HAMBURG (dpa-AFX) - Der Schiffbau in Norddeutschland brummt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die IG Metall Küste befrage bereits seit 1991 jedes Jahr Betriebsräte der norddeutschen Werften nach der aktuellen Lage und den Aussichten, sagte Bezirksleiter Daniel Friedrich in Hamburg. Und in diesen 36 Jahren habe er selten so gute Rückmeldungen aus der Branche erhalten: "Ich glaube, man kann das so zusammenfassen: höher, weiter, schneller."
Deutlicher Beschäftigungsanstieg
So ist die Zahl der Beschäftigten in den befragten Werften, darunter alle großen Player, im vergangenen Jahr um mehr als 2.000 auf fast 17.200 gestiegen, wie Katrin Schmid vom mit der Auswertung beauftragten Hamburger Unternehmen WMP Consult sagte. Das sei der höchste Stand seit sechs Jahren. Befragt wurden den Angaben zufolge im April und Mai in ganz Norddeutschland Betriebsräte von 41 Betrieben, die sowohl den militärischen als auch den zivilen Schiffbau repräsentieren.
Die meisten Beschäftigten im Schiffbau gebe es mit mehr als 6.500 in Schleswig-Holstein. Danach folgten Niedersachsen mit knapp 4.700 Beschäftigten, Bremen mit fast 2.400 und Hamburg mit annähernd 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auf dem letzten Platz im Norden liege Mecklenburg-Vorpommern mit knapp 1.600 Schiffbau-Beschäftigten.
TKMS
Der Löwenanteil unter den Beschäftigten entfiel auf die großen Unternehmensgruppen - mehr als 5.400 auf TKMS Kiel, mehr als 4.100 auf die Papenburger Meyer-Gruppe und über 1.900 auf die Bremer Lürssen-Gruppe. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall
Der Betriebsräte-Befragung zufolge erwarten 56 Prozent der Unternehmen weiter steigende Beschäftigungszahlen - insgesamt mehr als 1.700 Jobs in den kommenden zwölf Monaten, zwei Drittel davon im Marineschiffbau. Denn das Geschäft brummt. Bereits in diesem Jahr liege die durchschnittliche Auslastung der beteiligten Werften bei 90 Prozent und werde voraussichtlich schon 2028 die 100 Prozent erreichen, sagte Schmid. Entsprechend werde in den kommenden zwölf Monaten auch nur in zwei Betrieben mit einem Abbau von etwa 20 Stellen gerechnet.
Die Auftragslage sei ebenfalls sehr gut. 51 Prozent der Betriebe rechne mit weiter steigenden Aufträgen - vor allem in den drei wichtigsten Märkten Marine, Kreuzfahrt und Offshore-Energie. Rückgänge erwarte kein Unternehmen.
Beim Personal habe sich trotz des Hochlaufs die Lage etwas entspannt. Hätten im Vorjahr noch 73 Prozent der Betriebe Probleme gehabt, ihre Stellen zu besetzen, seien es nun noch 53 Prozent. Rund ein Drittel der Unternehmen habe in diesem Bereich inzwischen gar keine Sorgen mehr. Mit Blick auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September und den dort hohen Umfragewerten für die AfD warnte Gewerkschaftsboss Friedrich jedoch, dass sich dies schnell ändern könne.
Radikalität in der Gesellschaft könnte abschrecken
Denn bei den Bedingungen, die sich dort auch an Radikalität in der Gesellschaft abzeichneten, sagte viele, das sei nicht die Umgebung, "wo ich mit meiner Familie hinziehen will, wenn ich vielleicht gerade nicht aus Mecklenburg-Vorpommern komme", sagte Friedrich. Auch der AfD-Plan eines EU-Austritts sei gerade im Schiffbau eine Katastrophe. Er könne nur jeden warnen, bei der AfD sein Kreuzchen zu machen. "Es ist wirklich für die wirtschaftliche Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern ein erheblicher Rückschritt."
Noch ist die Lage jedoch gut, etwa im Ausbildungsbereich ist die Zahl der Bewerber der Umfrage zufolge mit rund 3.000 fast achtmal so hoch wie die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze. Insgesamt gebe es in den befragten Betrieben rund 900 Auszubildende, und die Übernahmequote liege bei 94 Prozent, sagte Schmid. Friedrich lobte, dass knapp ein Drittel der Betriebe die derzeit durchschnittliche Ausbildungsquote von knapp sechs Prozent anheben wolle. Kritisch zeigte er sich jedoch ob der mit 20 Prozent hohen Quote an lediglich befristeten Übernahmen./klm/DP/stw
Quelle: dpa-AFX
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