Die Comebacks nach Corona
10.12.2020 Fabian Strebin

Commerzbank: Müssen 17.000 gehen?

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Commerzbank

Der neue CEO kommt im Januar, aber schon jetzt wird er sich Gedanken über den geplanten Umbau machen müssen. Dabei zeichnet sich immer mehr ab, dass es in der Commerzbank Uneinigkeit über die Härte der Restrukturierung gibt. Nachdem das Konzept des alten Vorstandschefs auf dem Tisch liegt, sickern nun weitere Varianten der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) durch. Diese hatte den Großaktionär Bund beraten. Pikant: Nun soll BCG den Aufsichtsrat der Commerzbank direkt beraten.

Aus einem internen Schreiben von BCG an den Aufsichtsrat, das dem Handelsblatt vorliegt, geht noch etwas anderes hervor. Die Berater kritisierten offenbar den Plan des ehemaligen Firmenkundenchefs Roland Boekhout für den Umbau seiner Sparte. Vor wenigen Wochen räumte Boekhout dann seinen Stuhl. Die Pläne seien nicht geeignet, um Kritikpunkte auszuräumen. Statt auf Wachstum im Ausland müsse sich das Institut auf eine „Marktanteilssteigerung im Kerngeschäft“ konzentrieren, so die Berater.

Vetter sucht Rat bei Beraten

Gut kommt jetzt nicht an, dass die BCG den Aufsichtsrat bei der weiteren Strategieausrichtung unterstützt. Somit mischt sich vor allem dessen neuer Chef Hans-Jörg Vetter mehr in den Umbau ein als sein Vorgänger. Allerdings hatte BCG Anfang des Jahres ein Gutachten für den Bund erstellt, das Verbesserungsvorschläge für die Strategie beinhaltete.

Radikale EInschnitte vorgeschlagen

Das radikalste Szenario der Beratungsgesellschaft für eine Sanierung sah einen Abbau von bis zu 17.000 Stellen vor, so das Handelsblatt. Die Eigenkapitalrendite sollte so auf acht Prozent steigen. Die Commerzbank selbst stufte die Implementierungsrisiken angeblich als „hoch“ ein. Ein anderes Szenario empfahl 10.000 bis 12.000 Jobs abzubauen, um so die Rendite auf das Eigenkapital auf bis zu acht Prozent zu erhöhen. Weder die Commerzbank noch die Boston Consulting Group wollten sich zu den Planspielen äußern.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Am Ende ist es gut, dass der Aufsichtsrat mehr Initiative zeigt was den Umbau angeht. Es ist die letzte Chance der Commerzbank, deshalb könnte der neue CEO Manfred Knof auch mehr einsparen, als bisher erwartet wird. Scheitert er, droht eine Übernahme. Für Aktionäre bedeuten eine Sanierung mit mehr Potenzial oder eine Übernahme tendenziell steigende Kurse. Die Aktie ist eine laufende Empfehlung des AKTIONÄR, wer noch nicht investiert ist, kann noch einsteigen.

Hinweis auf Interessenkonflikte:


Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.


Aktien von Commerzbank befinden sich im AKTIONÄR-Depot.