7 Chancen auf 111 Prozent
26.10.2020 Emil Jusifov

SAP: Aktie bricht ein - Analysten bleiben gelassen

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SAP

Der Tech-Riese SAP hat gestern seine Zahlen zum dritten Quartal veröffentlicht und dabei die Erwartungen der Analysten verfehlt. Für Enttäuschung bei den Anlegern sorgte vor allem die Prognose des Unternehmens. Das Gros der Analysten zeigt sich trotzdem unbeeindruckt und hält an seiner Kaufempfehlung fest.

So hat das US-Analysehaus Bernstein Research die Einstufung für SAP "Outperform" mit einem Kursziel von 159 Euro belassen. Im dritten Quartal habe der Softwarekonzern die Erwartungen in vielerlei Hinsicht verfehlt, schrieb Analyst Mark Moerdler. Wichtiger sei aber wohl der überarbeitete Ausblick für dieses Jahr und vor allem die aufgeschobenen Mittelfristziele. SAP lege in der Corona-Krise die Wunden offen, um die Anleger auf die kommenden Jahre vorzubereiten.

Auch das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für SAP auf "Buy" mit einem Kursziel von 161 Euro belassen. Der Softwarekonzern ändere seine Strategie und richte den Fokus noch stärker auf Cloud-Lösungen, schrieb Analyst Julian Serafini in einer am Montag vorliegenden Studie. Neben der Cororna-Krise trügen nötige Investitionen in solche Angebote dazu bei, dass die bisher für 2023 gesteckten Mittelfristziele um ein bis zwei Jahre aufgeschoben werden.

Nachfrage schwächelt

Die Experten von Warburg Research gehen etwas detaillierter auf die Gründe für die "schwachen" Zahlen ein. Durch die erneuten Lockdowns in einigen Regionen sei die Erholung der Nachfrage verhaltener als erwartet, schrieb Analyst Andreas Wolf. In der Summe sprächen die neuen Fakten für eine nur gedämpfte Umsatz- und Gewinnentwicklung in den nächsten zwei Jahren. Der Experte behält jedoch seine Einstufung für SAP auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 145 Euro bei.

Auch das Unternehmen selbst rückt in seiner Unternehmensmitteilung die schwächere Nachfrage "in manchen Regionen" in den Fokus. Ausschlaggebend dafür sei die COVID-19-Pandemie, die sich voraussichtlich mindestens bis zur ersten Jahreshälfte 2021 auf die Nachfrage, insbesondere in stark betroffenen Branchen, auswirken werde. Deswegen würde sich das Erreichen der Zielsetzungen für zentrale Kennzahlen wie Clouderlöse, Umsatzerlöse und Betriebsergebnis (jeweils Non-IFRS) um ein bis zwei Jahre verschieben.



SAP (WKN: 716460)

Der SAP-Finanzvorstand Luka Mucic lobte im Analysten-Call ausdrücklich das Nordamerika-Geschäft von SAP. Die Nachfrageschwäche im Bereich des Cloud-Geschäfts ist folglich auf einzelne Regionen und Branchen zurückzuführen.

Die SAP-Aktie wurde als laufende AKTIONÄR-Empfehlung im Zuge des heutigen Abverkaufs (Aktie notiert aktuell rund 19 Prozent im Minus) beim Kurs von 110 Euro ausgestoppt. Anleger sollten die weitere Entwicklung von SAP vorerst von der Seitenlinie aus abwarten und das Papier auf ihre Watchlist setzen.

(Mit Material von dpa-AFX)

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Der Autor Emil Jusifov hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: SAP.