Die Wall Street präsentiert sich am Mittwoch uneinheitlich: Während der Dow Jones zeitweise 0,7 Prozent gewinnt und auf ein neues Allzeithoch springt, gönnen sich die Tech-Werte nach der starken Rally vom Vortag eine kleine Verschnaufpause. Der S&P 500 sowie der Nasdaq 100 drehen entsprechend leicht ins Minus.
Der Dow Jones hat bei 50.835 Punkten ein neues Rekordhoch markiert. Zuletzt notierte das Börsenbarometer für die US-Wirtschaft noch bei 50.677 Zählern und somit 210 Punkte über dem Vortagesschlusskurs. Dabei profitiert der Dow Jones heute von einer Sektorrotation raus aus den heiß gelaufenen Tech-Werten hinein in defensive Industrie- und Konsumtitel.
Beim marktbreiten S&P 500 sowie beim technologielastigen Nasdaq 100 zeichnen sich hingegen Gewinnmitnahmen ab. Der S&P 500 stand zuletzt 0,1 Prozent tiefer bei 7.512 Punkten. Der Nasdaq 100 verlor sogar 0,3 Prozent auf 29.901 Punkte. Im frühen Handel konnte sich der Tech-Index noch oberhalb der gestern erstmals durchbrochenen 30.000-Punkte-Marke halten und in der Spitze sogar bis auf 30.100 Zähler zulegen. Doch im Handelsverlauf bröckelten die Gewinne.
Straße von Hormus: Setzt der Markt zu früh auf Entspannung?
Im Mittelpunkt bleibt weiter der Iran-Konflikt. Anleger hoffen zwar weiterhin auf eine diplomatische Lösung und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus, doch widersprüchliche Aussagen aus Washington und Teheran sorgen für Nervosität. US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, man sei „nicht zufrieden“ mit dem aktuellen Stand der Verhandlungen. Das Weiße Haus dementierte zudem Berichte iranischer Staatsmedien über ein angeblich bereits ausgearbeitetes Übergangsabkommen als „vollständige Erfindung“.
Trotzdem entspannt sich die Lage am Ölmarkt vorerst weiter. Der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent liegt aktuell 4,0 Prozent unter dem Vortagesniveau bei 95,35 Dollar. Die Rohölsorte WTI fällt sogar um 4,7 Prozent auf 89,47 Dollar.
Nasdaq 100: AppLovin top, Zscaler flop
Micron Technology hat am Dienstag nach einer extrem bullishen UBS-Studie rund 30 Prozent zugelegt und beim Börsenwert erstmals die Marke von einer Billion Dollar geknackt (DER AKTIONÄR berichtete). Am Mittwoch legt das Papier des führenden Speicherchip-Herstellers zunächst weiter zu, verliert im Handelsverlauf aber an Schwung und liegt zuletzt nur noch knapp ein Prozent im Plus.
An der Spitze des Nasdaq 100 steht heute AppLovin mit einem Kursgewinn von 10,7 Prozent. Grund dafür ist eine optimistische Einschätzung der Wachstumsperspektive von den Analysten der Morgan Stanley. Bei den Konversionsraten sehen sie nämlich noch enormes Potenzial: Da aktuell 99 Prozent der ausgespielten Werbeanzeigen nicht zu einem Kauf führen, könnten bereits kleine Verbesserungen bei der Trefferquote ein massiver Hebel für den Umsatz und Gewinn des Unternehmens sein. Die US-Investmentbank sieht bei AppLovin daher ein Kurspotenzial bis 720 Dollar. Im Bullen-Szenario sei sogar eine Bewertung von 1.100 Dollar je Aktie realistisch.
Für das Cybersecurity-Unternehmen Zscaler geht es hingegen brutal bergab: Mit Kursverlusten in Höhe von 31,3 Prozent sortieren sich die Papiere des Unternehmens am Mittwoch mit großem Abstand am unteren Ende des Nasdaq 100 ein. Dabei waren die gestern vorgelegten Quartalszahlen eigentlich stark (DER AKTIONÄR berichtete). Grund für den dramatischen Kurssturz ist der Ausblick, der die hohen Erwartungen auf Umsatzseite knapp verfehlte. Für das laufende vierte Geschäftsquartal stellte das Unternehmen Erlöse zwischen 875 und 878 Millionen US-Dollar in Aussicht. Analysten hatten im Schnitt jedoch mit 878,6 Millionen Dollar gerechnet. Mit dem Fall unter den GD50 verschärfte sich der technische Abverkauf.
Dow Jones: Boeing verleiht Rückenwind
Zu den größten Gewinnern im Dow Jones zählen der Konsumriese Procter & Gamble (plus 3,4 Prozent) sowie der Luftfahrtkonzern Boeing (plus 2,5 Prozent). Boeing-Chef Kelly Ortberg tratz bei einer Investorenkonferenz überraschend optimistisch auf. Der Flugzeugbauer darf die Produktion des 737-Max-Jets nach Freigabe der US-Luftfahrtbehörde FAA nun wieder deutlich hochfahren. Boeing peilt zunächst 47 Maschinen pro Monat an – langfristig sogar bis zu 63 Jets. Zusätzlich sorgt ein neuer Großauftrag aus China über 200 Flugzeuge für Rückenwind. Anleger setzen damit zunehmend auf ein Comeback des krisengeplagten Konzerns.
Diese Tech-Unternehmen liefern nachbörslich Zahlen
Nach Börsenschluss stehen am Mittwoch noch Quartalszahlen aus dem Halbleiter-, Hardware- und Software-Sektor auf dem Programm: HP, Marvell Technology, Salesforce und Snowflake veröffentlichen ihre Geschäftsberichte. DER AKTIONÄR wird im Schlussbericht zeitnah über die Ergebnisse und Kursreaktionen informieren.
Heute, 20:30