Das Jahr 2025 sollte das Jahr der "XRP Army" werden. Und auf dem Papier war es das auch: Der jahrelange Rechtsstreit mit der SEC wurde beigelegt, US-Spot-ETFs gingen an den Start und Ripple schloss hochkarätige Partnerschaften. Die Wunschliste der Community wurde Punkt für Punkt abgehakt. Doch das Wichtigste fehlt: Die ersehnte Kursexplosion auf 5 Dollar blieb aus. Wie sieht es 2026 aus?
Die Diskrepanz zwischen fundamentalen Meilensteinen und der Preisentwicklung ist eklatant. Zwar kletterte XRP am 18. Juli – beflügelt durch den SEC-Vergleich im Mai – auf ein Sieben-Jahres-Hoch von 3,66 Dollar. Doch die Euphorie verpuffte so schnell, wie sie gekommen war.
Bereits im Oktober kollabierte der Kurs um 50 Prozent auf ein Tief von 1,58 Dollar. Auch politische Rückenwinde verfehlten ihre Wirkung. Die im März erfolgte Aufnahme auf die Kandidatenliste für die US-"Digital Asset Reserve" sorgte zwar kurzfristig für ein Plus von 30 Prozent. Der Dämpfer folgte jedoch prompt: Die Executive Order beschränkte sich auf beschlagnahmte Assets, frisches Kapital floss nicht. Der Effekt blieb rein symbolischer Natur.
Institutionelle Zuflüsse vs. Nutzerschwund
Ein Blick auf die Daten zeigt ein gespaltenes Bild. Auf der einen Seite steht das institutionelle Interesse: Die im November gestarteten XRP-Spot-ETFs verzeichneten 24 Tage in Folge Nettozuflüsse und sammelten kumuliert 1,06 Milliarden Dollar ein. Das verwaltete Vermögen (AUM) stieg auf 1,14 Milliarden Dollar.
Während die Wall Street kauft, flüchtet jedoch die Basis. Die On-Chain-Daten sprechen eine deutliche Sprache der Warnung. Die Zahl der täglich aktiven Adressen im XRP-Ledger ist implodiert. Wurden im März noch über 600.000 aktive Nutzer gezählt, waren es am 18. Dezember nur noch magere 38.500 – ein Einbruch von 94 Prozent. Ohne Netzwerkaktivität fehlt dem Kurs das organische Fundament.
Charttechnik: Warnsignale dominieren
Auch charttechnisch sieht es nicht gerade rosig aus. XRP hat die psychologisch wichtige Marke von zwei Dollar sowie den 50-Wochen-Durchschnitt bei 1,87 Dollar nach unten durchbrochen – ein klassisches Verkaufssignal.
Fällt der Kurs unter den Bereich von 1,80 bis 1,85 Dollar (100-Wochen-Durchschnitt), droht eine Kaskade von Liquidationen, die den Token schnell in Richtung 1,61 Dollar drücken könnte. Als letzte Bastion der Bullen gilt der 200-Tage-EMA bei 1,38 Dollar.
Marktbeobachter sind uneins. Während Optimisten wie Analyst Chad Steingraber angesichts der ETF-Zuflüsse weiterhin Kursziele von "2 bis 10 Dollar" für 2026 ausrufen, mahnt Altmeister Peter Brandt zur Vorsicht. Er identifiziert ein potenzielles "Double Top"-Muster, das XRP in den kommenden Monaten sogar unter die 1-Dollar-Marke drücken könnte.
Ripple geht schwer angeschlagen ins neue Jahr. Dass der Token trotz regulatorischer Klarheit und ETF-Vehikeln derart schwächelt, offenbart eine tieferliegende Marktschwäche. Solange die Nutzerzahlen nicht drehen, bleibt das 5-Dollar-Ziel reine Fantasie.
02.01.2026, 09:10