++ KI-Boom ‒ so sind 125 Prozent drin ++

Tesla verliert nach Zahlen: Das sagen jetzt die Analysten

Tesla verliert nach Zahlen: Das sagen jetzt die Analysten
Foto: Christopher Lyzcen/Shutterstock
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Annalena Götz Heute, 21:10 Annalena Götz

Der E-Auto-Pionier hat mit seinen Quartalsergebnissen positiv überrascht. Allerdings sorgen die hochgeschraubten Investitionspläne an der Wall Street für kontroverse Reaktionen: 25 Milliarden Dollar will Tesla dieses Jahr in KI und Robotik stecken – bei einem operativen Cashflow in Höhe von gerade einmal 14,7 Milliarden Dollar zum Ende des letzten Jahres ein ambitioniertes Vorhaben. Das kommt nicht gut an.

Bei Investoren stößt der Investitions-Hammer von Tesla aktuell auf wenig Gegenliebe. Die Aktie verbucht am Donnerstag Verluste in Höhe von 3,6 Prozent und performt damit deutlich schwächer als der Gesamtmarkt. Unter den Analysten scheiden sich die Geister. Befürworter sehen die Investitionen als notwendigen Schritt um die Zukunftsstory zu zementieren, Kritiker warnen vor hohen Kosten und schwer abschätzbaren Erträgen.

Tesla-Bulle Dan Ives vom Analysehaus Wedbush hält nach den Zahlen an seinem "Outperform"-Rating fest. Mit einem Kursziel bei 600 Dollar definiert er das obere Ende der Bewertungsspanne. Seine optimistische Einschätzung fasst er wie folgt zusammen: "Tesla entwickelt sich zu einem führenden Unternehmen im Bereich physische KI. Der Weg ist klar – er erfordert jedoch höhere Investitionen."

Auch die Morgan Stanley bleibt angesichts der am Mittwochabend veröffentlichten Zahlen positiv und sieht im Quartalsbericht eine Grundlage für die zukünftige Entwicklung. "Tesla investiert massiv, um seine langfristige Vision vom autonomen Fahren und physischer KI umzusetzen – daran glauben wir weiterhin", schreibt der Analyst Andrew Percoco in seiner jüngsten Studie. Doch in die Zukunftsfantasie mischt sich Vorsicht: "Allerdings sehen wir kurzfristig begrenztes Aufwärtspotenzial für die Aktie, da die Kommerzialisierung wichtiger KI-Projekte (Robotaxi und Optimus) langsamer erfolgt als erwartet." Die neutrale Einstufung mit Kursziel bei 415 Dollar spiegelt das wider. 

Milliardeninvestition in KI und Robotik: Lohnt sich das?

Auf der anderen Seite des Spektrums wächst die Skepsis deutlich. Denn die Kehrseite der milliardenschweren Zukunftswette ist ein spürbarer Druck auf den Cashflow. Matt Britzman von Hargreaves Lansdown betont, dass Tesla damit in eine mehrjährige Aufbauphase eintritt. Der starke Anstieg der Investitionen dürfte zur Folge haben, dass der Free Cash Flow für mindestens ein bis zwei Jahre versiegt, so Britzman. Die Bewertung des Unternehmens bleibe eine Wette darauf, dass Tesla tatsächlich bahnbrechende Produkte liefert, die völlig neue Märkte erschließen. Die jüngsten Aussagen in der Telefonkonferenz deuteten indes eher darauf hin, dass sich viele dieser Ziele weiter nach hinten verschieben.

Noch kritischer fällt das Urteil von Wells-Fargo-Analyst Colin Langan aus: „Die auf 25 Milliarden Dollar steigenden Investitionen belasten den freien Cashflow. Die operativen Kosten sind im Jahresvergleich um eine Milliarde Dollar gestiegen und dürften durch die Ausgaben für KI und Robotik weiter zunehmen. Der kurzfristige Ertrag daraus dürfte hingegen begrenzt sein“, warnt er. Weder beim neuen AI5-Chip, noch bei der FSD-Technologie oder dem Roboter Optimus wurde auf der Konferenz zu den Q1-Zahlen eine zeitnahe Monetarisierung in Aussicht gestellt. Die US-Großbank sieht den fairen Wert der Tesla-Aktie bei lediglich 125 Dollar. 

Andere Großbanken wie die HSBC oder JPMorgan sprechen ebenfalls Verkaufsempfehlungen aus. Insgesamt zeigt sich ein gespaltenes Bild: Laut Bloomberg-Konsensrating empfiehlt von den insgesamt 63 Analysten gut die Hälfte die Aktie zum Kauf. 19 Mal gibt es eine Halteempfehlung, 12 Analysten raten zum Verkauf. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 414,04 Dollar und signalisiert damit ein moderates Aufwärtspotenzial. 

Tesla (WKN: A1CX3T)

Große Zukunftsversprechen: Elon Musk tritt auf die Bremse

Elon Musk selbst betonte im Call am Mittwochabend, dass er die hohen Investitionen "mit Blick auf deutlich steigende Umsätze in der Zukunft" für gerechtfertigt halte: "Wir investieren gezielt in unsere Kerntechnologien und entwickeln sie weiter. Damit schaffen wir die Grundlage für einen höheren Produktionsausstoß.“ 

Allerdings dämpfte der Tesla-CEO bei den größten Hoffnungsträgern die Erwartungen: "Ich denke, dass die Einnahmen aus FSD oder Robotaxis in diesem Jahr noch keine große Rolle spielen werden." Erst im nächsten Jahr sollen die Umsätze aus diesem Segment demzufolge ins Gewicht fallen. Zuvor müsse man die Fahrzeuge mit der Hardware 3 auf Hardware 4 umrüsten, um vollständig autonome Fahrfunktionen zu ermöglichen, erklärte Musk. 

Auch die Produktion des humanoiden Roboters Optimus wird wohl nicht so schnell hochfahren, wie von machen Fans erhofft. Der Produktionsstart sei für Juli oder August angepeilt, bei der Höhe der Produktionsrate hielt sich Musk mit konkreten Angabe zurück: "Optimus ist ein komplett neues Produkt mit einer komplett neuen Fertigung. Solche Dinge lassen sich schlicht nicht vorhersagen. Klar ist nur: Am Anfang wird es ziemlich langsam gehen, während wir die mehr als 10.000 Einzelthemen lösen, die nötig sind, um in die Serienproduktion zu kommen."

Gerade bei den großen Zukunftsthemen, auf denen die astronomische Bewertung des Unternehmens aktuell fußt, nahm Musk also das Tempo raus und blieb bewusst vage.

Die meisten Analysten honorieren die solide operative Entwicklung von Tesla im Auftaktquartal. Entscheidend ist aber ein anderer Punkt: Tesla wandelt sich gerade von einem etablierten Autohersteller zurück in ein extrem kapitalintensives Unternehmen für KI-Infrastruktur. Wie schnell werden sich die milliardenschweren Zukunftsinvestitionen auszahlen? Mit der momentanen Bewertung von rund dem 200-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns ist die Aktie klar eine Wette auf die langfristige Vision. Solange hier die Visibilität fehlt, bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis angespannt. DER AKTIONÄR rät daher aktuell von einem Einstieg ab.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Tesla.

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