Wacker Chemie richtet den Konzern neu aus. Auf dem Capital Markets Day in London präsentieren Vorstandschef Christian Hartel und Finanzvorstand Tobias Ohler die Strategie REFOCUS bis 2028. Im Zentrum stehen niedrigere Kosten, eine schärfere Steuerung des Portfolios und mehr Disziplin bei den Investitionen. Die Ambitionen sind klar.
- Das Sparprogramm PACE soll ab 2028 jährlich mehr als 300 Millionen Euro bringen.
- Wacker verteilt Kapital künftig gezielt auf Wachstum, Rendite, Cashflow und Turnaround.
- Die Investitionen sinken auf 300 bis 400 Millionen Euro, die EBITDA-Marge soll strukturell 15 % erreichen.
Der Webcast mit den beiden Vorständen beginnt um 10:30 Uhr. Mit REFOCUS reagiert Wacker auf die hohen Kosten in Europa, den Wettbewerbsdruck und die schwache Entwicklung mehrerer Chemie-Märkte. Drei Maßnahmen sollen Wachstum, Profitabilität und Kapitalrendite verbessern.
Der größte Ergebnishebel ist das im Jahr 2025 aufgelegte Kosten- und Effizienzprogramm PACE. Für 2026 rechnet Wacker mit Einsparungen von rund 200 Millionen Euro. Ab 2028 sollen es jährlich mehr als 300 Millionen Euro sein. Mehr als die Hälfte davon soll im EBITDA ankommen.
Dafür strafft Wacker die Produktions- und Verwaltungsstrukturen, legt operative Einheiten zusammen und überprüft technische Ausgaben, Lieferketten und Materialkosten. Bis 2028 sollen in Deutschland wie geplant rund 1.600 Stellen sozialverträglich wegfallen.
Zusätzliches Kapital fließt vor allem in schnell wachsende Märkte wie Elektromobilität, Hochleistungselektronik sowie Gesundheit und Körperpflege. Silicones setzt auf kapitalarmes Wachstum mit Spezialitäten, Polymers auf höhere Profitabilität. Biosolutions soll die vorhandenen Kapazitäten besser auslasten. Bei Polysilicon liegt der Schwerpunkt auf hochreinem Material für die Halbleiterindustrie.
Nach dem Ausbau mehrerer Standorte nimmt Wacker bei den Investitionen den Fuß vom Gas. Die jährlichen Ausgaben sollen künftig zwischen 300 und 400 Millionen Euro und damit unter den Abschreibungen liegen. 2025 investierte der Konzern noch 466 Millionen Euro. Die Dividendenpolitik bleibt unverändert. Rund 50 Prozent des Jahresgewinns sollen weiterhin ausgeschüttet werden.
Wacker will künftig schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft und den Umsatzmix stärker in Richtung margenstarker Spezialitäten verschieben. Strukturell peilt der Konzern eine EBITDA-Marge von 15 Prozent an. Das Zielband reicht von 13 bis 17 Prozent. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll nachhaltig über zehn Prozent und damit über den Kapitalkosten liegen.
Kurzfristig bleibt das Umfeld schwierig. Für das dritte Quartal erwartet Wacker ein Konzern-EBITDA auf dem Niveau des Vorquartals. Im Polysilicium-Geschäft helfen dabei rund 30 Millionen Euro aus der Auflösung eines Solarvertrags.
Mit REFOCUS setzt Wacker Chemie an den entscheidenden Punkten an. Für eine nachhaltige Neubewertung der Aktie muss das Unternehmen aber zeigen, dass die Einsparungen im Gewinn ankommen und sich die Kapitalrendite erholt. Für Anleger heißt das: Wacker Chemie ist noch kein Kauf, sollte man aber auf der Watchlist haben.
Heute, 08:00
Bei Google bevorzugen