Für den DAX entscheidet die US-Kongresswahl am Dienstag vor allem über zwei Größen: den Dollar und den Ölpreis. Die Wettmärkte halten einen Durchmarsch der Demokraten für den wahrscheinlichsten Ausgang. Den größeren Ausschlag könnte aber Iran geben – nach einem Telefonat am Samstag, in dem Israels Premier Netanjahu bei Präsident Trump auf neue Angriffe drängte.
DAX vor der US-Wahl: Drei Ausgänge, drei Reaktionen
Szenario eins ist der Durchmarsch der Demokraten. Kalshi sah die Chance darauf am Sonntagmorgen bei rund 70 Prozent. Weil das weitgehend eingepreist ist, dürfte der Ausgang wenig bewegen und den Dollar allenfalls etwas drücken. Ein festerer Euro würde den DAX leicht bremsen, denn er verteuert Exporte und schmälert die Dollarumsätze der Konzerne. Am Freitag lag der EZB-Referenzkurs bei 1,1172 Dollar.
Szenario zwei ist ein geteilter Kongress mit demokratischem Repräsentantenhaus und republikanischem Senat. Kalshi bewertet ihn mit 27 Prozent. Auch hier ist viel eingepreist, der Dollar dürfte kaum reagieren, und für den DAX bliebe der Wechselkurseffekt gering.
Szenario drei wäre die Überraschung: ein republikanischer Durchmarsch, bewertet mit 6,7 Prozent. Mehr schuldenfinanzierte Ausgaben könnten Renditen und Dollar nach oben treiben. Ein schwächerer Euro würde die Exporteure im DAX stützen.
Der stärkere Hebel ist der Ölpreis. Brent ging am Freitag bei 113,43 Dollar je Barrel aus dem Handel, im Oktober stieg der Preis um fast 15 Prozent. Berichten zufolge hat Washington die Golfstaaten gewarnt, neue Angriffe auf Iran seien schon am 4. November möglich. Im Telefonat am Samstag wollte Trump laut Axios der Diplomatie mehr Zeit geben. Am Montagmorgen fiel Brent in Asien um 1,76 Prozent auf 111,43 Dollar. Ein Abkommen könnte den Ölpreis deutlich drücken, neue Angriffe ihn Richtung Aprilhoch über 126 Dollar treiben. Kristian Coates Ulrichsen vom Baker Institute sieht das größte Risiko bis zum 3. Januar, wenn der neue Kongress zusammentritt. Die Wahl entscheidet über den Dollar, Iran über die Energiekosten.
Der DAX schloss am Freitag, 30. Oktober, bei 25.818 Punkten, 0,85 Prozent tiefer. Der Index liegt 3,01 Prozent unter dem Allzeithoch vom 28. August bei 26.619 Punkten, erster Widerstand ist das Freitagshoch bei 26.026 Punkten. Über der 50-Tage-Linie bei 25.579 Punkten liegt der Index 0,94 Prozent, knapp darunter verläuft die 100-Tage-Linie bei 25.512 Punkten. Über der 200-Tage-Linie bei 24.894 Punkten sind es 3,71 Prozent.
Der S&P 500 ging am Freitag bei 7.580 Punkten aus dem Handel, nach einem Minus von 1,82 Prozent, dem größten Tagesverlust seit Juni. Damit rutschte er auch unter die 50-Tage-Linie bei rund 7.697 Punkten, die 20-Tage-Linie bei rund 7.730 hatte er schon zuvor verloren. Beide bilden jetzt den ersten Widerstand. Das Rekordhoch liegt bei 7.845 Punkten, der Index notiert 3,37 Prozent darunter. Erste Unterstützung ist das Freitagstief bei 7.528 Punkten, der Index liegt 0,7 Prozent darüber. Darunter wartet die 200-Tage-Linie bei rund 7.310 Punkten, der Abstand beträgt 3,7 Prozent. Ein Schluss unter 7.528 Punkten würde den Abwärtsimpuls vom Freitag bestätigen.
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