Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im September auf 89,9 Punkte gestiegen, nach 88,8 Punkten im August. Ökonomen hatten im Schnitt nur 89,0 Punkte erwartet. Beide Teilindizes legten zu: Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage mit 89,5 Punkten (Prognose 89,0, zuvor 88,5), ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate mit 90,4 Punkten (Prognose 89,3, zuvor 89,1). Es ist der fünfte Anstieg in Folge, seit dem Tief im April bei 84,5 Punkten.
Das klingt nach Aufschwung. Es ist vor allem eine Rückkehr. Im August 2025 stand der Index bei 89,0 Punkten, im Dezember 2025 bei 87,6. Die Wirtschaft steht damit nicht dort, wo sie noch nie war, sondern ungefähr dort, wo sie vor einem Jahr schon stand.
Ifo-Index: Die Richtung stimmt, das Niveau noch nicht
Das Ifo-Institut fragt monatlich rund 9.000 Unternehmen nach ihrer Lage und ihren Erwartungen, das Klima ist der Mittelwert. An Wendepunkten laufen die Erwartungen typischerweise vor: Die Firmen hoffen, bevor die Aufträge in den Büchern stehen. Im Juli war genau das zu sehen – bessere Erwartungen, schlechtere Lage. Im September steigen beide Komponenten gemeinsam und beide stärker als prognostiziert. Wie beim Wetterbericht: Ein Hoch auf der Karte ist eine Ankündigung, ein trockener Morgen vor der Haustür ist ein Beleg. Diesmal gibt es beides.
Wie weit der Weg noch ist, zeigt der Maßstab des Index selbst. Im Schnitt der Jahre 1991 bis 2026 lag das Geschäftsklima bei 96,55 Punkten. Bis dahin fehlen noch 6,65 Punkte – mehr, als seit April aufgeholt wurde. Die Richtung deckt sich mit der Herbstprognose des Instituts: 1,4 Prozent Wachstum für 2026, getragen von rund 40 Milliarden Euro Fiskalimpuls für Infrastruktur und Verteidigung.
Vier Punkte sprechen aber gegen eine zu schnelle Euphorie. Erstens die Energiepreise, die das Ifo-Institut wegen der Lage am Persischen Golf selbst als größtes Risiko nennt. Zweitens die Aufträge: Im August war die Industrie mit ihren Aufträgen noch unzufrieden – Stimmung ist kein Umsatz. Drittens die Inflation: Das Institut rechnet mit 2,8 Prozent in diesem und 3,0 Prozent im nächsten Jahr. Das engt den Spielraum der EZB ein. Zudem schrumpft der Fiskalimpuls planmäßig auf 27 und dann 18 Milliarden Euro.
Wird aus der Aufholjagd ein Aufschwung, profitieren vor allem drei Bereiche: die Baustoffhersteller, die direkt an den Infrastrukturmilliarden hängen, die Industriedienstleister, die an Wartung und Modernisierung von Anlagen verdienen, und die Automatisierung.
Dort sticht Siemens heraus: Der Konzern liefert Automatisierung und Industriesoftware – das, was Kunden bestellen, wenn Erwartungen zu Aufträgen werden.
DER AKTIONÄR hält an seiner Einschätzung zur Siemens-Aktie fest: Anleger können das aktuelle Kursniveau weiterhin zum Einstieg nutzen (Stopp: 205 Euro). Denn die langfristigen Aussichten sind unverändert gut.
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