27.11.2015 DER AKTIONÄR

DAX-Rallye nach Merkel-Sturz? Börsenexperte Schulte kritisiert Flüchtlingspolitik scharf

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Der als „Silberjunge“ bekannt gewordene Börsenexperte Thorsten Schulte ist nach 26 Jahren aus der CDU ausgetreten. Sein Grund: die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

DER AKTIONÄR: Herr Schulte, darf ein Börsianer politisch sein?
Thorste Schulte: Ja, ich halte es für meine demokratische Pflicht, zu diesem brisanten und für unser Land mit extremen Risiken verbundenen Thema Stellung zu beziehen.

Sie meinen die Flüchtlingspolitik? Es gibt Experten, die sagen: Deutschland wird durch Einwanderung reicher.
Laut Ifo-Institut hat über die Hälfte der Syrer einen völlig unzureichenden Bildungsstandard. Damit ist das Gerede, dass diese Flüchtlinge unsere demografischen Probleme lösen, dummes Geschwätz. Im Gegenteil: Diese Entwicklung wird unsere Sozialkassen in massivem Umfang belasten.

Aber greift die Frage nach den Kosten für uns nicht zu kurz – geht es nicht darum, zu helfen?
Es wird christliche Nächstenliebe gepredigt und die Probleme werden verniedlicht. Das gut Gemeinte ist manchmal das Gegenteil des Guten. Denn die innere Sicherheit und auch der soziale Frieden sind akut gefährdet. Nicht alle Flüchtlinge sind Opfer, sondern es sind auch Kriminelle oder IS-Sympathisanten darunter.
Saudi-Arabien und Katar haben keinen einzigen Flüchtling aufgenommen. Das sollte jedem zu denken geben. Die Amerikaner haben seit 2011 nur 1.500 Syrer akzeptiert. Erst nach einer 18- bis 24-monatigen Sicherheitsprüfung werden weitere aufgenommen. Ein Großteil der Flüchtlinge kommt nicht aus einer akuten Lebensgefahr, sondern aus sicheren Lagern in der Türkei, dem Libanon und Jordanien. Ich sage ja zu einer Einwanderung nach kanadischem Vorbild, aber nein zur Masseneinwanderung aus Regionen, in denen viele Menschen mit Werten wie Gleichberechtigung von Frauen oder Toleranz gegenüber Homosexuellen wenig anfangen können. Die jetzige Flüchtlingspolitik führt zu einer Destabilisierung Europas.

Mit Auswirkungen auf den Euro?
Die Eurozone hat einen Leistungsbilanzüberschuss von 2,9 Prozent erzielt. Die USA weisen jedoch ein Defizit von 2,5 Prozent der Wirtschaftskraft aus. Nach der Kaufkraftparitäten-Theorie ist der Euro eigentlich um 18 Prozent unterbewertet. Wenn aber die Flüchtlingskrise zu politischer Instabilität und der Bedrohung der inneren Sicherheit führt, werden die Märkte von Angst bestimmt, was deutlich negative Auswirkungen auf den Euro hätte.

Politische Instabilität?
Ich kann es mir angesichts der Einschätzungen der Sicherheitsorgane nicht vorstellen, dass Angela Merkel tatsächlich glaubt, zum Wohle unseres Landes zu handeln. Wenn Merkel nicht schon bis Anfang Dezember gestürzt wird, dann wird vor den Landtagswahlen im März in Baden-Württemberg zwar niemand die Revolte wagen. Doch nach einem etwaig verheerenden CDU-Ergebnis bei dieser Wahl würden diese Strömungen wieder stärker.

Fürchten Sie eine Panik an den Börsen nach einem etwaigen Rücktritt Merkels?
Merkel kann glaubwürdig keinen grundsätzlichen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik vollziehen. Ein Mann wie Schäuble wäre für das Land besser und auch für den DAX ein erfreuliches Ereignis. Schäuble hat bereits in der Eurokrise den USA die Stirn geboten. Zudem ist ihm als vierfacher Vater daran gelegen, ein lebenswertes Land zu hinterlassen.

Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 49/2015 erschienen.