05.08.2019 Martin Mrowka

China reagiert rigoros auf US-Strafzölle und schickt Aktienkurse abwärts – was heute ansteht

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DAX

Nach der Ankündigung neuer Strafzölle der USA gegen China, drücken nun Gegenmaßnahmen auf das Gemüt der Anleger. Die politische Führung Chinas drängt auf ein Ende der Einfuhr von Agrar-Produkten aus den USA, zudem wurde der Yuan kräftig abgewertet. Der DAX setzt seine Talfahrt vom Freitag fort. Aber von Panik ist nichts zu spüren.

Die Verkaufswelle am deutschen Aktienmarkt geht auch zu Beginn der neuen Börsenwoche weiter. Nach der Ankündigung neuer Strafzölle gegen China durch US-Präsident Donald Trump erreicht der Handelskrieg zwischen den beiden Großmächten eine neue Eskalationsstufe und setzt die Aktienmärkte weltweit wieder schwer unter Druck. China hatte Gegenmaßnahmen angekündigt. Und die fallen rigoros aus.

China hat seine Währung Yuan kräftig abgewertet und die Unternehmen des Landes angewiesen, keine Agrar-Produkte aus den USA mehr zu importieren. Kurz vor Xetra-Handelsstart wurde der deutsche Leitindex DAX mit einem Abschlag von rund einem Prozent auf 11.758 Punkte taxiert - der tiefste Stand seit Anfang Juni. Der Goldpreis zog zeitweise bis auf 1.459 Dollar an, auch der Bitcoin legte zu auf über 11.500 Dollar.

Die meisten Aktienkurse stehen hingegen unter Druck. "Wir sehen eine regelrechte Flucht aus Aktien. Das ist keine Panik, aber eine ordentliche Verkaufswelle. Die neue Eskalation im Handelsstreit schlägt die Anleger in die Flucht", schrieb Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einem Marktkommentar. Der Punkt sei längst erreicht, an dem der Konflikt der Weltwirtschaft großen Schaden zufügt. - Was heute Einfluss auf die Kurse nehmen dürfte:

Vorgaben aus den USA

Der Dow Jones Industrial  hat am Freitag seine zeitweise deutlichen Verluste auf der Schlussgeraden weitgehend aufgeholt. Der US-Leitindex verabschiedete sich 0,4 Prozent tiefer bei 26.485 Punkten. Angesichts der heftigen Kursabschläge der beiden vergangenen Tage stand am Ende mit mehr als zweieinhalb Prozent zwar der höchste Wochenverlust seit Ende Mai. Offenbar half dem Dow im späten Handel auch eine Einigung zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) auf einen besseren Zugang amerikanischer Rindfleischproduzenten zum EU-Markt.

Vorgaben aus Fernost

Die Aktienmärkte in Asien sind mit kräftigen Kursverlusten in die neue Handelswoche gestartet. Zeitgleich mit dem Beginn eines großen Streiks hat Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam am Montag die anhaltende Gewalt bei Demonstrationen in der Stadt scharf verurteilt. Die Regierung werde entschlossen dabei vorgehen, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und das Vertrauen wiederherzustellen. An Chinas Festland-Börsen ging es für den CSI 300 um 1,1 Prozent abwärts und in Hongkong fiel der Hang Seng um 2,9 Prozent. Dort legten neue Proteste zeitweise den Verkehr lahm. Auch in Japan war die Stimmung schlecht. Der Nikkei 225 schloss 1,7 Prozent tiefer bei 20.720 Punkten.

Chinas Gegenmaßnahmen zu Trumps Strafzöllen

Der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert weiter. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag mit Bezug auf informierte Kreise berichtete, hat die politische Führung Chinas die Staatsunternehmen dazu aufgefordert, die Einfuhr von Agrarprodukten aus den USA zu beenden. Dies sei eine Antwort auf die Androhung neuer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump in der vergangenen Woche. Trump hatte seine Ankündigung auch damit begründet, dass China nicht - wie eigentlich zugesagt - mehr Agrarprodukte aus den USA kaufe.

Zudem hat die Notenbank Chinas den Yuan-Kurs herabgesetzt. Erstmals seit dem Jahr 2008 kostete ein Dollar mit 7,10 Yuan nun wieder mehr als sieben Yuan. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als "rote Linie", die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von der Notenbank beeinflusst. Zur Begründung verwies man auf protektionistische Tendenzen, was als Umschreibung für den Handelsstreit mit den USA gelten kann.

Konflikt Japan vs. Südkorea

Inmitten des eskalierenden Handelsstreits zwischen Tokio und Seoul beteiligen sich immer mehr Südkoreaner am Boykott japanischer Produkte. Zudem versammelten sich nach Angaben der Zeitung Korea Herald vom Montag am Wochenende fast 15.000 Menschen in Seoul zu einer Mahnwache mit Kerzenlicht, um gegen die Maßnahmen der japanischen Regierung zu protestieren, die Südkorea von der Liste bevorzugter Handelspartner gestrichen hatte.

Iran-Konflikt

Wie am Wochenende bekannt wurde, hat Iran bereits vergangene Woche einen weiteren Öltanker im Persischen Golf festgesetzt. Die Herkunft des Schiffes ist derzeit unklar. Der Irak hat unterdessen jegliche Verbindung zu dem beschlagnahmten Öltanker abgestritten. Mit Schiffen dieser geringen Größe habe das Land nichts zu tun, teilte das irakische Ölministerium am Sonntagabend mit. Zuvor hatte die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA gemeldet, dass es sich bei dem gestoppten Schiff um den irakischen Tanker "Hita" handle, der demnach 700.000 Liter illegales Dieselöl an Bord gehabt haben soll.

Unternehmens-News

Unter den Einzelwerten könnten die Aktien von Stabilus im Mittelpunkt des Interesses liegen. Der Autozulieferer senkte wegen der anhaltenden Branchenflaute zum dritten Mal in diesem Jahr sein Umsatzziel für 2019. Der reduzierte Ausblick sei erwartet worden, sagte ein Händler am Morgen in einer ersten Reaktion. Vielmehr habe Stabilus mit seinem bestätigten Margenziel positiv überrascht. Die Aktien stiegen im vorbörslichen Geschäft auf der handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs vom Freitag zuletzt um 2,4 Prozent.

Die US-Handelsaufsicht FTC will Evoniks Übernahme des US-Unternehmens Peroxychem verhindern. Die Behörde reichte am Freitag Klage gegen den 625 Millionen Dollar schweren Deal ein. Der Zusammenschluss würde den Wettbewerb in großen Teilen der Vereinigten Staaten erheblich beschränken, teilte die FTC mit. Evonik kündigte an, sich energisch gegen die Klage zur Wehr zu setzen. Die Evonik-Papiere fielen auf Tradegate um 0,9 Prozent.

Im Poker um den Handelskonzern Metro wies der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky einen Bericht über eine mögliche Erhöhung des Gebots zurück. "Spekulationen über eine mögliche Anhebung des gebotenen Preises auf 17 Euro sind nicht korrekt", sagte ein Sprecher des Bieterkonsortiums EPGC um Kretinsky am Wochenende der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Metro-Titel verloren auf Tradegate 4,2 Prozent.

Quartalszahlen kommen heute außerdem von Linde, Hypoport, QSC und HSBC. Im weiteren Verlauf der Woche stehen noch viele weitere Quartalsberichte an.

Konjunkturdaten

Um 9.55 Uhr werden Daten aus Deutschland zum Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungsbereich veröffentlicht, der Einkaufsmanagerindex Dienste für die Euro-Zone folgt um 10 Uhr. Gegen 15.45 Uhr wird das Barometer für die USA erwartet. Zur gleichen Zeit wird die EZB ihren Monatsbericht präsentieren. Um 16 Uhr folgt dann noch der ebenfalls stark beachtete ISM Index für den Dienstleistungssektor.

Mit Material von dpa-AFX

DAX (WKN: 846900)

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