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05.12.2021 Martin Mrowka

Unsicherheiten wegen Omikron und China halten DAX und Co in Schach

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Die noch ungewissen Auswirkungen der neuen Omikron-Variante des Coronavirus sorgen für Nervosität an den Weltfinanzmärkten. Die Folgen der raschen Ausbreitung auf die Wirtschaft können nicht abgeschätzt werden. Am Wochenende kommen neue Unsicherheiten aus China hinzu. Und so bleiben die Aktienanleger vorsichtig – aber nicht panisch. Der Wochenausblick.

Am Wochenende sorgte die Warnung des hoch verschuldeten chinesischen Immobilien-Riesen Evergrande vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten für Beachtung. Nach einer Überprüfung der Finanzmittel könne keine Garantie gegeben werden, dass die Gruppe über ausreichende Mittel verfügt, um seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, so Evergrande. Der Konzern steckt bereits seit Monaten in einer tiefen Krise und gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilien-Unternehmen. Es muss dringend Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihengläubiger fristgerecht bezahlen zu können.

Vor diesem Hintergrund könnten auch die Aktienmärkte volatil bleiben. Der Broker IG taxierte den Weekend-DAX am Sonntag-Morgen unter dem Schlussstand vom Freitag. Da hatte der deutsche Aktienmarkt nach einer von Corona-Angst geprägten schwankungsreichen Handelswoche am Ende überwiegend mit Verlusten geschlossen. Der DAX ging bei 15.170 Zählern ins Wochenende. Insgesamt betrug der Abschlag in den vergangenen fünf Handelstagen 0,6 Prozent. Der MDAX der mittelgroßen Börsenwerte verlor im Wochenverlauf mit 0,4 Prozent auf 33.711 Punkten etwas weniger.

Daten vom US-Arbeitsmarkt waren am Freitag durchwachsen ausgefallen: Während die Wirtschaft im November wesentlich weniger Arbeitsplätze geschaffen hat als erwartet, ging die Arbeitslosenquote überraschend stark zurück. "Insgesamt geht die Erholung am Arbeitsmarkt weiter", schrieb Christoph Balz von der Commerzbank. Der Volkswirt rechnet damit, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung Mitte Dezember den Ausstieg aus den Anleihenkäufen, die sie wegen der Corona-Krise aufgelegt hatte, beschleunigt und sie bereits im März 2022 beendet. Auch das könnte die Aktienkurse im Voraus belastet haben.

DAX (WKN: 846900)

"Die Investoren tun sich schwer mit einer Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen von Omikron, weil die Datenlage nicht ausreicht", schrieb Chefstratege Mark Haefele von der Bank UBS. Die hohen Kursverluste und starken Schwankungen legten den Schluss nahe, dass die Anleger mit weiteren Turbulenzen an den Börsen rechneten. Omikron menge sich gegenwärtig in die ohnehin vielerorts steigenden Infektionszahlen der Delta-Variante. Sollte sich die neue Virusvariante als deutlich gefährlicher als ihre Vorgänger erweisen, drohten neuerliche Lockdowns. In diesem Szenario rechnet Haefele mit weiteren Kursverlusten von 10 bis 15 Prozent an den Aktienmärkten.

Ansteckender aber harmloser?

"Die Daten zu Omikron sind dünn, die Informationen sind widersprüchlich und einige Medien haben die Risiken aufgebauscht und Worst-Case-Szenarien beschrieben", schrieben Marko Kolanovic und Brian Kaplan von JPMorgan in einer Studie. Omikron sei zwar vermutlich ansteckender als die bisherigen Varianten. Ersten Berichten zufolge könne Omikron jedoch weniger tödlich sein als die Vorgänger. "Das würde sich mit Erkenntnissen aus der Entwicklung von Viren in der Vergangenheit decken", so die Analysten.

Sollte sich Omikron rasch ausbreiten und mithin andere, gefährlichere Varianten quasi verdrängen, so könne die Pandemie "in etwas übergehen, was eher einer saisonalen Grippe ähnelt", skizzieren Kolanovic und Kaplan ein Szenario, das sie allerdings selbst mit Fragezeichen versehen. Immerhin würde sich dieses Szenario aber einreihen in die bisherigen Erfahrungen mit virusbedingten Atemwegserkrankungen.

Damit könne schließlich ein Ende der Pandemie in Sicht kommen, von der risikoreiche Anlagen wie Aktien profitieren dürften. Für Investoren böten sich also neue Chancen: Vor allem Konjunkturzykliker, der Rohstoffsektor und die Aktien der von Lockerungen profitierenden Unternehmen wären dann angesagt. Verkauft werden dürften dagegen laut Kolanovic und Kaplan die Gewinner der coronabedingten Restriktionen. Im DAX zählen dazu etwa Delivery Hero, Qiagen, Sartorius und Zalando.

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DAX am Freitag mit 41 Werten

Für Spannung am deutschen Aktienmarkt könnten in der neuen Woche mit Daimler und Volkswagen zwei Autobauer sorgen. Zum einen soll am Donnerstag der Aufsichtsrat von VW über Milliarden-Investitionen und Personalien beraten. Und zum anderen sind am Freitag 41 statt 40 Aktien im DAX enthalten. Daimler spaltet die Truck-Sparte ab. Diese wird als Daimler Truck Holding AG aus börsentechnischen Gründen für nur einen Handelstag im Leitindex geführt und verlässt diesen mit Xetra-Schluss wieder.

Bei der alljährlichen großen Investitionsrunde von VW werden vor allem die Milliardenausgaben und Finanzziele für die kommenden fünf Jahre festgezurrt – aber diesmal wohl auch einige wichtige Posten neu verteilt. In der Kritik wegen des schlechten Managements rund um den Chipmangel und wegen seines provokativen Führungsstils steht auch einmal mehr Konzernchef Herbert Diess selbst. Eigentlich hätten die Beschlüsse bereits im November fallen sollen, wegen des großen Redebedarfs in Wolfsburg wurde der Termin aber verschoben.

Abseits der DAX-Familie könnte am Mittwoch der Jahres-Geschäftsbericht von TUI für Aufmerksamkeit an den Börsen sorgen. Der Touristik-Konzern leidet aktuell unter den erneuten Corona-bedingten Reiseeinschränkungen.

Weiter banger Blick Richtung US-Inflation und Notenbank

Auf der Konjunkturseite richten sich die Blicke vor allem auf neue Inflationsdaten aus den USA, die am Freitag um 14.30 Uhr deutscher Zeit erwartet werden. Die Frage ist, ob die bereits sehr hohe Inflation weiter gestiegen ist. Die US-Notenbank Fed würde sich durch eine weiter steigende Inflation wohl in ihrer Haltung bestätigt sehen, ihre Wertpapierkäufe schneller zurückzuführen als bisher beabsichtigt.

Entsprechende Andeutungen hatte in der abgelaufenen Woche Fed-Chef Jerome Powell gemacht. Viele Analysten rechnen mit einer konkreten Ansage der Zentralbank auf der nächsten Zinssitzung Mitte Dezember. Die milliardenschweren Käufe durch die Fed zählen schon länger als ein wichtiger Treiber der Aktienmärkte.

In Deutschland stehen die ZEW-Konjunkturerwartungen im Fokus, die am Dienstag-Vormittag veröffentlicht werden.  (Mit Material von dpa-AFX)

Rückblick: In den vergangenen Tagen standen folgende Artikel in besonderem Fokus der Leser auf www.deraktionaer.de:   

DER AKTIONÄR Nr. 49/21

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