Xi Jinping landet am Mittwoch in Washington. Bis Freitag stehen Militärschau und Staatsbankett auf dem Programm. Der eigentliche Anlass ist nüchterner: Am 10. November endet der Handelsfrieden, den beide im Oktober 2025 in Busan geschlossen haben.
Beschlossen wurde damals ein Tauschgeschäft: Washington erhöht die Zölle nicht weiter und Peking lockert dafür seine Exportsperren für Seltene Erden. Ohne diese Metalle kommt kaum ein Elektroauto oder Smartphone aus, und China beherrscht ihre Verarbeitung. Gestritten wird vor allem um die Laufzeit. Peking will Ruhe bis zum Ende von Trumps Amtszeit, Washington nur für ein paar Monate. Scott Kennedy vom Institut CSIS erwartet einen Kompromiss bei etwa einem Jahr.
Zusammen mit den Sojazusagen vom Oktober 2025 hat China Agrarkäufe von rund 27 Milliarden Dollar im Jahr zugesagt. Das ist kaum mehr als 2024 mit 24,4 Milliarden Dollar – bevor der Zollkrieg die Exporte 2025 auf 8,4 Milliarden Dollar drückte. Das geplante Paket gegenseitiger Zollsenkungen umfasst Waren für 30 Milliarden Dollar. Auf dem Höhepunkt des Streits lagen die Zölle über 100 Prozent.
Über ein Waffenpaket für Taiwan im Wert von rund 14 Milliarden Dollar hat Trump seit Mai nicht entschieden, Peking nennt Taiwan eine rote Linie. Ein neues US-Sanktionsgesetz erlaubt Zölle von bis zu 100 Prozent gegen Käufer russischen Öls, das zielt auch auf China. Dazu kommt der Iran-Krieg. Merics-Direktor Mikko Huotari spricht von einer „strategischen Pattsituation“.
Trump und Xi: Diese Tech-Bosse sitzen am Donnerstag mit am Tisch
Am meisten zu gewinnen hat Nvidia mit Jensen Huang. Den KI-Chip H200 darf Nvidia nur mit Lizenz nach China liefern, höchstens 75.000 Stück je Käufer. ByteDance und Tencent hatten bis Mitte August erst je rund 10.000 erhalten. Lockert Washington die Regeln, wird daraus wieder ein Markt.
Apple, vertreten durch Tim Cook und nicht durch den neuen CEO John Ternus, fertigt einen großen Teil der iPhones in China und verkauft dort viel. Stabile Zölle schützen die Marge. Tesla mit Elon Musk braucht Seltene Erden für Motoren. Dell mit Michael Dell hängt mit seinen KI-Servern an denselben Lieferketten. Amazon mit Jeff Bezos profitiert von jeder Zollsenkung, weil chinesische Händler viel über den Marktplatz verkaufen. Qualcomm mit Cristiano Amon will weiter Chips an chinesische Handyhersteller liefern. Für Alphabet mit Sundar Pichai zählt der KI-Dialog: Er entscheidet mit, wie frei US-Konzerne bei KI bleiben.
Am 3. November wählen die USA ihren Kongress, eine Woche vor Ablauf des Handelsfriedens. Trump braucht gute Nachrichten und China spielt auf Zeit. Das spricht für eine Verlängerung um rund ein Jahr plus Kaufzusagen für Agrarprodukte und Boeing-Jets – und genau das erwartet der Markt bereits. Kursfantasie entsteht erst jenseits dieses Basisszenarios: bei Lockerungen für KI-Chips dürften die Aktien und der Gesamtmarkt profitieren. Kommt es beim Thema Taiwan zum Streit, könnte der Gesamtmarkt negativ reagieren. Der Gipfel kauft Zeit, keinen Frieden.
DER AKTIONÄR wird das Treffen von Trump und Xi verfolgen. Nach den Gesprächen und dem Staatsbankett mit den Tech-Chefs am Donnerstagabend ordnen wir am Freitag ein, was die Ergebnisse für die betroffenen Aktien bedeuten.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
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