Hacker haben bei einem Angriff auf die weltgrößte Kryptobörse Binance Coins im Milliardenwert erbeutet. Das Unternehmen bemüht sich, den Schaden einzudämmen und betroffene Nutzer zu entschädigen. Dennoch: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und darauf reagiert Binance-Gründer Changpeng „CZ“ Zhao äußerst dünnhäutig.
Für Binance ist es die schwerste Krise seit Jahren. Nach dem Angriff vom Donnerstagabend beziffert die Börse den Wert der betroffenen Assets auf rund 6,3 Milliarden Dollar. Etwa drei Milliarden Dollar davon sind eingefroren, Auszahlungen bleiben vorerst ausgesetzt. Ausgerechnet jetzt reagierte Elon Musk auf X mit mehreren Emojis auf den Hack – etwa einem Lach-Emoji und einer Grimasse.
Ein Emoji zum FTX-Vergleich
Auslöser war ein Beitrag von Zhao. Ein X-Nutzer hatte vorgerechnet, dass der Verlust nach Abzug der eingefrorenen Stablecoins nur noch bei etwa einer Milliarde Dollar liege. Zhao antwortete, der Verlust könne etwas höher sein, Binance werde ihn aber decken. Nach Binance-Angaben liegt der nicht eingefrorene Teil der Beute allerdings bei rund 3,3 Milliarden Dollar.
Ein anderer Nutzer stellte Zhaos Zusage einen Beitrag von Sam Bankman-Fried aus dem November 2022 gegenüber. Darin hatte der damalige FTX-Chef versichert, seine Börse könne alle Kundenbestände decken. Wenige Tage später war FTX pleite. Musk kommentierte diesen Vergleich mit dem Grimassen-Emoji.
Binance verweist auf SpaceX-Anteile – eine Drohung?
Zhao antwortete ungewöhnlich scharf. „Elon, ich habe großen Respekt vor dir, aber das ist ein schlechter Zeitpunkt zum Trollen. Bitte hör auf“, schrieb er. Binance halte SpaceX-Anteile im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar. Sie stammen aus der Investition von 500 Millionen Dollar in Musks Twitter-Übernahme. Er würde sich über ein wenig Unterstützung freuen.
Noch deutlicher wurde Co-Chefin Yi He. Sie antwortete wiederum auf Zhaos Beitrag mit einem „Bericht an den Großaktionär“. Der Jahresumsatz von Binance reiche aus, um die Verluste zu decken. Deshalb müsse man die SpaceX-Aktien „noch nicht“ verkaufen.
@cz_binance @elonmusk @HuaweiMate6 Reporting to the major shareholder: Our company’s revenue for the year is sufficient to cover the losses, so we do not yet need to sell the SpaceX shares you are bullish on.💁♀️
— Yi He (@heyibinance) October 30, 2026
Formal richtet sich der Beitrag an Zhao, indirekt aber auch an Musk. Lesart: Ein Investor erinnert öffentlich an seinen Anteil und fügt in einem zweiten Schritt hinzu, ein Verkauf sei „noch nicht“ nötig. Das lässt sich durchaus als Hinweis auf ein Druckmittel, wenn nicht sogar als Drohung interpretieren.
Zhao widerspricht
Zhao selbst sieht das anders. Auf die Frage eines Nutzers reagiert er mit einem Tränenlach-Emoji und erklärte, er habe Musk lediglich verfügbare Mittel zeigen wollen, damit dieser sich weniger Sorgen mache. Einen Verkauf der SpaceX-Anteile habe er nicht angekündigt.
@heyibinance @elonmusk @HuaweiMate6 typo "didn't say anything about selling..."
— CZ 🔶 BNB (@cz_binance) October 30, 2026
Wirtschaftlich wäre das Druckpotenzial ohnehin gering. Gemessen an der aktuellen SpaceX-Bewertung von rund zwei Billionen Dollar fällt die Beteiligung des Kryptobörsenbetreibers kaum ins Gewicht. Daran erinnern auch einige andere X-Nutzer unter dem Kommentar von CZ. Musk selbst hat sich seither nicht noch einmal zu der Angelegenheit zu Wort gemeldet.
Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Zhao und Musk aneinandergeraten. Im November 2021 setzte Binance wegen eines Wallet-Fehlers die Auszahlungen von Dogecoin aus. Musk nannte das „zwielichtig“. Zhao verwies damals auf einen Rückruf von fast 12.000 Tesla-Fahrzeugen in den USA.
Diesmal ist der Kontext ein anderer. Ein Vergleich mit FTX trifft Binance an einer empfindlichen Stelle, solange die Börse nicht belegt hat, dass sie den Schaden tatsächlich decken kann. Dass Zhao und Yi He so öffentlich reagieren, zeigt, wie empfindlich Binance derzeit auf Zweifel an der eigenen Zahlungsfähigkeit reagiert.
Allein der Gedanke an das Chaos nach der FTX-Pleite treibt vielen Krypto-Investoren den Angstschweiß auf die Stirn. Vor diesem Hintergrund hält sich der Bitcoin-Kurs mit einem Abschlag von rund fünf Prozent auf 24-Stunden-Sicht noch relativ solide. Dazu passt, dass es bislang keine konkreten Hinweise auf eine finanzielle Schieflage bei Binance aufgrund des Angriffs gibt. Anleger sollten die weitere Entwicklung aber genau verfolgen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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