Die Bayer-Aktie hat sich zum Wochenschluss mit einem Kurssprung von fast vier Prozent an die DAX-Spitze gesetzt. Der heutige Kursanstieg ist gleichzeitig der stärkste seit Anfang August. Auslöser dafür ist ein Erfolg vor Gericht: Das Unternehmen hat im ersten Roundup-Krebsprozess seit dem wegweisenden Durnell-Urteil des Supreme Court einstimmig gewonnen.
Analysten sehen darin mehr als einen gewöhnlichen Sieg. Jefferies-Analyst Michael Leuchten hält das Verfahren für bedeutsam, weil es erstmals prüft, welche alternativen Klagewege nach dem Durnell-Urteil offenstehen. Durnell hat Klagen wegen unzureichender Warnhinweise nach einzelstaatlichem Recht ausgeschlossen, sofern die US-Umweltbehörde EPA eine eindeutige Sicherheitsbewertung abgegeben hat. Die Kläger im Fall Aretino setzten deshalb auf Konstruktionsfehler-, Betrugs- und Fahrlässigkeitsvorwürfe. Den Blick richtet Jefferies nun auf die Zustimmung zum vorgeschlagenen Vergleich, denn sie ist der Schlüssel, um die übergreifende Belastung durch die Rechtsstreitigkeiten zu beseitigen. Zugleich schränken Verschuldung, Mittelabflüsse und die nötige Stärkung des Pharmageschäfts den strategischen Spielraum ein und erschweren eine Abspaltung der Sparte Crop Science.
Auch AlphaValue/Baader sieht Rückenwind. Analyst Abhishek Raval verweist darauf, dass die Entscheidungen im Roundup-Komplex in den vergangenen Quartalen zugunsten Bayers ausgefallen sind. Der Sieg könnte Kläger dazu bewegen, das Vergleichsangebot über 7,25 Milliarden Dollar anzunehmen, über das ein anderes Gericht noch entscheidet.
JPMorgan-Analyst Richard Vosser erklärt, dass der aktuelle Fall zeige, „dass es für künftige Kläger schwierig sein wird, Ansprüche wegen Konstruktionsfehlern und Fahrlässigkeit geltend zu machen.“ Er sieht darin einen weiteren Schritt zur Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter.
Der Aktie von Bayer war zuletzt bereits der Sprung aus dem seit Anfang Oktober ausgebildeten Seitwärtstrend nach oben gelungen. Charttechnisch hat sich die Lage damit wieder aufgehellt. Auf dem Weg in Richtung Jahreshoch gilt es nun, das Septemberhoch bei 51,00 Euro zur knacken. Anleger sollten sich bei Bayer zudem bereits den nächsten wichtigen Termin vormerken: Am 3. November veröffentlicht Bayer seine Zahlen für das dritte Quartal.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bayer.
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