Es hätte das große Jahr des Bitcoin werden sollen. Stattdessen hat die älteste Kryptowährung seit Oktober die Hälfte ihres Wertes verloren. Das ungewöhnliche dabei: Diesmal gibt es keinen spektakulären Knall – sondern ein schleichendes Ausbluten. Was steckt dahinter?
Rückblick Oktober 2025: Der Bitcoin markiert bei über 126.000 Dollar ein neues Allzeithoch. Die Stimmung ist euphorisch, in Washington wird an einer Gesetzgebung gebastelt, die Kryptowährungen endlich auf ein solides rechtliches Fundament stellen soll. Alles schien angerichtet für die nächste Rally.
Neun Monate später sieht die Welt anders aus. Der Bitcoin notiert nur noch bei rund 63.000 Dollar – ein Minus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Hoch. Damit ist die Kryptoleitwährung auf ein Niveau zurückgefallen, das zuletzt im September 2024 zu sehen war. Der Fear-&-Greed-Index steht bei 31 – tief im Bereich „Angst“.
Kein Skandal, kein Crash
Frühere „Kryptowinter“ waren brutaler. Nach dem Terra/Luna-Kollaps und der FTX-Pleite 2022 stürzte der Bitcoin um bis zu 80 Prozent ab. Doch diese Abstürze hatten eines gemeinsam: einen konkreten Auslöser, einen Schuldigen, einen Knall.
Diesmal ist es anders – und für überzeugte Bitcoin-Anhänger ausgerechnet deshalb besonders schmerzhaft. Es gab keine Betrugsskandale, keine Zwangsliquidationen, kein spektakuläres Beben. Der aktuelle Absturz wird nicht von einem einzelnen Ereignis getrieben, sondern von etwas viel Gefährlicherem: von einem stetigen Verlust des Anlegerinteresses.
ETF-Abflüsse: Der Motor läuft rückwärts
Der wohl wichtigste Belastungsfaktor: Nach den Rekordzuflüssen Ende 2024 und Anfang 2025 haben sich die Bitcoin-ETFs in Dauer-Abfluss-Modus verwandelt. Institutionelle Nachfrage ist verdampft, die Emittenten müssen zur Bedienung der Rückgaben mechanisch Bitcoin verkaufen. Ein Angebotsüberhang von 4,4 Milliarden Dollar hat sich aufgebaut – Verkaufsdruck, der auf den Kurs drückt, Tag für Tag.
Auch die Aktien der großen Krypto-Wetten leiden: Strategy (ehemals MicroStrategy) hat 2026 mehr als 20 Prozent verloren, die Coinbase-Aktie rund ein Drittel. Während der S&P 500 im gleichen Zeitraum um rund acht Prozent zulegte, gehört der Bitcoin – wäre er eine Aktie – zu den schwächsten Werten des Jahres.
Bricht der Vier-Jahres-Zyklus?
Die spannende Frage: Ist das nur der übliche Rhythmus – oder ändern sich gerade die Spielregeln? Historisch bewegte sich der Bitcoin in Vier-Jahres-Zyklen rund um das sogenannte Halving. Nach dem Halving im April 2024 kam pünktlich das Hoch – und nun eben die Korrektur. Sollte sich die Historie wiederholen, könnte der Boden erst Ende 2026 oder Anfang 2027 gefunden werden, mit Kurszielen im Bereich von 50.000 bis 55.000 Dollar.
Doch es gibt Gegenstimmen. Die Analysten von Bernstein argumentieren, dass der alte Vier-Jahres-Zyklus ausgedient hat – schließlich treiben inzwischen Institutionen und nicht mehr Kleinanleger den Markt. Ihr Szenario: ein längerer, institutionell getriebener Bullenmarkt mit einem möglichen Zyklushoch nahe 200.000 Dollar im Jahr 2027. Und auch Star-Investorin Cathie Wood von Ark Invest glaubt, der Bitcoin habe seinen Boden bereits gefunden.
Der aktuelle Rücksetzer ist unbequem – aber er ist Teil des Spiels. Wer Bitcoin hält, muss Nervenstärke mitbringen; Schwankungen von 50 Prozent und mehr sind in dieser Anlageklasse keine Ausnahme, sondern die Regel. Entscheidend ist die Perspektive: Aktuell belasten ETF-Abflüsse und mangelndes Momentum, weshalb ein Einstieg aus kurzfristiger Sicht derzeit nicht sinnvoll ist. Langfristig bleibt der AKTIONÄR allerdings weiterhin bullish für den Bitcoin.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
19.07.2026, 08:00
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