Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag an seine Erholung vom Vortag angeknüpft und die Gewinne weiter ausgebaut. Der DAX legte um 0,70 Prozent auf 25.716,71 Punkte zu. Der MDAX rückte um 0,55 Prozent auf 31.448,12 Zähler vor. Rückenwind kam vor allem von den erneut nachgebenden Ölpreisen.
Bereits am Mittwoch war Brent deutlich günstiger geworden, nachdem Berichte über eine mögliche teilweise Wiederaufnahme des Betriebs einer wichtigen saudischen Pipeline aufgekommen waren.
Zusätzliche Entspannung brachte ein Medienbericht, wonach China den Iran aufgefordert haben soll, auf die Huthi-Miliz im Jemen einzuwirken. Die Rebellen waren zuletzt für mehrere Angriffe auf Öltanker in der Region verantwortlich. Dadurch hatte sich die Sorge vor einer weiteren Verknappung des weltweiten Rohölangebots verstärkt.
Die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit 2023 sorgte an den Märkten letztlich für Beruhigung. Ausschlaggebend war vor allem der Eindruck, dass Fed-Chef Kevin Warsh entschlossen gegen die anhaltend hohe Inflation vorgehen will. "Die Fed verteidigt ihre Glaubwürdigkeit", sagte Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Er hält einen weiteren Zinsschritt bereits im Oktober oder spätestens im Dezember für möglich.
Nach Einschätzung von Johannes Mayr vom Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz richtet sich die Fed "nicht nur auf die hartnäckige Inflation, sondern auch auf gestiegene Zweifel des Anleihemarktes an ihrer Entschlossenheit". Die Entscheidung sei damit zugunsten der Finanzmärkte und zulasten von US-Präsident Donald Trump ausgefallen. Trump fordert seit Längerem niedrigere Zinsen.
Besonders gefragt waren am Donnerstag die Autoaktien. Nach ihren deutlichen Verlusten vom Vortag erholten sich BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen und gehörten mit Kursgewinnen von bis zu 2,7 Prozent zu den stärksten DAX-Werten.
Im MDAX sorgte Bilfinger für negative Schlagzeilen. Die Aktie des Industriedienstleisters brach um mehr als 21 Prozent ein und bildete das Schlusslicht im Index. Bilfinger leidet weiterhin unter der schwachen Nachfrage, die durch den länger andauernden Krieg im Nahen Osten belastet wird. Weil das zweite Halbjahr bislang schlechter verläuft als erwartet, senkte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr und rechnet mit einer deutlich geringeren operativen Marge.
Wacker Chemie gab mehr als zwei Prozent nach. Der Spezialchemiekonzern nahm angesichts der schwierigen globalen Wirtschaftslage seine mittelfristigen Ziele zurück. Qiagen profitierten dagegen von neuer Übernahmespekulation. Ein Bericht des „Manager Magazins“ belebte die bereits vorhandenen Erwartungen an eine mögliche Übernahme des Molekulardiagnostik-Unternehmens. Die Aktie stieg an der DAX-Spitze um 3,8 Prozent. Als mögliche Interessenten wurden die Finanzinvestoren TPG und Bain Capital genannt. Quellen nannte das Magazin nicht.
Auch Continental stand im Fokus. Vorstandschef Christian Kötz erklärte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, der Reifenhersteller könne sich im Zuge einer möglichen Branchenkonsolidierung größere Zukäufe vorstellen. "Für den Fall einer Konsolidierung in der Reifenindustrie könnten wir mittelfristig für einen Zukauf mehrere Milliarden Euro mobilisieren", sagte Kötz. Die Continental-Aktie gewann 1,3 Prozent.
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