Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran hat den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt deutlich belastet. Steigende Öl- und Gaspreise sorgten bei DAX und Co für Verkaufsdruck – zusätzlich verschärft durch gemeldete Produktionsausfälle im wichtigen Förderland Katar.
Der DAX ist am Montag mit einem Minus von 2,6 Prozent auf 24.638,0 Punkte in die Handelswoche gestartet. Der Index rutschte damit wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Zählern. Am Freitag hatte der Leitindex noch in Schlagdistanz zu seinem Rekordhoch von Mitte Januar notiert. Der MDAX gab 2,2 Prozent auf 30.867,1 Punkte nach. Hier rückt die 30.000-Punkte-Marke bedrohlich näher. Der EuroStoxx 50 büßte 1,8 Prozent ein.
Am Wochenende haben Israel und die USA Ziele im Iran angegriffen. Dabei wurde unter anderem das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet. Laut einem hochrangigen iranischen Diplomaten trafen die Angriffe auch die bedeutende Atomanlage in Natans. Teheran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf Ziele in Israel sowie auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion.
Die Eskalation im Iran sorgte zum Wochenstart auch an den Finanzmärkten für eine erhöhte Nervosität. Geopolitische Krisen führten in der Vergangenheit zwar selten unmittelbar zu einem Crash, veränderten jedoch die Risikoeinschätzung und Anlegerpsychologie. Besonders sensibel stufen die Märkte mögliche Störungen der Straße von Hormus ein – einem zentralen Nadelöhr der globalen Energieversorgung.
Entsprechend stark legten die Ölpreise zu. Das setzte vor allem konjunktursensible Branchen unter Druck. Aktien aus der Reise- und Touristikbranche gerieten kräftig unter die Räder: Lufthansa verloren 8,2 Prozent, Tui sogar über zehn Prozent. Auch Chemiewerte wie BASF, Evonik, Wacker Chemie und Lanxess litten unter der Aussicht auf höhere Energiekosten.
Zu den größten Verlieren im DAX zählten neben den Autobauern die Bank-Aktien. Sie gelten traditionell als große Verlierer, sollte sich die Konjunktur infolge des Iran-Kriegs eintrüben. Die Deutsche Bank büßte zum Wochenstart 3,5 Prozent ein, die Commerzbank sogar 3,9 Prozent.
Zu den wenigen Gewinnern im DAX zählte hingegen die Deutsche Börse. Der Börsenplatzbetreiber gilt als einer der größten Gewinner einer erhöhten Nervosität an den Märkten. Diese führt schließlich in der Regel zu einer erhöhten Handelsaktivität. Am Ende ging die Aktie der Deutschen Börse mit einem Plus von 0,4 Prozent aus dem Montagshandel. Ansonsten schlossen im DAX nur RWE (+0,6 Prozent) und Fresenius Medical Care (+1,0 Prozent) im Plus.
Zu den größten Gewinnern insgesamt am deutschen Aktienmarkt zählte Hapag-Lloyd. Die Aktie stieg um 10,4 Prozent auf den höchsten Stand seit Mitte 2025. Marktteilnehmer setzen angesichts der Spannungen im Nahen Osten und möglicher Beeinträchtigungen des internationalen Schiffsverkehrs auf steigende Frachtraten.
Nur im frühen Handel gefragt waren die Rüstungswerte. Im MDAX zählten Hensoldt und Renk mit Gewinnen von bis zu fünf Prozent zunächst zu den stärksten Werten des Tages. Allerdings: Im Handelsverlauf dreht sich das Bild und der Großteil der Gewinne schmolz wieder dahin. Teilweise drehten die Rüstungspapiere sogar ins Minus. Das galt auch für Rheinmetall im DAX. Der Rüstungskonzern ging letztlich mit einem Minus von 2,0 Prozent aus dem Handel.
Heute, 17:45