Die Erleichterung an den Krypto-Märkten währte nur kurz. Ein massiver Abverkauf bei US-amerikanischen Technologie- und KI-Aktien griff am Donnerstag direkt auf die Krypto-Börsen über. Binnen 24 Stunden löste die Verkaufswelle eine Kaskade von Zwangsliquidationen aus, die ein Volumen von 1,09 Milliarden Dollar erreichte. Betroffen waren fast 211.000 Händler.
Damit lösten sich die Kursgewinne nach den US-Zwischenwahlen vollständig auf. Bitcoin fiel um sechs Prozent auf 75.700 Dollar zurück, nachdem die Kryptowährung im Tagestief bei 75.568 Dollar notierte. Am Vortag war der Kurs noch über die Marke von 80.000 Dollar geklettert. Auch die zweitgrößte Kryptowährung Ether geriet unter Druck und verlor mehr als 7 Prozent auf 2.247 Dollar.
Domino-Effekt an den Derivatemärkten
Der Grund für den abrupten Einbruch liegt im hohen Hebeleinsatz vieler Marktteilnehmer. Innerhalb eines Zeitfensters von nur vier Stunden wurden Positionen im Wert von rund 879,92 Millionen Dollar liquidiert. Nach Angaben des Datenanbieters CoinGlass entfielen davon 818,90 Millionen Dollar auf Long-Wetten, die auf steigende Kurse spekuliert hatten. Die Bären mussten lediglich 61,02 Millionen Dollar an Short-Positionen aufgeben.
Parallel dazu brach die Wall Street ein. Der marktbreite S&P 500 und der Dow Jones verloren jeweils rund 3 Prozent. Der technologieorientierte Nasdaq Composite stürzte um 4,7 Prozent ab. Entsprechend nervös reagierten die Anleger: Der Volatilitätsindex VIX sprang um rund 60 Prozent nach oben.
Krypto-Aktien geraten unter die Räder
Auch die Aktien von Krypto-Unternehmen und Mining-Betreibern wurden von der Verkaufswelle erfasst. Die Papiere von Bitdeer und Keel Infrastructure büßten jeweils rund 20 Prozent an Wert ein. American Bitcoin verlor 17 Prozent, obwohl das Unternehmen zeitgleich einen Quartalsgewinn von 126 Millionen Dollar meldete.
Branchengrößen blieben von der Schwäche nicht verschont. Die Aktien der Handelsplattform Coinbase und des Softwarekonzerns Strategy gaben um jeweils etwa 10 Prozent nach. Im Segment der Spaßwährungen rutschte der Memecoin Official Trump auf ein neues Allzeittief, nachdem der Token binnen zwei Tagen um mehr als 20 Prozent einbrach.
Die Grenzen der Wahleuphorie
Die Hoffnung auf ein nachhaltiges Kurswachstum nach den US-Wahlen erwies sich als verfrüht. Zwar sorgte der Wahlausgang kurzfristig für Zuversicht, an den makroökonomischen Realitäten änderte er jedoch wenig. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und eine hartnäckige Inflation belasten das Marktumfeld weiter.
Zudem trüben sich die Aussichten auf schnelle regulatorische Fortschritte ein. Experten wie Paul Howard vom Market Maker Wincent erwarten, dass die gestärkte Position der Demokraten im Kongress die Verabschiedung neuer Gesetze wie des Clarity Act verzögern könnte. Das bestehende Regelwerk dürfte damit bis zur nächsten Wahl weitgehend unverändert bleiben. Ryan Kirkley, Chef des Global Settlement Network, sieht darin jedoch keine Gefahr für das langfristige Interesse institutioneller Investoren. Im Fokus der Anleger stünden primär Liquidität, Zinsen und das allgemeine Wirtschaftswachstum.
Der jüngste Einbruch führt den Markt zurück auf den Boden der Tatsachen. Das Zusammenspiel aus makroökonomischem Gegenwind und einer extrem fremdfinanzierten Marktstruktur hat den Bitcoin wieder unter Druck gesetzt. Nach Einschätzung des Handelsunternehmens Wintermute rücken nun die Unterstützungsmarken bei 73.000 Dollar und 68.000 Dollar in den Blick. Für eine tragfähige Trendwende nach oben muss Bitcoin die Marke von 80.000 Dollar nachhaltig zurückerobern.
Das Zusammenspiel aus makroökonomischem Gegenwind und einer extrem fremdfinanzierten Marktstruktur hat den Bitcoin wieder unter Druck gesetzt. Nun rücken die Unterstützungsmarken bei 73.000 Dollar und 68.000 Dollar in den Blick. Für eine tragfähige Trendwende nach oben muss Bitcoin die Marke von 80.000 Dollar nachhaltig zurückerobern.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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