SpaceX greift die etablierten Mobilfunkanbieter an. Mit dem Kauf eines landesweiten Frequenzpakets will Elon Musk seinen Satellitendienst Starlink Mobile in den USA ausbauen und unabhängiger von den bisherigen Netzbetreibern werden. Die Aktien von AT&T, Verizon und T-Mobile gerieten nach der Ankündigung unter Druck. Auch für die Deutsche Telekom ist die Entwicklung relevant.
SpaceX hat eine Vereinbarung zur Übernahme eines Frequenzportfolios von Grain Management geschlossen. Das Paket umfasst bis zu 14 Megahertz gepaarter Frequenzen im 800-Megahertz-Band. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die US-Telekommunikationsaufsicht FCC.
Die Frequenzen könnten eine entscheidende Lücke in der technischen Infrastruktur von Starlink Mobile schließen. Bislang setzt der Dienst vor allem auf die Verbindung zwischen Satelliten und kompatiblen Smartphones. Mit zusätzlichen Frequenzen und einem künftig ergänzten Netz aus terrestrischen Sendemasten könnte SpaceX seine Mobilfunkversorgung ausbauen. Allerdings reicht das erworbene Spektrum allein nicht aus, um etablierte Mobilfunknetze vollständig zu ersetzen. Branchenexperten verweisen insbesondere auf die Herausforderungen bei der Versorgung von Gebäuden in dicht besiedelten Städten.
SpaceX verschärft den Wettbewerb
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Erst vergangene Woche hatten AT&T, Verizon und T-Mobile ein Gemeinschaftsunternehmen angekündigt, das die Versorgung in bislang schlecht erschlossenen Gebieten mithilfe von Satelliten und Direktverbindungen zu Smartphones verbessern soll. SpaceX war daran nicht beteiligt. T-Mobile hatte zudem zuvor Starlink aus Teilen seiner Werbung für den Satellitendienst T-Satellite entfernt.
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass SpaceX zunehmend eigene Wege verfolgt, statt sich auf Kooperationen mit klassischen Mobilfunkanbietern zu verlassen. Für die Branche könnte das langfristig erhebliche Folgen haben. Denn Satellitenverbindungen können Versorgungslücken schließen, während zusätzliche Frequenzen und Sendemasten den Einsatzbereich erweitern.
Starlink ist bereits ein wichtiger Ertragsbringer für SpaceX. Im zweiten Quartal erzielte der Dienst einen Umsatz von 4,29 Milliarden Dollar und ein operatives Ergebnis von 1,66 Milliarden Dollar. Ende Juni zählte Starlink laut Unternehmensangaben zwölf Millionen Kunden. Deutsche-Bank-Analysten schätzten die weltweite Nutzerzahl Ende September bereits auf 13,5 Millionen, davon 4,1 Millionen in den USA.
Was bedeutet das für die Deutsche Telekom?
Für die Deutsche Telekom ist der Vorstoß vor allem mit Blick auf den US-Markt relevant. Über T-Mobile US ist der Bonner Konzern dort stark vertreten. Sollte SpaceX sein Satellitenangebot zu einem eigenständigen Mobilfunkdienst ausbauen, könnte der Konzern künftig nicht mehr nur Partner, sondern zunehmend Wettbewerber gegenüberstehen.
Noch ist es allerdings zu früh, um die Auswirkungen auf das Geschäft der Telekom zu beziffern. Der Frequenzdeal muss zunächst genehmigt werden. Zudem hat SpaceX noch keinen konkreten Starttermin für die erweiterten Dienste genannt. Auch die begrenzte Bandbreite und der notwendige Aufbau einer ergänzenden Infrastruktur setzen dem Vorhaben Grenzen.
An der Börse reagierten die US-Mobilfunkwerte dennoch empfindlich. Die Aktien von AT&T, Verizon und T-Mobile gaben im nachbörslichen Handel nach. SpaceX legte nach Verlusten während des Handelstages dagegen rund 2,5 Prozent zu. DER AKTIONÄR rät bei SpaceX und der Deutschen Telekom weiter zum Kauf. Die SpaceX-Aktie ist zudem Teil des AKTIONÄR-Depots.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: AT&T, Deutsche Telekom, SpaceX.
SpaceX-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
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