Anfang kommenden Monats ist es soweit: Die UniCredit wird ein freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank vorlegen. Damit dürfte der letzte Akt des Übernahmekrimis aber noch nicht erreicht sein. Die Fronten sind nach wie vor verhärtet, was auch jüngste Aussagen von Commerzbank-CEO Bettina Orlopp nahelegen.
Anfang Mai will UniCredit-CEO Andrea Orcel über eine außerordentliche Kapitalerhöhung neue Aktien ausgeben, die dann im Tausch gegen Papiere der Commerzbank-Aktionäre eingesetzt werden sollen. Damit planen die Italiener, durch eine freiwillige Offerte die Hürde von 30 Prozent zu einem für sie günstigeren Preis zu überspringen, als es mit einem Pflichtangebot möglich wäre.
Zudem hofft man, den nötigen Druck auf die Frankfurter auszuüben, damit sich der Vorstand endlich in die gewünschte Richtung bewegt. Doch dessen Vorsitzende Bettina Orlopp zeigt sich weiter unnachgiebig. Sie sieht laut einem Interview von gestern mit Bloomberg TV stark auseinandergehende Meinungen zwischen den beiden Geldhäusern.
Das beginnt mit der Bewertung der beiden Unternehmen und dem Umtauschverhältnis und geht weiter bei einem potenziellen zukünftigen Geschäftsmodell. Orlopp betonte, an der bisherigen Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank festzuhalten. Dabei gibt es Rückendeckung von der Bundesregierung, die eine Übernahme weiterhin ablehnt.
Die UniCredit selbst erwartet zudem nicht, mit dem freiwilligen Übernahmeangebot eine kontrollierende Mehrheit von mehr als 50 Prozent an der Commerzbank zu erwerben. Eher dürfte neben dem Druck, der aufgebaut werden soll, der danach folgende Ausbau der Beteiligung über die Börse das Ziel sein. Denn Beschränkungen gibt es dann erst einmal nicht mehr.
In den kommenden Wochen sollte der Kurs vom Angebot der UniCredit Rückenwind erhalten, ohne dass es schon zu einer Übernahme kommt. Das Thema dürfte das laufende Jahr dennoch weiter beherrschen – mit positiven Auswirkungen auf den Aktienkurs. Investierte bleiben bei der laufenden Empfehlung dabei.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 11:13