21.02.2019 Nikolas Kessler

Wie die Deutsche Bank 1,6 Milliarden Dollar in einem einzigen Trade versenkt hat

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Deutsche Bank
Trendthema

Ein misslungener Deal mit US-Kommunalanleihen hat der Deutschen Bank einen riesigen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar eingebrockt. Die ursprüngliche Transaktion stammt zwar aus dem Jahr 2007, die Nachwirkungen haben das Institut allerdings bis April 2018 beschäftigt. Erst ein Bericht des Wall Street Journals (WSJ) hat nun das ganze Ausmaß aufgedeckt.

Der Deal reicht zurück ins Jahr 2007. Damals hatte die Deutsche Bank ein Portfolio von 500 Kommunalanleihen im Wert von 7,8 Milliarden Dollar gekauft. Abgesichert wurden die Kreditausfallrisiken zunächst bei spezialisierten Versicherern. Als kurz darauf die Finanzkrise ausbrach, gerieten zunächst die Kommunen und bald auch die Versicherer unter Druck. Im März 2018 hat die Deutsche Bank daraufhin zusätzlicher Kreditausfallversicherungen im Wert von 140 Millionen Dollar bei Berkshire Hathaway, dem Versicherungs- und Investmentkonglomerat von Warren Buffett, gekauft.

Anschließend habe das Institut jedoch lange gezögert, die Bewertung der Anleihen entsprechend ihrem Marktwert zu senken, heißt es in dem Bericht unter Verweis auf interne Dokumente und Angaben von Insidern. In der Zwischenzeit habe die Bank bei Investoren Milliarden eingesammelt, ohne dabei die potenziellen Risiken in der Bilanz offenzulegen. Das habe auch zu Differenzen zwischen dem Management und den Wirtschaftsprüfern geführt.

Bittere Bilanz: 1,6 Milliarden Dollar Verlust

Im Jahr 2012 sei das Portfolio schließlich in eine Bad Bank ausgelagert und 2016 im Zuge der Schließung der Bad Bank abgewickelt worden, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher dem WSJ. Externe Anwälte und Wirtschaftsprüfer hätten die Transaktion abgesegnet. Unter dem Strich entstand beim Verkauf des Anleihepakets ein Verlust von rund 1,6 Milliarden Dollar – laut dem Bericht einer der größten Fehlschläge in der gesamten Bankenbranche und rund viermal mehr als der gesamte Jahresgewinn der Deutschen Bank im letzten Jahr.

Anschließend sei intern noch bis April 2018 darüber diskutiert worden, ob die zurückliegenden Quartalsergebnisse korrigiert werden müssen. Letztlich habe man sich dagegen entschieden und die Untersuchung abgeschlossen. Offengelegt hatte die Deutsche Bank das Ausmaß des misslungenen Trades bisher nicht.

Schlimmeres gewohnt?

Die Anleger kann die Meldung am Donnerstagmorgen ebenso wenig schocken wie die Diskussion über die Notwendigkeit neuer EZB-Hilfen für den krisengeplagten Sektor. Zum Handelsstart kann die Deutsche-Bank-Aktie sogar moderat zulegen. Trotzdem bleibt DER AKTIONÄR bei seiner Verkaufsempfehlung für die Papiere.