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23.04.2021 Jochen Kauper

Daimler: Auf dem Weg zu neuem „Superzyklus!

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Daimler

Ola Källenius hat nach seinem Start als Daimler-Vorstandschef vor zwei Jahren viel mit Aufräumarbeit beim Auto- und Lkw-Bauer zu tun gehabt. Rund ein halbes Jahr und mehrere Gewinnwarnungen dauerte es, bis der Vorstand dann unter ihm klare Kante zeigte und den Konzern auf harte Kostensenkungen und den Abbau womöglich Zehntausender Stellen einschwor. Mit dem Vorhaben, das Traditionsunternehmen gänzlich aufzubrechen und zwei unabhängige Teile daraus zu machen, hat der Schwede aber nun ganz eigene Pflöcke in Stuttgart eingeschlagen. Was bei Daimler vor den finalen Zahlen zum ersten Quartal diesen Freitag (23. April) los ist, was die Experten sagen und wie die Aktie zuletzt lief.

Nach den schweren Einbrüchen in der Corona-Krise in den ersten beiden Quartalen 2020 bekommt die Autobranche insgesamt, aber vor allem auch Daimler derzeit ungeahnt starken Rückenwind von den weltweiten Automärkten. Das stärkt auch Källenius' Plan, die seit Jahren von Profiinvestoren erhoffte Abspaltung des Lkw- und Busgeschäfts von Daimler Truck noch dieses Jahr durchzuziehen.

Gutes Zahlenwerk

Eckdaten für den Jahresstart 2021 haben die Stuttgarter bereits vorgelegt - und die konnten sich erneut sehen lassen. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fuhr Daimler zwischen Januar und Ende März mit 5,75 Milliarden Euro soviel ein wie noch zuvor in einem ersten Quartal. Dazu trugen auch Bewertungserträge durch ein Brennstoffzellen-Gemeinschaftsunternehmen mit dem schwedischen Nutzfahrzeugrivalen Volvo bei.

Über den Erwartungen

Dennoch: Auch das bereinigte Ebit lag mit knapp 5 Milliarden Euro rund eine Milliarde höher als von Analysten geschätzt. In der Pkw- und Van-Sparte Mercedes-Benz lag die operative Marge bei außergewöhnlich starken 14,3 Prozent. Die Marge um Lkw- und Busgeschäft lag bei 6 Prozent - angesichts des Zusammenbruchs der Nutzfahrzeugmärkte im vergangenen Jahr ordentlich. Der finanzielle Mittelzufluss im Geschäft mit Autos und Nutzfahrzeugen überraschte ebenfalls positiv.

China-Absatz brummt

Dem Unternehmen spielen mehrere Dinge in die Karten. Zum einen: Das Geschäft von Mercedes in China brummt. Im Vergleich zum schwachen Vorjahresabsatz verkaufte Daimler 60 Prozent Pkw mehr in der Volksrepublik - ebenfalls Rekord für ein Startquartal. Weltweit kletterte der Absatz um ein gutes Fünftel.

Zudem profitieren die Autobauer derzeit noch von ihren in der Krise angestrengten Kostensenkungen beim Personal, den Investitionsausgaben und in der Lagerhaltung. Darüber hinaus sorgt die Nachfrage nach Autos bei teils geringem Angebot für vorteilhafte Preise am Markt, sprich: Rabattschlachten gibt es derzeit kaum. Insbesondere im Segment der teureren Premiummodelle greifen die Käufer schon seit längerem wieder beherzt zu, vor allem in China.

"Ich fand die Mercedes Darstellung sehr überzeugend. Die Marke hat in China noch viel Potential."

Ferdinand Dudenhöffer, CAR-Institut

Hierbei konnte Daimler auf der Shanghai Motors Show erneut Pluspunkte sammeln.

"Nach meiner Wahrnehmung haben Mercedes und der VW-Konzern einen guten Eindruck gemacht. Ich fand die Mercedes Darstellung sehr überzeugend. Die Marke hat in China noch viel Potential", sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber dem AKTIONÄR.

Källenius hat aber auch die mittlere und längere Frist der Unternehmensstrategie im Blick. Für Mercedes, wo er auch Spartenchef ist, hat er die Devise "Electric first" ausgerufen, Verbrennerversionen von neuen Modellen wird es künftig nur noch nachrangig geben. Der Manager will aber flexibel bleiben und da, wo es die Nachfrage erfordert, auch weiter Verbrenner anbieten.


Daimler peilt in seiner Pkw-Sparte bisher bis 2030 einen Absatzanteil elektrifizierter Autos von "mehr als 50 Prozent" an - in diese Kategorie fallen sowohl rein elektrische Autos als auch Hybride. Källenius deutete allerdings zuletzt an, dass alles womöglich auch schneller gehen könne, wenn sich die derzeit "starke Nachfrage" nach elektrischen Fahrzeugen fortsetze.

Analysten bleiben bullish

Jose Asumendi von JPMorgan sieht Daimler auf gutem Weg zu einem "Superzyklus" bei den Gewinnen. Die Stuttgarter senkten die Fixkosten um 20 Prozent und führten gleichzeitig neue Modelle ein - diesen Schwung sieht der Experte auch durch das ganze Jahr hinweg anhalten. Wer stark auf Chinas Automarkt sei, profitiere auch einfach rechnerisch davon, dass die starken Margen dort aufgrund der höheren Gewichtung sich noch deutlicher auf Konzernebene niederschlügen.

Die Schwaben hätten einmal mehr überraschend gute Eckdaten vorgelegt, meinte Jefferies-Experte Philippe Houchois. Trotz des voraussichtlich herausfordernden Produktionsumfelds im zweiten Quartal dürfte das die Erwartungen an das Daimler-Abschneiden erhöhen.

Daimler (WKN: 710000)

Bereits vor den Aufspaltungsplänen lief die Aktie von Daimler deutlich schwungvoller als lange Zeit davor. Zuerst musste das Papier den verlorenen Boden des Corona-Crashs aus dem Frühjahr 2020 wettmachen, was im August schließlich gelang. Vor allem seit November ging es noch einmal spürbar nach oben, und der Spin-off-Plan von Anfang Februar hob das Papier dann komfortabel über die 60 Euro, von wo aus es weiter bis auf aktuell 73,57 Euro ging. Zuvor war die Aktie auf ein Hoch von knapp 78 Euro gestiegen - soviel war sie zuletzt Ende 2015 wert.

Die Grundtendenz für die Daimler-Aktie bleibt positiv, wenngleich das Papier mittlerweile schon viel eingepreist hat. Das Papier bekommt Support von der 50-Tage-Linie, die aktuell bei 71,70 Euro verläuft. Sollte diese Marke nicht halten, liegt eine Unterstützung bei 70,50 Euro. Anleger bleiben investiert!



(Mit Material von dpa-AFX.)




Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Daimler.

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