Die angeschlagenen Aktie der deutschen Autobauer geben zur Wochenmitte kurzzeitig Gas. Grund dafür ist, dass die EU offenbar den Kurs gegenüber China verschärft. Brüssel bereitet laut Medienberichten eine Begrenzung der Einfuhren chinesischer Hybridautos vor. Damit keimt für einen Augenblick neue Hoffnung für die deutschen Autobauer auf.
Hintergrund sind die stark gestiegenen Importe chinesischer Hybridfahrzeuge. Während sich das Wachstum chinesischer Elektroautos in Europa zuletzt wegen der bestehenden EU-Zölle abgeschwächt hat, gewinnen Hybride deutlich an Marktanteilen. Im August entfiel bereits rund jeder vierte Hybridverkauf in Europa auf einen chinesischen Hersteller. Bei Plug-in-Hybriden war es sogar rund jeder dritte.
EU plant Schutzmechanismus
Die EU-Kommission prüft sogenannte Safeguard-Maßnahmen. Eine Möglichkeit wären Zollkontingente: Bis zu einer bestimmten Importmenge könnten Fahrzeuge zollfrei oder zu einem niedrigeren Satz eingeführt werden. Für darüber hinausgehende Einfuhren würden höhere Abgaben fällig. Die geplante Begrenzung soll zunächst zeitlich befristet sein.
Für europäische Autobauer wäre das ein potenzieller Rückenwind. Vor allem Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Porsche stehen mit chinesischen Wettbewerbern zunehmend unter Druck. Eine Begrenzung chinesischer Fahrzeuge könnte den Preisdruck im europäischen Markt zumindest teilweise reduzieren.
Brüssel will den Mechanismus offenbar zunächst bei Hybridautos testen. Bei Erfolg könnte das Instrument später auch auf andere Branchen ausgeweitet werden, in denen die EU ein Ungleichgewicht im Handel mit China sieht.
China droht mit Gegenwehr
Ob die Maßnahme tatsächlich kommt, ist allerdings noch offen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič reist diese Woche nach Peking und trifft dort Chinas Handelsminister Wang Wentao. Die Gespräche könnten die weitere Linie der EU beeinflussen.
China hatte bereits freiwillige Exportbeschränkungen für Autos zurückgewiesen und mit einem Verstoß gegen WTO-Regeln argumentiert. Entsprechend groß ist das Risiko einer Gegenreaktion.
Der EU-Vorstoß kommt für die europäischen Autobauer dennoch zur richtigen Zeit. Chinesische Marken wie BYD haben im August einen Rekordanteil am europäischen Automarkt erreicht. Für die heimischen Hersteller ist jede Maßnahme, die den zusätzlichen Wettbewerbsdruck zumindest vorerst begrenzt, daher grundsätzlich positiv.
Zwar treibt der EU-Vorstoß die Auto-Aktien zur Wochenmitte für einen Augenblick an, jedoch bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich Obergrenzen für chinesische Hybridfahrzeuge geben wird. Zudem wäre die Krise der deutschen Autobauer nur damit nicht abhakt. DER AKTIONÄR rät Anlegern daher bei den deutschen Autobauern weiterhin an der Seitenlinie zu bleiben und empfiehlt stattdessen Tesla und Ferrari zum Kauf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz., Mercedes-Benz, Porsche AG, Porsche SE.
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