In Washington braut sich für Krypto-Börsen ein regulatorischer Sturm zusammen. Das „CLARITY Act“-Gesetzespaket zielt darauf ab, den Wildwuchs bei Stablecoins wie USDC zu beenden. Ein zentraler Streitpunkt: Dürfen Anbieter ihren Kunden Zinsen auf Stablecoin-Bestände ausschütten? Für Coinbase, den größten US-Krypto-Player, steht hier ein bedeutender Umsatzpfeiler auf dem Spiel.
Der aktuelle Entwurf des CLARITY Act sieht vor, Stablecoin-Emittenten die direkte Auszahlung von Zinsen zu untersagen. Hintergrund ist der Widerstand von Banken und Teilen der Politik, die Stablecoins nicht als Bankeinlagen etablieren wollen. Die Branche warnt hingegen: Ohne attraktive Renditen verlieren die digitalen Dollar gegenüber klassischen Spareinlagen an Reiz.
Doch hinter den Kulissen gibt es bereits Bewegung. Senatorin Cynthia Lummis deutete in dieser Woche eine mögliche Kompromisslösung an. Demnach könnten Anbieter ihre Produkte sprachlich so anpassen, dass sie sich rechtlich klar von klassischen Bankeinlagen abgrenzen.
Die „Rewards“-Lücke als Rettungsanker
Branchenkenner sehen in dem Gesetzesentwurf mehr Lücken als Verbote. Zwar ist das Wort „Zinsen“ ein rotes Tuch, doch „Rewards“, Rabatte oder Treueprogramme sind im Entwurf nicht explizit untersagt. Diese sprachliche Feinheit könnte der entscheidende Hebel für Coinbase sein.
Die Logik: Wenn die direkte Verzinsung verboten wird, könnten Marketing-Budgets genutzt werden, um Kunden über Belohnungssysteme indirekt an den Erträgen der zugrunde liegenden US-Staatsanleihen zu beteiligen. Auch die Kopplung von Erträgen an Transaktionen bietet Spielraum, um die regulatorischen Hürden zu umgehen.
Keine existenzielle Bedrohung
An der Wall Street bleibt man trotz der Unsicherheit gelassen. Analyst Owen Lau von Clear Street betont, dass Stablecoin-Erträge zwar ein wichtiger Wachstumsfaktor sind, aber keineswegs das gesamte Geschäftsmodell von Coinbase tragen. Zwar stieg der Umsatz aus Stablecoins von 910 Millionen Dollar im Jahr 2024 auf 1,35 Milliarden Dollar im Jahr 2025, doch die Haupteinnahmequelle bleibt das Handelsgeschäft.
Interessanterweise ist selbst Coinbase-Chef Brian Armstrong nicht besonders besorgt. Er merkte bereits im Februar an, dass ein Verbot der Ausschüttungen die Profitabilität des Unternehmens kurzfristig sogar steigern könnte, da die hohen Auszahlungen an Kunden entfielen. Dennoch kämpft die Börse gegen ein solches Verbot, um die Wettbewerbsfähigkeit von USDC als Massenprodukt nicht zu gefährden.
Sollte das Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet werden, sind kreative Ausweichmanöver über Marketing-Programme und Treuesysteme bereits in der Vorbereitung. Die Coinbase-Aktie dürfte daher kurzfristig eher durch die allgemeine Marktstimmung als durch diesen speziellen Streit in Washington beeinflusst werden. Ein Neueinstieg drängt sich derzeit noch nicht auf.
Heute, 14:40