Der US-Präsident handelt mehr Wertpapiere als alle 535 Kongressmitglieder zusammen – und wirbt zugleich für ein Kaufverbot, das nur für die Abgeordneten gilt. Die eigentliche Pointe steckt nicht in der Zahl, sondern im Gesetzestext.
Donald Trump und seine Vermögensverwalter haben in den 17 Monaten seit der zweiten Amtseinführung knapp 28.700 Wertpapiertransaktionen gemeldet. Im selben Zeitraum kamen alle Abgeordneten und Senatoren zusammen auf rund 22.200. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg auf Basis der Offenlegungsformulare. Allein im Juni meldete Trump 1.051 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen zwischen 78,1 und 263,1 Millionen Dollar – darunter Käufe von Berkshire Hathaway, Visa, Mastercard und Cintas zu je ein bis fünf Millionen Dollar. Der größte Einzelposten war ein Verkauf von Anteilen an einem Dividenden ETF im Wert von fünf bis 25 Millionen Dollar.
Die Rechnung hinter der Rekordzahl
Pro Kopf gerechnet kommt ein durchschnittliches Kongressmitglied in 17 Monaten auf gut 41 Transaktionen. Trumps Konten kommen auf rund 80 – pro Handelstag. Der Präsident erledigt damit an einem einzigen Börsentag doppelt so viele Geschäfte wie ein typischer Abgeordneter in fast anderthalb Jahren.
Das ist nicht Zocken, sondern Maschinerie. Die Zahl ist plausibel: Für das Jahr 2025 wies Trump mehr als 21.000 Transaktionen aus, im Q1 2026 über 3.700, im Mai 1.150. Laut Weißem Haus bilden Modelldepots Indizes wie den Schwab 1000 nach; ein von CBS News befragter Profi sieht dahinter eine Steuerstrategie. Das funktioniert wie ein Autopilot: Er korrigiert den Kurs tausendfach in kleinen Schritten, ohne dass der Pilot das Steuer anfasst. Dazu passt die Größenordnung: Im Juni lag ein Geschäft im Schnitt zwischen 74.000 und 250.000 Dollar.
In seiner ersten Amtszeit meldete Trump in vier Jahren rund 500 Transaktionen, also etwa zehn im Monat. Heute sind es rund 1.700 im Monat – mehr als 160-mal so viele.
Was die Zahl nicht zeigt
Die Gegenseite hat Gewicht: Die Formulare nennen nur Wertspannen, Missbrauch von Insiderwissen ist nicht belegt, und Trump selbst entscheidet laut Regierung nicht mit. Kritiker wie Senatorin Elizabeth Warren verweisen auf Käufe bei Firmen, deren Geschäft die Regierung beeinflusst. Das eigentliche Detail steckt im Stop Insider Trading Act, den das Repräsentantenhaus im Juli mit 232 zu 198 Stimmen verabschiedete, auch mit einigen Demokraten. Er würde Abgeordneten, ihren Ehepartnern und unterhaltsberechtigten Kindern den Kauf von Aktien verbieten, bestehende Positionen aber zulassen und breit gestreute Fonds ausnehmen. Trumps größter Juni-Deal, ein ETF-Verkauf, wäre also selbst für Abgeordnete kaum ein Verstoß.
Drei Prüfsteine
- September und Oktober 2026: Die Meldungen für Juli und August, fällig spätestens 45 Tage nach dem Geschäft, zeigen, ob das Tempo nachlässt.
- 3. November 2026: Die US-Zwischenwahlen entscheiden, ob der Senat das Gesetz mit dem angehängten Wählerausweis-Passus überhaupt noch aufgreift.
- 15. Mai 2027: Die fällige Jahresoffenlegung für 2026 zeigt, ob das zweite Amtsjahr die Rekordzahl von 2025 übertrifft.
Nicht die Menge der Trades ist der Skandal, sondern die Architektur des Gesetzes: Es regelt die Abgeordneten und lässt den einflussreichsten Marktteilnehmer Washingtons unberührt. Wer Marktbewegungen verstehen will, sollte die Formulare lesen – nicht die Schlagzeile.
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