Neue Ausgabe: 12 Top-Aktien für Post-Corona-Ära
11.08.2015 Michael Schröder

depot

-%
DAX
Trendthema

die Berichtssaison geht weiter. Heute legen erneut zwei Real-Depot-Werte ihre Q2-Zahlen vor. Gestern gab es zudem starke Nachrichten von Ecotec. Anbei zum Start in den Tag die entsprechenden Kurseinschätzungen zu den jeweiligen Meldungen.

Mit freundlichen Grüßen

Koenig & Bauer: Turnaround fest im Blick
Im zweiten Quartal ist Koenig & Bauer bei der Erreichung unserer Ziele weiter vorangekommen. Sehr positiv bei den Konzernzahlen hat sich der Auftragseingang entwickelt. Mit 607,5 Millionen Euro überschritt er den Vorjahreswert (456 Millionen Euro) um 33,2 Prozent. Der Auftragsbestand am 30. Juni war um ca. 180 Millionen Euro höher als zu Jahresbeginn. Aufgrund der auftragsbedingt hohen Auslastung und länger gewordener Lieferzeiten ist in den Folgequartalen ein geringerer Bestellzuwachs wahrscheinlich.
Nach sechs Monaten liegt der Umsatz mit 426,9 Millionen Euro noch deutlich unter dem Vorjahr (2014: 517,8 Millionen Euro) und damit anteilig hinter dem Jahresziel von gut 1,0 Milliarde Euro zurück. Wie im letzten Quartalsbericht angekündigt, werden 2015 – wie häufiger in der Vergangenheit – weit über 50 Prozent der Erlöse in das zweite Halbjahr fallen. Dies gilt für die profitableren Spezialmaschinen ebenso wie für das Volumengeschäft mit Bogenmaschinen und den Anlagenbau im Segment Digital & Web.
Fehlende Deckungsbeiträge durch den Umsatzrückstand belasteten das Ergebnis, obwohl die Kostenbasis durch das Fit@All-Programm deutlich abgesenkt wurde. Durch das positive Konzernergebnis vor Steuern von 6,9 Millionen Euro im zweiten Quartal wurde das EBT von minus 17,7 Millionen Euro nach den ersten drei Monaten auf minus 10,8 Millionen Euro zur Jahresmitte verbessert. Erfreulich sind dabei besonders die erheblichen Ergebnisverbesserungen bei Sheetfed und Digital & Web.
„Trotz des Ergebnisrückstandes zur Halbzeit gegenüber 2014 von 0,1 Millionen Euro streben wir im Zuge des weiteren Aufholprozesses für das Gesamtjahr weiterhin eine EBT-Rendite von bis zu zwei Prozent vom Umsatz an“, so der Vorstandsvorsitzende Claus Bolza-Schünemann. „Im Vergleich zu 2014 erwarten wir bei Sheetfed und Digital & Web zum Jahresende eine signifikante Ertragssteigerung. Aufgrund der noch anstehenden Auslieferungen im Wertpapierbereich wird sich das Ergebnis von Special Solutions bis dahin ebenfalls deutlich verbessern.“
Der Firmenlenker richtet den Blick bereits nach vorne. „Mit unserem Restrukturierungsprogramm Fit@All sind wir fast am Ende. In den kommenden Monaten wird es an einigen Standorten noch kleinere Veränderungen ohne neue ergebniswirksame Sondereffekte geben. Die von den neu geschaffenen Geschäftseinheiten erwartete größere Transparenz und Marktfokussierung auf der Basis klarer Zielvorgaben sind bereits erkennbar. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass wir das verfügbare Kapital in Zukunft noch gezielter einsetzen können“. Das Hauptziel des Vorstands bleibt: Das Unternehmen weiter voranzubringen und eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals zu erreichen.
Die Halbjahreszahlen belegen: Koenig & Bauer ist weiter auf Turnaround-Kurs. Wir bleiben daher vorerst mit Stopp 19 Euro investiert. Nehmen die Anleger die vorgelegten Daten positiv auf und setzt die Aktie ihre Aufwärtsbewegung fort, ist sogar eine Aufstockung der Position wahrscheinlich.

Aareal Bank: Weiter voll auf Kurs
Der Kauf der früheren WestLB-Tochter Westimmo hat dem Gewerbeimmobilienfinanzierer Aareal Bank im zweiten Quartal zu einem Rekordgewinn verholfen. Das Betriebsergebnis stieg von 65 Millionen Euro vor einem Jahr auf 233 Millionen Euro. Darin enthalten ist ein einmaliger Zugangsgewinn aus der Anfang Juni abgeschlossenen Westimmo-Übernahme von 154 Millionen Euro. Bereinigt um diesen Effekt stieg der Betriebsgewinn um gut 21 Prozent auf 79 Millionen Euro.
Dabei profitierte das Institut von einem gestiegenen Zinsüberschuss und einem Gewinn aus dem Verkauf eines Bürohauses in Frankfurt. So machte die Bank auch gestiegene Kosten wett. Unter dem Strich verdiente das Institut 200 Millionen Euro, im zweiten Quartal 2014 waren es 34 Millionen Euro. Aareal hatte für die Westimmo für 350 Millionen Euro gezahlt. Der Preis lag damit rund 150 Millionen Euro niedriger als das bilanzielle Eigenkapital der früheren WestLB-Tochter. Diesen Betrag konnte sich die Aareal Bank nun wie angekündigt als Gewinn gutschreiben. Mit den Ergebnissen lagen die Wiesbadener im Rahmen der Erwartungen von Analysten. An seiner Prognose hielt der Vorstand fest.
Die MDAX-Aktie dürfte daher - spätestens nach einer kleinen Verschnaufpause - weiter Kurs auf die 40-Euro-Marke nehmen – und den Turbo-Long entsprechend mitziehen.

Evotec: Starker Newsflow
Evotec erforscht und entwickelt Wirkstoffe auch, um sie selbst an die Marktreife heranzuführen. Vor allem jedoch arbeitet das Biotechnologie-Unternehmen für Kunden und Partner. der jüngste Newsflow zeigt, dass die Gesellschaft dabei wieder recht erfolgreich agiert.
In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Zusammenarbeit mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi ausgebaut werden soll. Beide Konzeren wollen nun gemeinsam neue Behandlungsmethoden von Diabetes erforschen.
In dieser Woche folgte der nächste Deal: Zusammen mit Apeiron Biologics und erneut mit Sanofi werden neuartige auf niedermolekulare Substanzen basierende Krebsimmuntherapien entwickelt. Im Rahmen der Kooperation sind erhebliche Forschungszahlungen innerhalb der nächsten zwei Jahre für Evotec und Apeiron Biologics vereinbart. Darüber hinaus sind im Erfolgsfall präklinische, klinische, regulatorische und kommerzielle Meilensteinzahlungen von über 200 Millionen Euro sowie Umsatzbeteiligungen im Falle einer Vermarktung vorgesehen.
Unser Szenario geht damit auf: Der erwartete Newsflow hat sich eingestellt. Die TecDAX-Aktie konnte an Wert zulegen und sollte nun weiter Kurs auf die 4-Euro-Marke nehmen. Der Stopp wird bei 3,55 Euro platziert.

Buchtipp: Narrative Wirtschaft

„Tech-Aktien steigen immer!“ „Immobilien­preise fallen nie!“ Stimmt das wirklich? Ob wahr oder nicht, solche Narrative, oder einfacher gesagt Geschichten, beeinflussen das Verhalten von Menschen und somit auch die Wirtschaft massiv. Wie entstehen Narrative? Wie gehen sie viral, wie gewinnen sie an Einfluss, wann verlieren sie diesen wieder? Welche Auswirkungen haben sie? Und, last, but not least: Wie lassen sich mit ihnen ökonomische Zusammenhänge und Entwicklungen besser verstehen und vorhersagen? Diese Fragen untersucht Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert J. Shiller in seinem vielleicht wichtigsten Buch.

Autoren: Shiller, Robert J.
Seitenanzahl: 480
Erscheinungstermin: 16.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-666-0