Bitcoin hat seine anfänglichen Verluste nach den US-Zwischenwahlen wettgemacht. Nach einem Rutsch auf ein Sieben-Wochen-Tief notierte die älteste Kryptowährung zuletzt bei rund 77.900 Dollar und lag damit auf Tagessicht nahezu unverändert. Zuvor war der Kurs um bis zu 2,8 Prozent abgesackt.
Erste Hochrechnungen setzten digitale Vermögenswerte spürbar unter Druck. Die Demokraten sicherten sich die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat. Die Partei steht traditionell für eine härtere Regulierung des Krypto-Sektors. US-Präsident Donald Trump kündigte jedoch gegenüber der New York Times an, mit der Opposition zusammenzuarbeiten.
Entsprechend reagieren einige Marktbeobachter gelassener. Markus Thielen, Chef von 10x Research, sieht Bitcoin nun als überverkauft an und rechnet mit einer Erholung. Ein Signal für die Entspannung: US-Wähler hätten mit ihrem Votum auch gegen den seit Februar laufenden Krieg mit dem Iran gestimmt, was neue Hoffnung auf Friedensgespräche wecke.
Millionen-Spenden verpuffen vorerst
Für die Krypto-Branche ist das Wahlergebnis ein Dämpfer. Unternehmen aus dem Sektor hatten enorme Summen in den Wahlkampf gepumpt, um ein krypto-freundliches Umfeld zu sichern. Nach Angaben der Organisation Public Citizen flossen im aktuellen Zwischenwahlzyklus bis zum ersten Quartal 189 Millionen Dollar an politische Aktionskomitees. Das entsprach mehr als einem Drittel aller Unternehmensspenden.
Während die Branche auf schnelle Gesetzeserleichterungen hoffte, droht nun ein parlamentarisches Patt. Gesetzesinitiativen wie der Clarity Act dürften im Senat neu verhandelt werden müssen, anstatt zügig verabschiedet zu werden, analysiert Rachael Lucas vom Krypto-Broker BTC Markets. Die Märkte hätten diese Verzögerung jedoch bereits weitgehend eingepreist.
Hack und ETF-Abflüsse belasten
Auch abseits der Politik drückt die Stimmung. Der Krypto-Markt kämpft weiterhin mit den Folgen eines 6,3 Milliarden Dollar schweren Hacks der Krypto-Börse Binance aus der Vorwoche. Gegenüber dem Hoch vor dem Cyberangriff notiert Bitcoin rund 5 Prozent tiefer. Zudem zogen Anleger von Freitag bis Dienstag knapp 1,2 Milliarden Dollar aus US-basierten Spot-ETFs ab.
Der erste Schock über die Wahlergebnisse in den USA ist verdaut, doch die Luft für Bitcoin wird dünner. Mit dem Durchmarsch der Demokraten im Kongress schwindet die Hoffnung auf schnelle Deregulierung unter Trump. Investierte Anleger bleiben vorerst weiterhin an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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