Der Kryptomarkt stabilisiert sich am Freitagmorgen. Zuvor hatten Warnsignale einer Großbank die Kurse währen dem US-Handel unter Druck gesetzt. Zeitweise markierte er mit 65.079 Dollar den tiefsten Stand der Woche. Auch die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum erholte sich leicht auf 1.950 Dollar, nachdem sie im US-Handel auf 1.896 Dollar abgerutscht war.
Hinter der jüngsten Schwächephase steckt ein Bericht von Standard Chartered. Die Experten der Bank zeichnen ein vorsichtiges Bild für die kommenden Monate. Geoffrey Kendrick, Leiter der Digital-Asset-Forschung, erwartet eine weitere „Kapitulation der Preise“. Der Grund: Die Abflüsse aus den Spot-ETFs nehmen zu, während das makroökonomische Umfeld schwieriger wird.
Besonders deutlich wird die Skepsis bei den Kurszielen. Standard Chartered senkte die Bitcoin-Prognose für das Jahresende 2026 von 150.000 Dollar auf 100.000 Dollar. Noch vor wenigen Monaten hatte die Bank mit 300.000 Dollar gerechnet. Kendrick warnt sogar davor, dass die Ur-Kryptowährung bis auf 50.000 Dollar durchgereicht werden könnte, bevor eine echte Stabilisierung eintritt.
Charttechnik und schwindendes Momentum
Seit dem Rekordhoch im Oktober bei über 126.000 Dollar hat der Bitcoin mehr als 45 Prozent an Wert verloren. Erholungsversuche verpufften zuletzt regelmäßig, was auf ein dünner werdendes Interesse spekulativer Anleger hindeutet. Der gesamte Kryptomarkt hat in diesem Zeitraum fast zwei Billionen Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt.
Technisch gesehen bleibt die Lage prekär. Laut Tony Sycamore, Analyst bei IG Australia, ist die Marke von 58.000 Dollar entscheidend. Dieser Bereich deckt sich mit dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Wochen. Solange Bitcoin darüber notiert, bestehe die Chance auf einen Lauf in Richtung 75.000 Dollar. Ein nachhaltiger Bruch dieser Unterstützung würde jedoch die Tür für einen Absturz in den Bereich von 40.000 Dollar weit öffnen.
Gleichlauf mit Tech-Aktien belastet
Zusätzlicher Druck kommt von den klassischen Aktienmärkten. Damien Loh, Investmentchef bei Ericsenz Capital, beobachtet eine enge Kopplung zwischen Kryptowährungen und dem Technologiesektor. Die Angst vor Verkäufen bei Tech-Werten belastet die Stimmung für digitale Assets massiv. Wenn Anleger bei spekulativen Aktien Kasse machen, trifft dies meist auch den Bitcoin als ersten Risiko-Indikator.
Der Bitcoin befindet sich in einer kritischen Phase. Die Marke von 58.000 Dollar markiert nun die letzte Verteidigungslinie für die noch übrig gebliebenen Bullen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 10:40