Die Aktie des dänischen Biopharma-Konzerns hat ihre Talfahrt nach einer enttäuschenden Prognose für 2026 beschleunigt. Hintergrund ist eine aggressive Preisattacke der Telehealth-Firma Hims & Hers, die die Abnehmpille Wegovy für anfangs 49 Dollar im Monat anbieten will und damit das gesamte Preis- und Geschäftsmodell von Novo Nordisk angreift.
Doch das Vorgehen von Hims & Hers ist (höchstwahrscheinlich) illegal – denn die Amerikaner setzen sich über gültige Patente der Dänen hinweg. Die Wegovy-Pille selbst hat in den USA einen Patentschutz bis 2032. Ganz zu schweigen vom Schutz des geistigen Eigentums an der SNAC-Technologie, auf der die Wegovy-Pille basiert. Die orale Verabreichungsplattform sicherten sich die Dänen durch die Übernahme von Emisphere im Jahr 2020 für 1,8 Milliarden Dollar.
Wie kommt ein Unternehmen wie Hims & Hers nun überhaupt auf die Idee, geltendes Patentrecht auszuhebeln? Novo Nordisk will indes gegen den einstigen Partner – die Zusammenarbeit war nur von kurzer Dauer – juristisch vorgehen.
Völlig zu Recht – denn wer würde noch in Pharma, Biotech oder Medizintechnik investieren, wenn es keine Patente geben würde? Jede Firma könnte beliebig teils hochkomplexe Wirkstoffe und Technologien kopieren, womöglich noch auf Kosten der Gesundheit respektive Sicherheit anderer. Es gibt nicht umsonst einen langen und teils steinigen klinischen Entwicklungsprozess und hohe regulatorische Anforderungen.
Ich erinnere mich noch gut an die absurden Forderungen der Linkspartei hierzulande, die während der Corona-Pandemie ernsthaft BioNTech gebeten hat, die Covid-19-Impfstoffpatente freizugeben. Aber mit plumpen Parolen und ökonomischer Realitätsverweigerung kennt sich „Die Linke“ ja bestens aus.
Leider zeigt der Fall mit Hims & Hers, dass nicht zum ersten Mal versucht wird, Patentrechte für nichtig zu erklären. Dabei sind Patente essenziell für eine funktionierende Wirtschaft – sie schützen technische Innovationen und schaffen Wettbewerbsvorteile, wie wir sie gerade in Deutschland dringender denn je gebrauchen können. Denn im internationalen Vergleich drohen wir in der (Bio)Tech-Szene zusehends in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.
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Heute, 09:52