Donald Trump macht Ernst. Nach einer monatelangen Hängepartie hat der US-Präsident den 55-jährigen Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der Federal Reserve nominiert. Damit endet ein Auswahlprozess, der die Finanzmärkte seit dem Sommer in Atem hielt.
Der Schritt markiert den vorläufigen Höhepunkt eines langjährigen Konflikts. Trump hatte Powell seit dessen Amtsantritt 2018 regelmäßig attackiert. Der Vorwurf: Die Zinsen seien zu hoch, die Fed agiere zu langsam. Auf der Plattform Truth Social bezeichnete Trump Warsh nun als potenziell „einen der großartigsten Fed-Vorsitzenden aller Zeiten“.
Vertrauen der Wall Street als Stabilisator
Trotz der politischen Brisanz reagierten die Märkte ruhig. Der Grund: Warsh gilt als erfahrener Geldpolitiker mit exzellenten Kontakten zur Wall Street. Er war bereits von 2006 bis 2011 Mitglied im Gouverneursrat der Fed. Experten wie David Bahnsen vom Bahnsen Group betonen, dass Warsh die nötige Glaubwürdigkeit besitze, um das Vertrauen der Investoren zu sichern.
Kurzfristig dürfte sich an der Zinspolitik wenig ändern. Händler preisen derzeit maximal zwei weitere Zinssenkungen für das laufende Jahr ein. Das Ziel ist ein Leitzins von etwa drei Prozent – ein Niveau, das Ökonomen als „“ bezeichnen, da es das Wirtschaftswachstum weder bremst noch künstlich anheizt.
Schwieriges Erbe und politischer Druck
Warsh tritt sein Amt in einer prekären Phase an. Während die Inflation noch immer über dem Zielwert von zwei Prozent liegt, kühlt sich der Arbeitsmarkt spürbar ab. Gleichzeitig steht die Unabhängigkeit der Institution unter Beschuss. Trump und sein Team erwägen Reformen, die dem Weißen Haus mehr Mitsprache bei Zinsentscheidungen einräumen könnten.
Der personelle Wechsel ist zudem von juristischen Auseinandersetzungen überschattet. Das Justizministerium hat Jerome Powell zuletzt wegen Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Fed-Hauptquartiers unter Druck gesetzt.
Powell reagierte ungewohnt scharf und bezeichnete die Ermittlungen als Vorwand, um die Fed zu einer lockereren Geldpolitik zu zwingen. Auch politisch ist der Weg für Warsh noch nicht frei. Der republikanische Senator Thom Tillis droht damit, Fed-Nominierungen im Senat zu blockieren, solange die Untersuchungen gegen Powell laufen.
Bleibt Powell als Gegengewicht?
Eine spannende Frage bleibt die Zukunft des scheidenden Chefs. Jerome Powells Amtszeit als Gouverneur läuft regulär noch zwei Jahre. Er könnte sich entscheiden, im Rat zu bleiben, um die Unabhängigkeit der Fed gegen politische Einflussnahme zu verteidigen.
Parallel dazu prüft der Supreme Court die Rechtmäßigkeit von Trumps Versuchen, Fed-Gouverneure vorzeitig abzusetzen. Das Urteil in diesem Fall wird darüber entscheiden, wie viel Macht ein US-Präsident künftig tatsächlich über die mächtigste Notenbank der Welt ausüben darf.
Sollte Powell sich entscheiden, seine restlichen zwei Jahre als einfacher Gouverneur abzusitzen, droht Warsh ein Dauerclinch im eigenen Rat. Sollte der Senat Warsh bestätigen, würde dieser im Mai als neuer Fed-Chef anfangen.
Heute, 13:46