Endlich wieder Sichtweite. Nach Jahren des Blindflugs an den Märkten kehrt die Klarheit zurück – zumindest wenn es nach dem Vermögensverwalter VanEck geht. Die zentrale These des am Dienstag veröffentlichten Ausblicks: Das erste Quartal 2026 wird ein klassisches „Risk-on“-Umfeld. Anleger dürften bei Risiko-Assets wieder mutiger zugreifen. Doch es gibt einen prominenten Ausreißer.
Der Grund für den Optimismus liegt in Washington. VanEck attestiert eine „graduelle Verbesserung“ der US-Haushaltslage. Zwar bleiben die Defizite absolut betrachtet auf hohem Niveau, doch gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfen sie deutlich von den historischen Höchstständen der Corona-Ära.
Entsprechend positiv ist das Umfeld für KI-Titel und Tech-Aktien, die von planbaren Rahmenbedingungen profitieren. Während Anleger in den Vorjahren oft auf Sicht fuhren, bietet 2026 laut VanEck nun die lange vermisste „Visibility“.
Bitcoin: Der Zyklus ist gebrochen
Doch ausgerechnet das digitale Gold tanzt aus der Reihe. Während Aktienmärkte und Edelmetalle haussieren, hat sich Bitcoin zuletzt abgekoppelt – eine Spätfolge des massiven „Deleveraging-Events“ im Oktober 2025.
VanEcks Urteil ist nüchtern: Der typische Vier-Jahres-Zyklus wurde 2025 durchbrochen. Das verkompliziert die kurzfristigen Signale massiv. Für die kommenden drei bis sechs Monate mahnt der Vermögensverwalter daher zur Vorsicht. Die Korrelation zu anderen Risiko-Assets ist temporär ausgesetzt.
Bullen wittert Morgenluft
Ganz so düster sehen es nicht alle Marktbeobachter. Justin d’Anethan von Arctic Digital interpretiert die jüngste Preisschwäche konstruktiv: „Der Schaum des letzten Jahres ist rausgewaschen.“ Mit weniger Hebel im System seien die Bullen nun realistischer und die „apokalyptischen Prophezeiungen“ der Bären entkräftet. Viele Indikatoren signalisieren mittlerweile einen überverkauften Zustand.
Auch Tim Sun, Senior Researcher der HashKey Group, blickt auf die Makro-Ebene. Mit den anstehenden US-Midterm-Wahlen erwartet er fiskalische Stimuli. Sein Fazit: Das erste Halbjahr 2026 bildet ein „klassisches makroökonomisches Fenster“ für Risikoanlagen, von dem auch der Kryptosektor profitieren wird, sobald er seinen Rückstand aufholt.
Kampf um die 100.000 Dollar
Charttechnisch spitzt sich die Lage indes zu. Analyst Michaël van de Poppe zeigt sich überzeugt, dass Bitcoin noch vor Ende Januar in den sechsstelligen Bereich zurückkehrt. Die Käufer hätten bei Rücksetzern konsequent akkumuliert.
Aktuell notiert Bitcoin bei rund 92.500 Dollar. Gelingt der nachhaltige Ausbruch über die Marke von 94.000 Dollar, wäre der Weg zur psychologisch wichtigen 100.000-Dollar-Grenze geebnet.
VanEck liefert das fundamentale „Go“ für Aktien, bleibt bei Krypto aber kurzfristig skeptisch. Anleger sollten daher weiterhin den nachhaltigen Ausbruch über die 94.000-Dollar-Marke abwarten.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 11:00