Die deutsche Wirtschaft sendet erste positive Signale. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist das Bruttoinlandsprodukt im Sommer überraschend gewachsen. Doch der erhoffte Aufschwung kommt auf dem Arbeitsmarkt noch nicht an: Fast drei Millionen Menschen sind ohne Job. Wie belastbar ist die wirtschaftliche Erholung?
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Juli bis September um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Damit setzte sich die Erholung nach den Zuwächsen von 0,4 und 0,3 Prozent in den ersten beiden Quartalen fort. Selbst der Iran-Krieg und das sommerliche Niedrigwasser, das unter anderem die Binnenschifffahrt und die Industrie belastete (siehe Artikelbox), konnten das Wachstum nicht verhindern.
Allerdings steht die Erholung noch auf wackligen Beinen. Zwar legten die Konsumausgaben leicht zu, die Investitionen gingen jedoch zurück. Auch die Exporte entwickelten sich schwächer als im ersten Halbjahr. Gerade für die exportorientierte deutsche Industrie bleibt das eine Herausforderung.
Arbeitsmarkt hinkt hinterher
Wie unterschiedlich die Entwicklung ausfällt, zeigen die neuen Arbeitsmarktdaten. Im Oktober sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem September saisonbedingt um 40.000 auf 2,955 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren allerdings 44.000 Menschen mehr arbeitslos. Die Quote verringerte sich gegenüber September um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent, stieg auf Jahressicht jedoch um 0,1 Prozentpunkte.
Auch bei den offenen Stellen fehlt es an Dynamik. Im Oktober waren lediglich 654.000 Jobs bei den Arbeitsagenturen gemeldet. Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, sieht deshalb weiterhin keine ausreichenden wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei vergleichsweise schwach ausgefallen.
Hoffnung auf den Jahresendspurt
Dennoch mehren sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Trendwende. Die Stimmung in den Chefetagen hat sich laut Ifo-Institut zuletzt sechs Monate in Folge verbessert. Besonders die Exporterwartungen sind so positiv wie seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 nicht mehr.
Auch die Prognosen machen Hoffnung: Die Bundesregierung rechnet für 2026 inzwischen mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Das Ifo-Institut erwartet sogar 1,4 Prozent. Nach zwei Rezessionsjahren und einem Mini-Wachstum von lediglich 0,2 Prozent im Jahr 2025 könnte Deutschland damit die längste wirtschaftliche Schwächephase seit Jahren hinter sich lassen.
Sollte sich das Wachstum fortsetzen, dürften die guten Konjunkturdaten dem DAX mittelfristig Auftrieb geben. Am Freitag gibt der deutsche Leitindex jedoch leicht nach und fällt unter die 26.000-Punkte-Marke.
Heute, 11:33
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