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Weniger wäre mehr!

Weniger wäre mehr!
Bernd Förtsch Heute, 08:25 Bernd Förtsch

Nein, die Rede ist nicht von Arbeit. Oder von Rente. Oder von Leistung. Die Rede ist von Staat. Von Steuern. Von Politikern und Beamten. Meine Gedanken zum jüngsten Auftritt unseres Bundeskanzlers.

Friedrich Merz steht vor dem Bankenverband und sagt: „Wir haben uns ausgeruht, wir sind ein bisschen zu bequem geworden.“ Der Grüne Winfried Kretschmann legt nach: Die Schweizer würden 200 Stunden im Jahr mehr arbeiten als die Deutschen. Und SPD-Chef Lars Klingbeil fordert dasselbe: mehr Leistung. CDU, Grüne, SPD — zum ersten Mal seit Jahren sind sich alle drei einig. Das Problem, so der Konsens, sei der Bürger. Was für eine Unverschämtheit!

Millionen Deutsche schuften Woche für Woche, zahlen Rekordsteuern und Rekord. Sozialabgaben, tanken zu absurden Preisen, fahren mit einer maroden Bahn und warten monatelang auf Arzttermine— nur um dafür immer weniger zurückzubekommen. Die Steuer- und Abgabenquote hat 2025 mit knapp 42 Prozent des BIP einen historischen Rekord erreicht, was deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder liegt. Rechnerisch arbeitete jeder Deutsche bis Mitte April ausschließlich für den Sozialstaat, der „Steuerzahlergedenktag“ ist gar erst Mitte Juli. Übrigens: Beim selben Auftritt erklärt derselbe Kanzler Merz, die gesetzliche Rente werde „allenfalls noch die Basisabsicherung“ sein. Die Botschaft könnte nicht zynischer sein: Zahl mehr, arbeite mehr — und erwarte weniger.

Doch die Fleißigen können nicht mehr. Sie sind am Limit — nicht weil sie zu bequem wären, sondern weil ein aufgeblähter Staat sie erdrückt. Allein die Bürokratiekosten für Unternehmen belaufen sich auf 62,5 Milliarden Euro pro Jahr, nur durch Berichtspflichten. Das Ifo-Institut bezifferte den gesamten Wertschöpfungsverlust durch Bürokratie auf 146 Milliarden Euro jährlich. In der Bundesverwaltung sind für 2026 304.784 besetzte Stellen geplant — Tendenz steigend, trotz aller Abbau-Versprechen. Gleichzeitig wird am Kanzleramt ein Erweiterungsbau für 777 Millionen Euro hochgezogen – für den übrigens knapp 200 Bäume gefällt werden. Und während der Bürger den Gürtel enger schnallen soll, wollten sich politische Spitzenverdiener neulich eine rekordverdächtige Gehaltserhöhung genehmigen. So viel zum Sparwillen, den CDU und SPD allen anderen predigen.

Dabei sind es nicht die Fleißigen, die mehr ran müssten — es sind die anderen. Die Ausgeruhten. Die Totalverweigerer. Diejenigen, die Bürgergeld beziehen, obwohl sie arbeiten könnten. Diejenigen, die vom System leben und nebenbei an der Steuer vorbei verdienen. Alle, die vom Staat leben, ohne je einen Cent ins System gegeben zu haben.

Die Zahlen sind erschütternd: Allein das Bürgergeld kostete den Steuerzahler 2025 rund 46,6 Milliarden Euro. 5,2 Millionen Menschen empfangen es, davon sind 3,9 Millionen erwerbsfähig. Fast jeder zweite Euro ging an Empfänger ohne deutschen Pass. Jeder Einzelne bekommt 563 Euro Regelsatz plus Miete und Heizung, steuer- und abgabenfrei. Und parallel dazu boomt die Schattenwirtschaft mit 538 Milliarden Euro. Das sind 11,5 Prozent des gesamten BIP. Natürlich gibt es echte Bedürftige — Kranke, Alte, Menschen in tatsächlicher Not. Die verdienen jede Unterstützung. Aber man muss sie endlich konsequent trennen von denen, die das System schamlos ausnutzen. Genau dafür gibt es eine Bundesagentur für Arbeit mit über 100.000 Mitarbeitern, von denen allerdings gerade einmal 24.500 tatsächlich in der Arbeitsvermittlung tätig sind. Die größte Behörde des Landes verwaltet sich in erster Linie selbst.

Die demografische Bombe tickt, die Geburtenraten sind im Keller und statt die Anreize für Leistung massiv zu stärken, wirft man den Fleißigen vor, sie seien „zu bequem“.

Die arbeitenden Deutschen — Mittelständler, Fachkräfte, Handwerker, Unternehmer — sind es, die dieses Land am Laufen halten. Sie bauen Betriebe auf, schaffen Arbeitsplätze und zahlen die Rechnung für Schulen, Straßen, Krankenhäuser und Renten. Als Dank bekommen sie immer höhere Abgaben, eine Rente, die nur noch „Basisabsicherung“ sein soll — und moralische Appelle von Politikern, die den Ernst der Lage offenbar nur bei anderen sehen. Es reicht.

Die Lösung heißt nicht „mehr arbeiten“. Die Lösung heißt: weniger Staat, mehr Freiheit, echte Entlastung. Einwanderung, die dem Land nützt statt es belastet. Verweigerer konsequent prüfen und sanktionieren — das Arbeitsamt hat die Leute dafür. Und vor allem: ein System, das endlich diejenigen belohnt, die den Laden am Laufen halten, nicht die, die ihn ausnutzen.

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