Eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) stellt zentrale Bitcoin-Kennzahlen infrage. Je nach Berechnungsmethode kann das ausgewiesene On-Chain-Transfervolumen bis zu sechsmal höher ausfallen. Auch bei der Marktkapitalisierung gibt es erhebliche Abweichungen.
- Eine Studie hat Messfehler bei zentralen Bitcoin-Kennzahlen aufgezeigt.
- Auch Ethereum und Tron leiden unter vergleichbaren Messproblemen.
- Der Bitcoin gibt am Freitag leicht nach.
Die BIS-Forscher Timothy Aerts, Ronald Heijmans, Jan Paulick und Violeta Vuletic werteten für ihr Working Paper 1377 Blockchain-Daten von Bitcoin, Ethereum und Tron aus. Die Bitcoin-Analyse umfasst den Zeitraum von 2009 bis 2026 sowie rund 1,3 Milliarden Transaktionen und 3,6 Milliarden Transaktions-Outputs.
Je nachdem, wie Datenanbieter solche Rückflüsse behandeln, können die Ergebnisse laut Studie um den Faktor sechs auseinanderliegen. Die Kennzahl vermittelt damit eine Genauigkeit, die die zugrunde liegenden Daten nicht hergeben.
Marktkapitalisierung ebenfalls mit Fragezeichen
Auch die Bewertung des Bitcoin-Netzwerks hängt stark von der Methodik ab. Die klassische Marktkapitalisierung bewertet sämtliche Coins zum aktuellen Kurs. Bei der sogenannten Realized Capitalization wird dagegen der Kurs zum Zeitpunkt der letzten Bewegung berücksichtigt. Laut BIS lag die konventionelle Berechnung zeitweise bis zu viermal höher.
Zusätzlich dürften zahlreiche Bitcoin dauerhaft verloren sein. Rund 1,8 Millionen Coins wurden seit mehr als 15 Jahren nicht bewegt. Mehr als eine Million davon werden Adressen zugerechnet, die mit dem Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in Verbindung stehen. Werden diese Bestände als verloren betrachtet, fällt das tatsächlich verfügbare Angebot geringer aus als in der Standardberechnung.
Ethereum und Tron nicht ausgenommen
Die Messprobleme beschränken sich nicht auf Bitcoin. Bei Ethereum erschwert die große Zahl an Smart Contracts die Auswertung. Von rund 67,5 Millionen untersuchten aktiven Verträgen konnten die Forscher etwa 54 Millionen nicht eindeutig klassifizieren.Auch Stablecoin-Daten sind zwischen Blockchains kaum eins zu eins vergleichbar.
USDT wird auf Ethereum stärker in Smart Contracts und DeFi-Anwendungen eingesetzt. Auf Tron dient der Token häufiger für Zahlungen oder als Wertspeicher. Eine hohe Transaktionszahl bedeutet daher nicht automatisch eine hohe wirtschaftliche Aktivität.
On-Chain-Daten bleiben ein nützliches Werkzeug – allerdings sollten Anleger sie nicht als 100 Prozent exakt erachten. Nichtsdestotrotz reagieren Anleger gelassen auf die Nachricht. Der Bitcoin gibt am Freitag um 0,2 Prozent nach, notiert damit aber weiter komfortabel oberhalb der wichtigen 80.000-Dollar-Marke. Anleger bleiben an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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