Rund 50 Milliarden Dollar sind seit Jahresbeginn in digitale Vermögenswerte geflossen. Die US-Großbank JPMorgan sieht darin den Beleg für eine spürbare Belebung des Marktes. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet entspricht das Zuflüssen von etwa 66 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr als die 52 Milliarden Dollar, die die Bank noch im Mai hochrechnete. An das Rekordtempo des Vorjahres reicht der Wert allerdings nicht heran: Er liegt aktuell bei etwa der Hälfte.
Das Team um JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou stützt seine Zahlen auf eine breite Datenbasis. Neben Krypto-Fonds und CME-Futures fließen Risikokapital, Bestände von börsennotierten Minern sowie Zukäufe von Unternehmen und staatlichen Akteuren in die Rechnung ein.
ETFs und Terminkontrakte drehen ins Plus
Im ersten Halbjahr stützten vor allem zwei Faktoren den Markt: aggressive Bitcoin-Zukäufe durch Unternehmen wie Strategy und frisches Risikokapital. Krypto-ETFs wirkten dagegen als Bremsklotz. Im Mai und Juni dominierten deutliche Mittelabflüsse. Seit August dreht sich das Bild. Die ETF-Zuflüsse liegen für das Gesamtjahr wieder im Plus.
Parallel dazu kehren die Profis an die Terminbörsen zurück. An der Chicago Mercantile Exchange (CME) bauten institutionelle Anleger ihre Positionen in Bitcoin- und Ether-Futures in den vergangenen zwei Monaten kräftig aus. Die Bitcoin-Positionierung kletterte sogar über ihren alten Höchststand. Der Grund: Trendfolgende Händler und CTA-Fonds setzen wieder vermehrt auf steigende Notierungen. Der Hebel an den unregulierten Offshore-Börsen ist zwar nach früheren Korrekturen gesunken, liegt aber weiter über dem historischen Schnitt.
Miner verkaufen für Künstliche Intelligenz
Während Großanleger zugreifen, trennen sich die Miner von Beständen. Rund 1,8 Milliarden Dollar warfen Krypto-Schürfer in diesem Jahr netto auf den Markt. Vor allem börsennotierte Betreiber verkaufen frisch geschürfte Bestände oder bauen Reserven ab. Sie nutzen die Erlöse für den teuren Einstieg in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz.
Auch die Finanzierung der Unternehmenskäufe verändert sich. Große börsennotierte Konzerne finanzieren ihre Bitcoin-Käufe seltener über reine Schulden und setzen vermehrt auf Vorzugsaktien. Private Firmen agieren hier zurückhaltender, da ihnen die Kursschwankungen zu hoch und die Finanzierungswege zu unflexibel sind. Gleichzeitig fließt Risikokapital selektiver: Statt in viele kleine Projekte investieren Wagniskapitalgeber in weniger, dafür größere Runden mit Fokus auf B2B-Tokenisierung und Cashflow.
Das Kapitalprofil im Kryptosektor hat sich im dritten Quartal entscheidend gedreht. Während zu Jahresbeginn fast ausschließlich Firmenbilanzen und Wagniskapital den Markt trugen, greifen nun Privatanleger und Institutionelle über ETFs und Terminkontrakte wieder beherzt zu. Hält dieser Takt an, startet der Krypto-Markt mit solidem Rückenwind in das vierte Quartal.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 10:03
Bei Google bevorzugen