Eigentlich galt Ray Dalio zuletzt als vorsichtiger Krypto-Optimist. Noch im Sommer empfahl der Gründer des Weltmarktführers Bridgewater Associates eine Mischung aus Gold und Bitcoin als Schutz gegen den Verfall des US-Finanzsystems. Doch nun folgt die scharfe Korrektur: Inmitten einer massiven geopolitischen Krise bricht Dalio plötzlich mit dem digitalen Gold. Für ihn gibt es ab sofort nur noch das Original.
In einem aktuellen Auftritt im „All-In Podcast“ wählte Dalio deutliche Worte. Anleger sollten aufhören, Bitcoin mit Gold zu vergleichen. Der Grund: Dem Krypto-Asset fehle die Unterstützung der Notenbanken, es biete keine echte Privatsphäre und sei langfristig durch Quantencomputer bedroht. Dalio bezweifelt, dass Zentralbanken jemals einen Vermögenswert halten werden, dessen Transaktionen auf einem öffentlichen Register für jeden einsehbar sind.
Die Marktrealität am Tag seiner Aussagen konterkarierte jedoch seine These. Während Dalio Bitcoin die Eignung als Krisenschutz absprach, verlor Gold rund vier Prozent auf unter 5.000 Dollar. Bitcoin hingegen zeigte sich robust und sank lediglich um 0,7 Prozent auf 68.700 Dollar. Ausgerechnet in einer Woche, die vom US-Iran-Konflikt geprägt war, geriet Dalios Favorit stärker unter Druck als die kritisierte Kryptowährung.
Getrennte Wege
Die aktuelle Entwicklung zeigt eine deutliche Entkoppelung der beiden Anlageklassen. Lange Zeit bewegten sich Gold und Bitcoin im Gleichschritt. Damit war im Oktober Schluss, als ein Krypto-Crash gehebelte Positionen im Wert von 20 Milliarden Dollar ausradierte. Seit diesem Zeitpunkt gehen die Scheren auseinander: Bitcoin hat gegenüber seinem Oktober-Hoch rund 45 Prozent verloren. Gold hingegen kletterte im selben Zeitraum um 30 Prozent nach oben.
Auch in der laufenden Krisenwoche agierten beide Assets nervös. Gold schoss nach den ersten Angriffen am Wochenende zunächst hoch, gab die Gewinne aber wieder ab, als die Sorge vor Ölpreis-Schocks dominierte. Bitcoin reagierte ebenfalls volatil, stabilisierte sich nach dem Tod des iranischen Führers Chamenei jedoch schneller. Bitcoin war in diesem Zeitfenster weniger volatil als Gold – ein Szenario, das Dalios Analyse so nicht vorsah.
Zwischen Vorsicht und Warnung
Trotz seiner aktuellen Kritik ist Dalio kein Totalverweigerer. Er hält weiterhin rund ein Prozent seines privaten Portfolios in Bitcoin, um sein Risiko zu streuen. Noch im Juli bezeichnete er eine 15-prozentige Gewichtung in Gold oder Bitcoin als das beste Verhältnis von Rendite zu Risiko. Hintergrund ist seine fundamentale Warnung vor einem Zusammenbruch der US-geführten Weltordnung. Investoren müssten ihr Vermögen schützen, da das alte System „zerbrochen“ sei.
Ray Dalios plötzlicher Schwenk weg von Bitcoin wirkt angesichts der Kursdaten dieser Woche unglücklich gewählt. Dass Bitcoin in letzter Zeit aber eher wie ein stark volatiler Tech-Wert statt als Gold-Alternative gehandelt wurde, dürfte inzwischen jedem klar sein. Ein Neueinstieg drängt sich derzeit nicht auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 10:45