27.12.2018 Nikolas Kessler

Deutsche Bank: 2019 wird ein Schicksalsjahr

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Deutsche Bank
Trendthema

Für die Deutsche Bank geht ein turbulentes Jahr zu Ende. Chefwechsel, Sparkurs, Fusionsgerüchte und die Ermittlungen wegen Geldwäschevorwürfen haben tiefe Spuren im Aktienkurs hinterlassen: Mit einem Verlust von 55 Prozent seit Jahresbeginn ist das Institut der größte Verlierer im DAX. Im neuen Jahr gibt es zahlreiche Baustellen zu meistern.

Ganz weit oben auf der Liste steht das Thema Compliance – hier hat die Deutsche Bank definitiv Nachbesserungsbedarf. Noch vor wenigen Wochen wähnte man sich beim Beseitigen der Altlasten auf gutem Weg. „Wir haben die größten Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit hinter uns gelassen", so Compliance-Vorstand Sylvie Matherat im September. Kurz darauf rückten Ende November 170 Ermittler an, um zwei Tage lang die Zentrale in Frankfurt und weitere Büros zu durchsuchen.

Hintergrund der Aktion waren Vorwürfe, wonach Mitarbeiter der Bank Kunden dabei geholfen haben sollen, Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen zu eröffnen und dort Geld zu waschen. Kurz zuvor waren auch Verstrickungen der Deutschen Bank in den Geldwäsche-Skandal bei der Danske Bank bekannt geworden. Zudem schwebt das Dauerthema Steuerbetrug über dem Institut – Stichwort Cum Ex und Cum Cum.

Speziell die neueren Vorwürfe waren dabei nicht nur Gift für Ansehen und Aktienkurs der Bank, sondern zeigen auch, dass noch bis vor kurzem getrickst oder zumindest nicht ordentlich kontrolliert wurde. Compliance-Chefin Matherat startet daher angezählt ins neue Jahr.

Steiniger Weg in die Gewinnzone

Viel zu tun gibt es auch operativ: Für das laufende Jahr hat Vorstandschef Christian Sewing endlich wieder schwarze Zahlen versprochen. Es wäre der erste Gewinn seit 2014, entsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn er am 1. Februar die vorläufige Bilanz für das Gesamtjahr präsentiert.

Gewinne zu erwirtschaften wird für die Deutsche Bank allerdings immer schwieriger. Im Privat- und Firmenkundengeschäft schrumpfen die Margen, auch die Vermögensverwaltung schwächelt. Das Investmentbanking, die frühere Paradedisziplin des Instituts, liefert ebenfalls wenig Grund zur Hoffnung: In den USA ist die Konkurrenz inzwischen soweit enteilt, dass Sewing als eine seiner ersten Amtshandlungen im CEO-Sessel einen Teilrückzug verkündet hat. In Asien, wo die Deutsche Bank eigentlich stark vertreten bleiben wollte, sollen nach Bloomberg-Informationen im letzten halben Jahr fast 50 Investmentbanker zur Konkurrenz abgewandert sein.

Um trotz der anhaltenden Ertragsschwäche in die Gewinnzone zurückzukehren, kann der Vorstand nur weiter an der Kostenschraube drehen. Der Rotstift wird dabei nicht nur beim Personal angesetzt, wo die Zahl der Mitarbeiter mittelfristig auf 90.000 sinken soll. Auch wer bleiben darf, muss Abstriche machen: Zahlreiche Dienstreisen wurden nach Informationen von Reuters genauso gestrichen wie frisches Obst in den Besprechungszimmern. Immerhin: Die Boni sollen künftig wieder steigen.

CoBa-Fusion: Sinnfrage offen

Ein drittes großes Thema dürften im kommenden Jahr auch die Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank sein. Nach einem Bloomberg-Bericht über diverse Gespräche zwischen Bundesfinanzministerium und dem Top-Management der Banken (DER AKTIONÄR berichtete) waren entsprechende Gerüchte zuletzt wieder hochgekocht. Im September hatte Sewing entsprechenden Plänen allerdings eine Absage erteilt – zumindest innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate sei eine Fusion kein Thema.

Ohnehin ist fraglich, wie ein Zusammenschluss der beiden angeschlagenen Institute Besserung bringen soll. Stattdessen würden dadurch kurz- und mittelfristig sogar neue Probleme hinzukommen, wie auch die laufende Integration der Postbank bei der Deutschen Bank zeigt.

Chartbild macht wenig Hoffnung

Bei der Deutschen Bank stehen 2019 wichtige Weichenstellungen an – es dürfte also zunächst turbulent bleiben. Nachdem die Aktie zum Jahresausklang noch einmal neue Tiefststände markiert hat, wäre eine technische Erholung inzwischen überfällig. Da eine Bodenbildung allerdings bislang auf sich warten lässt, sollten Anleger nicht ins fallende Messer greifen und stattdessen an der Seitenlinie bleiben.