Dank KI wächst der Markt für Cybersecurity rasant. 2027 dürften Unternehmen laut Gartner rund 70 Prozent mehr für den Schutz ihrer KI ausgeben als in diesem Jahr. Das zusätzliche Geld verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig über die ganze Branche. Die Kunden haben genug von Einzellösungen und bündeln ihre Budgets zunehmend bei wenigen Plattformanbietern. Das macht den Kreis der strukturellen Gewinner kleiner. Wer bleibt nach der großen Auslese übrig?
Die Quartalsberichte von Okta und CrowdStrike haben gestern Abend dieselbe Geschichte erzählt: Künstliche Intelligenz vergrößert den Sicherheitsbedarf und beschert der Cybersecurity-Branche mehr Geschäft. Wer daraus einen Boom für alle Cybersecurity-Aktien ableitet, übersieht allerdings einen wichtigen Punkt.
Okta: Kerngeschäft erwacht – KI als nächster Hebel
KI-Agenten mögen selbstständig arbeiten, grenzenlos bewegen dürfen sie sich deshalb noch lange nicht. Sie brauchen digitale Ausweise, klare Zugriffsrechte und notfalls Hausverbot. Rund um die Absicherung solcher Agenten hat das Unternehmen mit seiner Plattform "Okta for AI Agents" nach Angaben von CEO Todd McKinnon im letzten Quartal "Dutzende Verträge, darunter mehrere Millionen-Deals" abgeschlossen. Mit diesem Geschäft verdient Okta allerdings noch kaum Geld. CFO Brett Tighe erwartet auch im Geschäftsjahr 2027 noch keinen wesentlichen Beitrag zu den Konzernzahlen.
Dass die Aktie nach Börsenschluss um rund 20 Prozent angesprungen ist, liegt vielmehr daran, dass das Kerngeschäft wieder deutlich besser läuft. Der kurzfristige Auftragsbestand wuchs um 14 Prozent auf 2,59 Milliarden Dollar. Okta selbst hatte für das Quartal maximal 2,52 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Gleichzeitig verbuchte der Konzern das stärkste Buchungsquartal seiner Geschichte außerhalb eines Schlussquartals, was ebenfalls dafür spricht, dass die Phase nachlassenden Wachstums passé ist.
Noch deutlicher war die Überraschung beim freien Cashflow. Dieser sprang um rund 40 Prozent auf 227 Millionen Dollar und lag damit 62 Millionen Dollar über dem oberen Ende der eigenen Prognose. Dazu hob Okta die Jahresziele auf breiter Front an. Mit anderen Worten: Das bestehende Geschäft stabilisiert sich und KI kommt als Zusatzfantasie obendrauf.
CrowdStrike: So kassiert der Konzern an beiden Fronten
Das Problem mit der KI: Die gleiche Technologie, die Unternehmen produktiver machen soll, vereinfacht auch Hackerangriffe. Schwachstellen sind schneller gefunden und Attacken richten sich automatisiert gegen weit mehr Ziele. Zugleich bringen Unternehmen immer mehr KI-Agenten in Umlauf, die Codes schreiben, Datenbanken durchforsten, Anwendungen bedienen und über Schnittstellen kommunizieren. CrowdStrike verdient am Wettrüsten auf beiden Seiten der Firewall: AI Detection and Response sichert den Einsatz von KI ab, Charlotte AI übernimmt die Abwehr von Angriffen. Der jährlich wiederkehrende Vertragswert von AI Detection and Response hat sich gegenüber dem Vorquartal nahezu verdreifacht. Wie viel Umsatz das junge Geschäft bereits erzielt, verrät CrowdStrike jedoch nicht. Auch für Charlotte AI veröffentlicht der Konzern keine konkreten Zahlen.
Für den KI-Kassensturz ist es also noch zu früh. Im Gesamtgeschäft zeigt sich derweil umso deutlicher, wie stark CrowdStrike derzeit zieht: Im abgelaufenen Quartal kamen netto 333 Millionen Dollar an jährlich wiederkehrendem Vertragswert hinzu. Der sogenannte Net New ARR lag damit 51 Prozent über dem Vorjahreswert und erreichte einen Rekord. Außerdem nutzt inzwischen jeder zweite Abokunde mindestens sechs Falcon-Module. Das Vertragsmodell Falcon Flex macht aus dem Budget der Kunden eine Art Guthaben, das sie nach Bedarf auf verschiedene Sicherheitslösungen verteilen können. CrowdStrike kann ihnen somit leicht immer mehr davon verkaufen. Die Aktie gewann auf die starken Zahlen hin über Nacht rund zehn Prozent.
Markt für KI-Sicherheit: 2028 dreimal so groß wie heute
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27.08.2026, 17:15
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