Frage an alle Musk-Kritiker: „Und was hast du derweil getan?“

Ob Musk mehr Genie oder Bluffer ist, wird die Zeit zeigen. Sicher ist: Er ist ein Macher, ein knallharter Unternehmer, der mutige und schnelle Entscheidung trifft. Zur ganzen Wahrheit gehört, dass Musk zuletzt Tausende treue Tesla-Mitarbeiter entlassen und die eigentlich als wertstabil propagierten Teslas über Nacht im Schnitt sechs Prozent, aber bei einzelnen Autos bis zu 46 Prozent im Preis gesenkt hat. Ein Aufschrei der Kunden folgte – Musk korrigierte und erhöht die Preise wieder um durchschnittlich drei Prozent – wer ein Schnäppchen machen will, schlug zu, bevor die Wühltisch-Preise wieder etwas steigen –, ein netter Marketingtrick, der pünktlich zum Quartalsende die Nachfrage nach Model S und X stimulieren dürfte.

(Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 12/2019 erschienen und wurde aktualisiert.)

Der überraschend schnell auf die 2016 versprochenen 35.000 Dollar gesenkte Model-3-Preis sorgt ebenso für frische Nachfrage – Electrek tippt auf 5.000 bis 10.000 US-Orders innerhalb einer Woche. Bei einem Absatzgesamtziel von 400.000 Autos pro Jahr ist dies auch nötig – nachhaltig, nicht nur zu Beginn. Wichtige Frage: Kann Tesla mit einem 35.000-Dollar-Model-3 dank der Entlassungen Geld verdienen? Die jüngsten Analystenschätzungen reichen von wenig bis keine Marge. Investoren sehen über geringe Profitabilität hinweg – wenn die Vision und das Wachstum stimmen. Doch bei Tesla ist in diesen Tagen alles möglich – und nichts mehr sicher: Morgan Stanley fürchtet, dass das „Luftloch bei der Nachfrage früher kommt als erwartet“.

Tatsächlich sprechen die Preissenkungen bei den alten Modellen X und S sowie dem Model 3 für ein Nachfrageproblem bei Tesla – ausgelöst durch die auslaufende Förderung im US-Markt sowie auftauchende Elektroauto-Alternativen wie Porsche Taycan, Polestar, I-Pace oder Audi Q4.

Aber Elon Musk hat noch einen Trumpf im Ärmel: Am 14. März wurde das Model Y vorgestellt. Die Erwartungen sind immens – hier soll das gelingen, was beim Model 3 nicht funktionierte: eine extrem effiziente Produktion. Da das Model Y auf der Plattform des Model 3 gebaut wird, soll es 75 Prozent der Komponenten mit dem Model 3 teilen.

Musk ist bullish und tippt auf eine „vielleicht 50 Prozent höhere Nachfrage“ als nach dem Model 3. Eine gewagte Prognose, da das Model 3 mit weniger Konkurrenz kämpfen musste und zehn Prozent günstiger ist. Doch Musk ist ehrlich und sagt: „Ich habe keine Kristallkugel.“ Auch Analysten haben es schwer, angesichts der sich überschlagenden Ereignisse eine Prognose für die Tesla-Aktie abzugeben. Drei Szenarien zeigen, wie groß die Ereignisspanne sein kann.

1. Bull: Tesla ist Apple

Auch nach dem 20-Prozent-Einbruch: Die Tesla-Aktie ist kein Schnäppchen, sondern teuer – doch, so die Hoffnung der Bullen: Das Model Y wird ein Blockbuster, neue Varianten bei X und S beleben die Nachfrage. Durch hohe Zuverlässigkeit werden Premiumpreise wie beim iPhone erzielt, Tesla erzielt Traummargen. Wächst Tesla bis 2030 im Schnitt um 22 Prozent, wären das 233 Milliarden Dollar Umsatz – bei einem KUV wie VW bis dahin eine glatte Kursverdopplung. Gelingt es Tesla, innovativ zu bleiben, sind noch höhere Kurse gerechtfertigt.

2. Szenario: Tesla ist BMW

Jüngste Abwertungen im Consumer-Report-Ranking bei der Qualität und laut Axiom verblassender Glanz der Marke Tesla im US-Markt sind hingegen ein Indiz: Tesla kann dem Markt keine Preise mehr diktieren, das Wachstum stößt an Grenzen. Tesla dürfte sich dank seiner frischen Marke dennoch als großer Autohersteller etablieren. Zwar bauen 2025 alle Hersteller der Welt Elektroautos mit Selbstfahrfunktionen, doch Tesla wird sich als „Original“ behaupten und durchschnittliche Margen erzielen – Geld für schnelles Wachstum fehlt aber. Normalität ist eine Gefahr für die Aktie: Eine „normale“ Bewertung für einen wachstumsschwachen Autohersteller ist ein 2020er-KUV von 0,4 – beziehungsweise ein Tesla-Kurs von 100 statt 300 Dollar.

3. Worst Case: Tesla ist DeLorean

Der coolste Manager der 80er war John DeLorean, das „Zurück in die Zukunft“-Auto mit Flügeltüren eine gefeierte Revolution. Doch Ärger mit Behörden, ein schlechter Ruf wegen Qualitätsproblemen und eine Rezession sorgten am Ende für eine spektakuläre Pleite. Kursziel null.

Mach´s wie Elon

Entscheidend ist das Model Y. Wie ist die Nachfrage, wird die Qualität besser und die Produktion effizient? der aktionär gibt eine fundamentale Einschätzung nach Klärung dieser Punkte. Bis dahin orientieren sich Trader am Chart: Beim Sprung über die Marke von 320 bis 330 Dollar wird ein Kaufsignal generiert. Tipp für investierte Tesla-Fans: Gehe mit der Aktie flexibel um wie Elon Musk mit seinen Mitarbeitern. Glaube an den großen Erfolg – doch wirf sie knallhart raus aus dem Depot, wenn der Markt dreht und die Performance nicht mehr stimmt.