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So lief der Binance‑Hack wirklich ab

So lief der Binance‑Hack wirklich ab
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Philipp Schleu Heute, 20:42 ‧ Philipp Schleu
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Es ist der größte Diebstahl in der Geschichte der Krypto-Branche. Unbekannte haben bei der weltgrößten Krypto-Börse Binance digitale Vermögenswerte im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar erbeutet. Während die Blockchain-Netzwerke selbst fehlerfrei liefen, versagten die internen Kontrollen der Handelsplattform. Doch wie genau lief der Vorfall ab?

Nach ersten Ermittlungen von Binance begann der Angriff auf operativer Ebene. Ein kompromittierter Laptop eines DevOps-Ingenieurs verschaffte den Tätern unbefugten Zugriff auf einen internen Service-Container. Private Schlüssel wurden nach derzeitigem Stand jedoch nicht gestohlen. Die Angreifer übernahmen stattdessen direkt die Mechanismen, mit denen Transaktionen freigegeben werden.

Der Grund: Mit diesem Zugang ließ sich das System zur Signierung von Auszahlungen austricksen. Sie verwandelten eine Wallet von Binance in ein Sammelbecken, das sie selbst kontrollierten. Die technische Umsetzung vor Ort war simpel. Der Schadcode umfasste gerade einmal rund 130 Zeilen. Entscheidend war allein der Zugriff auf die übergeordnete Infrastruktur, die diesen Code autorisierte. Über 50 vorab signierte Berechtigungen und koordinierte Transfers über neun weitere Blockchains hinweg zeigen, wie tief die Täter in das Netzwerk eingedrungen waren. Allein aus einer Ethereum-Wallet flossen 174 Millionen Dollar direkt an die Angreifer.

Spurensuche führt nach Nordkorea

Sicherheitsfirmen wie Chainalysis, Elliptic und TRM Labs sehen deutliche Muster staatlicher Hacker aus Nordkorea. Die Vorbereitung begann mindestens 36 Stunden vor dem eigentlichen Zugriff. Getestet wurde die Methode zunächst auf drei kleineren Wallets. Auch Parallelen zu früheren Angriffen sind unverkennbar: TRM Labs zieht direkte Verbindungen zum Hack der Börse Bybit, bei dem vor einiger Zeit 1,5 Milliarden Dollar verschwanden. Auch Überschneidungen zu einem jüngsten Vorfall bei Bitget wurden registriert.

Nach dem Coup begann die hektische Geldwäsche. Um einem Einfrieren von Werten durch die Emittenten zu entgehen, tauschten die Angreifer innerhalb von 20 Minuten Stablecoins im Wert von 325 Millionen Dollar in 285 Millionen Dollar Ether um. Dabei nahmen sie bewusste Verluste von bis zu 26 Prozent gegenüber dem Marktwert in Kauf. Über das DeFi-Protokoll Aave hinterlegten sie zudem 59,9 Millionen Dollar in USDT als Sicherheit, um 19.762 Ether zu leihen.

Binance garantiert Kundengelder

Entsprechend alarmiert reagieren die Kunden, doch Binance schaltet auf Krisenmanagement. Rund 5 Milliarden Dollar des Schadens entfallen auf direkt betroffene Bestände. Weitere 1,3 Milliarden Dollar beschafft das Unternehmen derzeit über den Markt und außerbörsliche Kanäle, um die Verluste vollständig aus eigener Tasche abzudecken.

Binance-Chef Richard Teng kündigte an, die Auszahlungen für Kunden innerhalb von 40 Stunden wieder freizugeben. Ein neuer Bericht zu den Reserven soll zeitnah folgen. Auch an den Finanzmärkten bleibt die Panik bislang aus. Analysten der US-Investmentbank TD Cowen betonen, dass der Einbruch kein Versagen von Krypto-Netzwerken wie Bitcoin darstellt. Es handele sich vielmehr um das operative Risiko eines zentralen Finanzdienstleisters. Niemand höre auf, Dollar zu nutzen, nur weil eine Bankfiliale überfallen werde.

Der Milliarden-Hack bei Binance belegt schmerzhaft, wo die eigentliche Achillesferse des Krypto-Sektors liegt. Die Blockchain-Technologie selbst blieb unangetastet, doch die traditionelle IT-Infrastruktur rund um Mitarbeiter und Schnittstellen bot ein verheerendes Einfallstor. Für Binance bedeutet der Vorfall neben dem finanziellen Kraftakt vor allem einen schweren Vertrauensverlust. Für die gesamte Branche ist er eine Mahnung.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.

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